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Lüft-Problem: Klassen können Fenster nicht öffnen - Schulen suchen nach Lösungen

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Unterricht am Gymnasium
Mindestens alle 45 Minuten für fünf Minuten lüften - dazu sind die Schulen angehalten. © dpa / Marijan Murat

Damit die Schulen offen bleiben können, muss für Frischluft gesorgt sein. Doch in vielen Schulen im Landkreis sind die Fenster teilweise nur kippbar. Die Schulen suchen nun nach Lösungen.

Landkreis – Eigentlich hätte das Gymnasium Ottobrunn beste Voraussetzungen: Der Neubau ist hervorragend ausgestattet, moderne Lüftungsanlagen sorgen für Frischluft und CO2-Sensoren zeigen per Ampelsystem deren Qualität an. Doch in manchen Räumen steht die Ampel dauerhaft auf Rot, eine Lüftung gibt es hier nicht. Die Luftqualität ist entsprechend schlecht. „Es müssen hier alle Fenster und die Tür durchgehend offen stehen, dann kriegt man das gerade so hin“, sagt Schulleiter Achim Lebert. Das Problem: Teils lassen sich die Fenster in den betroffenen Klassenzimmern nur kippen. Quer- und Stoßlüften unmöglich.

Doch genau das fordert das Kultusministerium. Damit die Schulen trotz stark steigender Infektionszahlen offen bleiben können, hat das Ministerium einen Rahmen-Hygieneplan vorgelegt. Neben der AHA-Regel – Abstand, Hygiene und Alltagsmasken – ist darin das Lüften ein zentraler Punkt: Mindestens alle 45 Minuten für mindestens fünf Minuten, „durch vollständig geöffnete Fenster“.

„Wenn das nicht geht, müssen zumindest Luftreiniger angeschafft werden“

Dass das nicht immer funktioniert, zeigt sich in Ottobrunn – und in vielen anderen bayerischen Klasszimmern. „Wir wissen, dass in Gebäuden aus unterschiedlichen Gründen, sei es wegen der Sicherheit, Räume existieren, die schlecht belüftbar sind“, sagt Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischer Philologenverbands (bpv), gegenüber dem Münchner Merkur. Im Hygieneplan heißt es hierzu, die Schulleitung solle in diesem Fall zusammen mit dem jeweiligen Sachaufwandsträger „geeignete Maßnahmen treffen“. Schwägerl vom Lehrerverband fordert: Zuerst solle geprüft werden, wo sich nachbessern lasse, etwa durch einen Schreiner, der die Fenster umbaut. „Und wenn das nicht geht, dann müssen in einem zweiten Schritt zumindest Luftreiniger angeschafft werden.“

Solche Apparate werden auch in Ottobrunn diskutiert. „Es gibt Firmen, die bieten mobile Luftreinigungsgeräte an“, sagt Schulleiter Lebert. Das wäre eine schnelle Lösung. Lebert hat das bereits dem zuständigen Zweckverband Staatliche weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises mitgeteilt.

Kultusministerium stelle 37 Millionen Euro in Aussicht

Grundsätzlich fördert das Kultusministerium Maßnahmen zum infektionsschutzgerechten Lüften an Schulen, worunter auch Luftreiniger fallen. Dafür stellt es Finanzmittel in Höhe von 37 Millionen Euro bereit. Die Behörde verspricht in einer Pressemeldung, dass das Geld „schnell und unbürokratisch“ beantragt werden könne.

Doch auf ein Schreiben des Ministeriums warte man noch, erklärt Johann Mader vom Schulzweckverband auf Anfrage. Bisher sei ihm weder bekannt, welche Räume genau gefördert würden, noch was die Reinigungsgeräte für Anforderungen erfüllen müssten. Der Zweckverband befürchtet, dass er auf den Kosten sitzen bleibt, wenn er bei einer Bedarfsprüfung in Vorleistung gehe, ohne zu wissen, was eigentlich gefördert wird. Bis die Luftreiniger also in den Klassenzimmern stehen, dauert es noch.

Luftreiniger nicht unumstritten

Zudem sind die Luftreiniger nicht unumstritten. Das Umweltbundesamt teilte kürzlich mit, dass die mobilen Geräten alleine nicht ausreichen, um Viren aus der Luft zu filtern – auch der CO2-Gehalt werde dadurch nicht verbessert. Das Bundesamt empfiehlt sie höchstens als zusätzliche Maßnahme.

Für Achim Lebert wäre das zumindest ein Anfang, denn die Zeit drängt. „Erst kürzlich hat mir eine 12. Klasse erzählt, dass in einem Raum die Ampel die ganze Zeit auf Rot stand.“ Falls keine schnelle Hilfe kommt, hofft er darauf, dass sich bei fallenden Temperaturen wenigstens der Luftaustausch in den Räumen bessert. Ansonsten drohe ein Platzproblem: „Dann müssten wir vielleicht bestimmte Klassen auf andere Räume umschichten.“

JULIAN LIMMER

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