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Raumfahrt: Forschung und Industrie boomt im Weltraum-Hotspot Landkreis München

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Von: Max Wochinger

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Die Isar Aerospace baut kleine Trägerraketen. Bis 2024 will Isar Aerospace Satelliten des Schweizer Börsenunternehmens Astrocast in den Orbit schicken. Hier ist die 27 Meter lange Spectrum-Rakete zu sehen.
Die Isar Aerospace baut kleine Trägerraketen. Bis 2024 will Isar Aerospace Satelliten des Schweizer Börsenunternehmens Astrocast in den Orbit schicken. Hier ist die 27 Meter lange Spectrum-Rakete zu sehen. © Isar Aerospace

Der Landkreis entwickelt sich zum bedeutenden Industrie- und Forschungsstandort für Raumfahrt. Die Universitäten wachsen, Start-Ups sorgen für Aufsehen.

Ottobrunn/Neubiberg – Das Raumfahrtprogramm „Bavaria One“ der Staatsregierung hat Fahrt aufgenommen. Ziel der Regierung ist es, Bayern zum größten Industrie- und Forschungsstandort für Luft- und Raumfahrt in Europa zu entwickeln. Universitäten und Space-Unternehmen in Ottobrunn und Neubiberg belegen mittlerweile Spitzenplätze auf dem Gebiet.

Der Südosten des Landkreises München hat eine wichtige Stellung. Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, spricht in Anlehnung an das kalifornische Start-up-Mekka Silicon Valley sogar vom „Bavarian Space Valley“. Große Worte mit einem klaren Ziel: die Region München soll Nummer 1 werden.

22 Professuren und über 800 Studierende

Einen wichtigen Bestandteil dieser Strategie trägt die Technische Universität München (TUM) bei. Im Mai 2018 wurde auf Initiative der Staatsregierung die Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie in Ottobrunn gegründet. Nur dreieinhalb Jahre später gibt es bereits 22 Professuren an der Fakultät mit über 800 Studierenden. Das Ziel der TUM: 50 Professuren und mehr als 3000 Studierende bis 2030. Die TUM soll „#01 Fakultät in Europa“ werden, schreibt die Universität auf ihrer Internetseite.

Die TUM unterstützt etliche Forschungsprojekte, zum Wintersemester 2021 startete der neue Bachelorstudiengang „Aerospace“. 118 Studierende aus 40 Ländern sind darin eingeschrieben, sie kommen unter anderem aus Indonesien, Iran oder Kasachstan.

Auch Bundeswehr-Uni mischt mit

Auch die Bundeswehr-Universität in Neubiberg mischt mit, sie forscht unter anderem an kleinen Trägerraketen. Die sogenannten „Micro-Launcher“ werden für den Flug in den Orbit immer wichtiger, weil die Fracht, also Satelliten, immer kleiner wird. Die Nachfrage nach kostengünstigen Raketenstarts mit kleinen Trägerraketen ist hoch.

Um die Raketenstarts noch effizienter und günstiger zu gestalten, forscht die Bundeswehr-Uni derzeit an sekundären Hochdrucktanks für Trägerraketen. Sie seien ein „starker Kostentreiber der Launcher-Produktion“, teilte die Universität mit. Diese Tanks dienen zur Bedruckung der Haupttanks oder als Treibstofftanks für Steuertriebwerke, so ein Sprecher.

Das Forschungsprojekt ist auf vier Jahre angesetzt. Die Universität der Bundeswehr arbeitet mit der Firma Blackwave zusammen, ein Carbon-Experte aus Taufkirchen. Auch viele Zulieferer der Raumfahrt-Industrie sind im Landkreis angesiedelt.

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Forschungsvorhaben. Es soll auch die hochgesteckten Ziele des sogenannten „New Space Race“ unterstützen, teilte die Uni mit. „New space race“, das ist das Rennen um die Eroberung des Orbits mit Kleinsatelliten.

Isar Aerospace plant Testflug

Isar Aerospace will das Weltraum-Rennen anführen. Das junge Unternehmen aus Ottobrunn baut diese kleinen Trägerraketen – jene Raketenart, an denen die Bundeswehr-Universität forscht. Die Space-Firma führt auch Raketenstarts als Dienstleister durch. Gegründet wurde Isar Aerospace 2018 von den TUM-Alumni Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl. Das Unternehmen ist seither auf über 200 Mitarbeiter gewachsen. Der erste Testflug ist für heuer geplant.

In den vergangenen Jahren haben die Ottobrunner mehrere Unternehmer-Wettbewerbe gewonnen. Sie konnten internationale Sponsoren von sich überzeugen, darunter den Porsche-Konzern und den Profi-Investor Airbus Ventures. 180 Millionen Euro konnten sie bereits einsammeln.

Mitte Dezember wurde eine weitere Vereinbarung geschlossen: Bis 2024 will Isar Aerospace Satelliten des Schweizer Börsenunternehmens Astrocast in den Orbit schicken. Astrocast, ein Dienstleister für Kommunikationstechnologie, ist ein weiterer Auftraggeber im wachsenden Kundenstamm der Raketenbauer.

Astrocast will nach eigenen Angaben „europäische Lösungen“ für den Start von Satelliten unterstützen. Mit Isar Aerospace haben die Schweizer einen Raketendienstleister gefunden, dessen Sitz im Herzen Europas liegt: in Bayern. Die Raketen mit den Kleinsatelliten an Bord starten von der Abschussrampe in Andøya, Norwegen.

Der bayerische Raum sei ein weltweites Zentrum der Raumfahrtindustrie und -forschung, sagte Florian Holzapfel Ende Oktober 2021 in einem Interview mit dem Münchner Merkur. Holzapfel ist Professor für Flugsystemdynamik an der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie in Ottobrunn. „Es kommen Milliarden an Investitionen in den Münchner Raum“, sagt der Wissenschaftler. Der Großraum München sei besonders, erklärt er, weil „alle Firmen nur in einer halben Stunde zu erreichen sind“.

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