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Filmemacher Klaus Bichlmeier (r.) und Willy Beyhl, der ihm  Hinweise zur Aufklärung der Todesumstände König Ludwigs gibt.

Starb König Ludwig II. durch zwei Gewehrkugeln?

König Ludwig II. - Ottobrunner Filmemacher fahndet nach dem Kini-Killer

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Mit seiner Filmdoku zu den mysteriösen Todesumständen von König Ludwig II. schaffte es Klaus Bichlmeier bis in die „London Times“.

Ottobrunn– Die Frage nach der Todesursache von König Ludwig II. lässt den Ottobrunner Filmemacher Klaus Bichlmeier nicht los. Auch wenn die Dokumentation längst fertig ist. Denn was heißt schon fertig? Der Experte für lokal-historische Geschichten hat alles recherchiert, sein Material im Kasten und geschnitten – als er auch aufgrund der Berichterstattung des Münchner Merkureinen neuen, sachdienlichen Hinweis erhält. Er führt ein weiteres Interview und versieht so seine Version der Geschehnisse im Jahr 1886 mit einem weiteren Mosaikstein.

Der Ottobrunner ist sich sicher, dass der Kini ermordet wurde. In den Rücken getroffen von zwei Gewehrkugeln. Er hat es sich vorgenommen, den Ruf des Monarchen zu rehabilitieren. Neben Ade Huber, dessen Urgroßvater den König aus dem Wasser geborgen hatte, kommt in der Dokumentation aktuell Willy Beyhl (96) in einer längeren Sequenz zu Wort.

Der Film „Unerhörtes ist geschehen“ hat inzwischen auf gewisse Weise international Karriere gemacht, ja regelrecht Wellen geschlagen. Die London Times widmete dem mysteriösen Tod des Märchenkönigs eine halbe Seite unter dem Titel „Suicide of Mad Ludwig was murder, says Film-maker“ („Der Selbstmord des verrückten Ludwig war Mord, sagt ein Filmemacher.“) Dieser Bekanntheitsgrad führt dazu, dass Bichlmeier im nächsten Jahr im Festspielhaus in Füssen dem idyllischen Städtchen unterhalb Neuschwansteins, Vorstellungen geben wird.

Ein Brief und zwei Zeugen sollen die Theorie vom Selbstmord entkräften

Aber wie lässt sich die spektakuläre These vom Königsmord beweisen? Erstens, so der Filmemacher, gebe es einen Brief Ludwigs drei Tage vor seinem Tod, in dem er völlig klar im Kopf zu sein scheint und wegen Verrats um Hilfe ruft. Der Brief ist augenscheinlich echt. Außerdem hat Bichlmeier zwei Zeugen für seine Version der dramatischen Minuten am Starnberger See gefunden.

Neben Ade Huber kam er auf den 96-jährigen Münchner Willy Beyhl. Dieser will 1961 dabeigewesen sein, als der Nachlass von Ludwig II. auf Schloss Nymphenburg verbrannt worden sei.

Die Schilderung des Hinweisgebers hält Bichlmeier für absolut glaubwürdig und konservierte sie in einem Tondokument, das ungekürzt im Film wiedergegeben wird. Die Verbrennung des Nachlasses habe sich demnach in der Waschküche von Willy Beyhls einstiger Privatwohnung im Haus Nummer 8 auf Schloss Nymphenburg zugetragen. Dort habe der heute 96-Jährige die längste Zeit gewohnt. Die Familie bekam von den Wittelsbachern Maleraufträge.

Einschusslöcher im königlichen Mantel?

Eines Tages fuhr laut Beyhl der Chauffeur der Adelsfamilie mit einem Opel Admiral vor. Er habe gewusst, dass im Keller der Nymphenburger Familie noch ein Ofen in der Wachküche in Betrieb war, den man einschüren konnte. Der Vater von Willy Beyhl habe sich die königlichen Utensilien angesehen, die verbrannt werden sollten. Der Nachlass. Darunter auch der Mantel, den der König zum Todeszeitpunkt anhatte.

Der Vater von Willy Beyhl, Sanitäter im Ersten Weltkrieg, wertete zwei Löcher im Mantel ob seiner militärischen Erfahrung als Einschusslöcher. Ein Beleg für die Mord-Theorie? – Bei der Vorführung unlängst im Münchner Gasteig hätten die Zuschauer, so Bichlmeier, stillschweigend und von der emotionalen Wucht fast benommen den Saal verlassen.

Die Doku wird im Putzbrunner Bürgerhaus gezeigt - als Multimedia-Show

Jetzt gibt es eine Premiere im südöstlichen Landkreis, dem Kerngebiet von Bichlmeiers Schaffen. Die Dokumentation wird im Putzbrunner Bürgerhaus vorgeführt. Mit dabei bei der Multimedia-Vorstellung am Freitag, 15. September, um 20 Uhr ist die Kapelle der Neubiberger Harmonie mit zwölf Mitgliedern. Die Musiker werden zu Beginn hereindefilieren. Außerdem ist eine Künstlerin aus dem kanadischen Montreal mit von der Partie, die auf der Geige Melodien aus dem Musical Elisabeth spielt. Klaus Bichlmeier wird den Film alle zehn Minuten unterbrechen und seine Recherchen erläutern. Außerdem tritt ein Gendarm mit Pickelhaube auf und verkündet die Proklamation des Königs, der sich in allerhöchster Not befindet. Die Zuschauer erwartet eine Mischung aus Schauspiel, Live-Musik, Moderation und Dokumentation unter dem Titel „Unerhörtes ist geschehen.“

Lesen Sie auch: Streit um König Ludwigs Märchenschloss - Freistaat behält Marke „Neuschwanstein“

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