Klassentreffen des Ottobrunner Schuljahrgangs 1941

Kinder, wie die Zeit vergeht

Ottobrunn - Sie kennen sich seit 74 Jahren, treffen sich seit zehn Jahren jedes Jahr: Die Männer und Frauen, die 1941 in die Ottobrunner Volksschule kamen. Es gibt viel zu erzählen - und zu verarbeiten.

Vor 74 Jahren haben sie sich kennengelernt, und heute noch haben sie Kontakt: Senioren, die 1941 in der Volksschule Ottobrunn eingeschult wurden, versammeln sich jedes Jahr zum Klassentreffen. Heuer war es eine runde Sache: Die ehemaligen Volksschüler sind oder werden alle 80 Jahre alt.

Organisator Erich Friedl freute sich, dass 25 Personen zu dem Treffen in Hohenbrunn gekommen waren. Manche wohnten zu weit weg, um dabei zu sein, etwa in Lübeck oder gar in den USA. Etliche seien leider schon verstorben. „Wir treffen uns jeden dritten Mittwoch im August um 11 Uhr im Alten Wirt Hohenbrunn“, erzählt der 80-Jährige. Seit 2005 läuft das so. Mit dabei ist der Jahrgang 1936, also jene ehemalige Kameraden, die eine Klasse unter Friedl oder seine Mitschüler waren.

Obwohl 25 Menschen in einem Raum sitzen, ist der Geräuschpegel niedrig. Jeder ist in ein Gespräch mit dem Sitznachbarn vertieft. „Manche erkennt man nur noch an der Stimme“, sagt Christine Reim. Äußerlich oder gar charakterlich zuordnen könne man die Leute nicht mehr. „Wir sehen uns ja nur hier oder ab und zu zufällig auf der Straße“, erzählt die 80-Jährige. Sie und ihre ehemaligen Klassenkameraden besuchten die Volksschule Ottobrunn in der Jahnstraße, die damals „Adolf-Wagner-Schule“ hieß.

Alle erinnern sich vor allem an eine Lehrerin: Frau Schreiner. „Sie war sehr streng, Tatzen waren an der Tagesordnung“, erzählt Christine Reim. Hildegard Jaksch (80) fügt an: „Aber wir haben viel bei ihr gelernt.“ Die Schulzeit ist das zentrale Thema, über das sich die Senioren austauschen. Sich gemeinsam an das Erlebte erinnern.

Die Frauen und Männer, die etwa zur Hälfte nach wie vor in Ottobrunn und Umgebung wohnen, erzählen vorwiegend von Eindrücken, die sie während des Kriegs erleben mussten. Zum Beispiel davon, als 1944 ein Mitschüler eine Patrone in einen Baum warf und einen anderen Mitschüler damit tötete. Vor den Augen der damals Neunjährigen. „Solche Sachen vergisst man nicht, über die redet man immer und immer wieder“, sagt Hildegard Jaksch.

Sie selbst denkt an ein prägendes Erlebnis zurück: Bei einem Fliegerangriff sprang sie in einen Wassergraben und rettete so ihr Leben – „dabei erlitt ich einen Hüftschaden und lag eineinhalb Jahre im Krankenhaus“. Solche Erlebnisse „verarbeiten wir immer noch“, sagt Erich Friedl. Im kleineren Kreis träfen sich viele Ehemalige häufiger als einmal jährlich. Erwin Sanftl und Horst Hahn zum Beispiel sehen sich seit 1941 durchgehend regelmäßig.

jo

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