Rückkehr zu G9

Der Platz am Gymnasium wird knapp

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Die gerade beschlossene Rückkehr zum G9 beschert Gymnasien im Landkreis bis zu 2500 zusätzliche Schüler. Die SPD fordert die Übernahme der Kosten durch den Freistaat.

Landkreis Ob es bei den geschätzten 2000 bis 2500 Schülern bleibt, ist noch nicht sicher. Landrat Christoph Göbel (CSU) sprach im Kreis-Schulausschuss von einer „vorsichtigen Prognose“. Fest steht indes: Allein aufgrund seiner hohen Einwohnerzahl ist der Landkreis München nach den Städten München und Nürnberg am stärksten von der Rückkehr zu G9 betroffen. Göbel hat neue Schulen deshalb fest im Blick: „Sehr zügig müssen wir uns in die Phase des Baus von Gymnasien begeben.“

An die 14 000 Schüler verteilen sich gegenwärtig auf die 14 Gymnasien im Kreis. Darunter Schulen, die heute schon die Größe von 1200 Schülern erreicht haben oder kurz davor stehen. Die SPD ruft das Landratsamt daher dazu auf, die Folgen von G9 und „Lösungsmöglichkeiten“ für jede Schule aufzuzeigen. „Wir haben das auf dem Schirm“, entgegnete Göbel im Ausschuss. Die Verwaltung sei im Begriff, genaue Modelle zu skizzieren.

Neue Schulen aber kosten Geld. Für das Gymnasium in Kirchheim sind 75 Millionen Euro veranschlagt. Mit ihrem Antrag rührt die SPD an ein altes Thema im Kreistag, Rechte des Kreises mit mehr Vehemenz zu verteidigen. Bildung ist ein klassischer Aufgabenbereich der Bundesländer, weshalb die SPD den Landrat mit Nachdruck auffordert, „mit dem Freistaat über die Kostenübernahme“ der im Zuge der G9 fälligen Schulneubauten zu verhandeln. Konnexität, heißt das Zauberwort. Ein gerichtlich durchsetzbarer, in jeder Landesverfassung verankerter Anspruch, wonach ein Bundesland für Ausgleich zu sorgen hat, wenn es Aufgaben an eine Kommune überträgt: Wer anschafft, zahlt. Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) sieht da keinen Raum für Missverständnisse: „Wenn Konnexität hier nicht greift, weiß ich auch nicht wo.“ Gerade die neuen Gymnasien seien auf G9 nicht eingestellt, argumentiert SPD-Fraktionschefin Ingrid Lenz-Aktas.

Der Schulleiter des Gymnasiums Ottobrunn, Achim Lebert, kann das nur bestätigen: Vor einem Jahr eröffnet, sei der Neubau für zusätzliche G9-Schüler nicht konzipiert worden. „Das heißt, wir haben keinen Platz.“ An einen neuerlichen An- beziehungsweise Neubau möchte Lebert nicht denken. Es wäre der fünfte in seinen zwölf Jahren am Gymnasium.

Was Lebert umtreibt, ist die Sorge um seine bislang 1100 Schüler. „Wir haben uns heftig angestrengt, damit G8 funktioniert.“ Intensivunterricht, Doppelstunden. „So ist einfach mehr Tiefe möglich.“ Es gab Projekte gegen Mobbing. Schwächere Schüler seien gefördert worden, ebenso wie besonders gute. „Ich jedenfalls kann nicht bestätigen, dass G8 nicht funktioniert.“ Bei anonymen Umfragen sei der Zuspruch der Schüler zum Gymnasium jedes Jahr gestiegen. Jetzt fürchtet er um die Möglichkeiten, Schüler gezielt zu fördern. „Das ganze Organisationskonzept kommt auf den Prüfstand.“

Auch in älteren Schulen sind Kapazitäten mitunter knapp, wie die SPD in ihrem Antrag feststellt; ob Mensa, Bibliothek oder Turnhalle. Hendrik Rehn, Schulleiter in Gräfelfing, weiß davon ein Lied zu singen: „Uns fehlen jetzt schon 20 Räume.“ Von Bio- bis Kunstunterricht; vor allem an Fachräumen mangelt es. „Was Politiker nämlich gerne vergessen: Es geht nicht bloß um Schülerzahlen.“ „Unsere Lage verschärft sich durch G9“, da hat der Leiter des Kurt-Huber-Gymnasiums keine Zweifel: „Wir haben jetzt schon mehr Schüler, als vorgesehen.“ Räume in der alten Grundschule mussten dem Gymnasium zur Verfügung gestellt werden. Richtig eng aber wird es laut Rehn, wenn in acht Jahren der erste G9-Jahrgang die 13. Klasse erreicht: „In dem Übergangsjahr müssen wir einen kompletten Jahrgang mehr unterbringen.“

Andreas Sachse

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