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Nadine Haas (oben) von der Doppelmayr Seilbahn AG erklärt die technischen Vorteile an der bereits vorhanden Seilbahn in La Paz.

Der Landrat outet sich erneut als Fan der Idee

Zukunft liegt in der Luft: Seilbahn soll Süden und Norden des Landkreises verbinden

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Das Luftraumfahrtzentrum Bavaria One rückt näher. Die Gemeinden um den Uni-Campus ersticken aber schon jetzt im Verkehr. Eine Seilbahn scheint eine echte Option. Landkreisweit.

Ottobrunn/Taufkirchen – Im Stau auf der Rosenheimer Landstraße stehen, an unzähligen roten Ampel entlang des Gewerbegebiets warten oder in die überfüllte S7 einsteigen – Alltag für viele Ottobrunner. Das Verkehrssystem der Kommune platzt aus allen Nähten. Eine langfristige Lösung ist dringend nötig, vor allem wenn das von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geplante Mammutprojekt Bavaria One in die flächenmäßig kleinste Gemeinde des Landkreis kommt.

Seit Jahren kämpfen die Ottobrunner Bürger für die Verlängerung der U 5 von Neuperlach Süd bis in die Ortsmitte. Mit dem Bau des Luftfahrtzentrums und vielen neuen Arbeitsplätzen gäbe es einen hieb- und stichfesten Grund, das Verkehrsnetz zu erweitern. Eine eingleisige S-Bahn, die im Zwanzig-Minuten-Takt kommt, reicht nicht mehr aus. „Der Campus ist eine große Chance, aber wir müssen auch darauf achten, dass der Verkehr erschlossen ist“, sagte Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) während einer Podiumsdiskussion der Christsozialen zum Ludwig -Bölkow-Campus im Wolf-Ferrari-Haus. Wichtig sei ihm, nicht den gleichen Fehler zu machen wie am Forschungscampus Garching, an dem über 20 000 Studenten immatrikuliert sind. Dort sei zu spät mit der Verkehrsplanung begonnen worden. „So darf das hier nicht sein“, merkte Loderer an.

Göbel: „Der Bau von einem Kilometer U-Bahn kostet 100 Millionen Euro“

Der U-Bahn-Ausbau hat aber auch eine Kehrseite. Das Angebot würden nicht nur Studenten und Arbeitnehmer nutzen, auch zahlreiche Pendler aus dem Süden werden in Zukunft wohl ihr Auto an der U-Bahn-Station abstellen, um dann ins Münchner Zentrum zu fahren. Für Loderer ist klar: „Wir müssen auf alle Fälle Park-und-Ride-Anlagen bauen“, und das im nahezu zugebauten Ottobrunn. 

Landrat Christoph Göbel ist sich hingegen sicher: die „U-Bahn alleine ist nur ein Rückgrat“. Alternativen seien gefragt. Sein Vorschlag: eine Seilbahn entlang der B 471, von Unterschleißheim über die Isar bis nach Pasing. „Der Bau von einem Kilometer U-Bahn kostet 100 Millionen Euro, die Seilbahn hingegen nur acht Millionen“, sagte Göbel. Ein Argument, das saß. Der Landrat habe kürzlich konkrete Studien zu seinem Vorhaben in Auftrag gegeben. Göbel will die Seilbahn nicht vertikal, also parallel zur S-Bahn-Linie bauen, sondern im tangentialen Brachland. „Sonst kannibalisieren sich die Verkehrsmittel gegenseitig“, sagte der Landrat.

Seilbahn durch den Landkreis: 30 Personen pro Gondel, bis zu 5000 Reisende pro Stunde

Zahlreiche Vorteile der Bahn unterstrich Nadine Haas vom österreichischen Lift- und Seilbahn-Hersteller Doppelmayr. Das moderne Transportmittel sehe nicht nur schick aus und biete einen Panoramaausblick über den Landkreis, es habe auch gut bezifferbare Stärken. „Jede halbe Minute kommt eine Gondel an der Station an“, sagte Haas, die Maschinenwesen studiert hat. Außerdem verbrauche die Seilbahn wenig Ressourcen, biete Sicherheit, habe Platz für bis zu 30 Personen pro Gondel, könne bis zu 5000 Reisende pro Stunde befördern und überzeuge mit geringer Emission und einer schnellen Reisezeit. In London, La Paz (Bolivien) und auch Koblenz schweben die Bürger, dank der urbanen Seilbahn, schon über ihre Stadt. Die elektobetriebene Anlage könne aufgrund ihrer Höhe auch in stark bebauten Gebieten problemlos errichtet werden. „Sie wirkt als Teamplayer mit anderen Verkehrsmitteln“, sagte Haas. Trotz der vielen Loblieder auf die Seilbahn gibt es auch Kritik. „Genehmigungsrechtlich ist das schwierig, wenn man über Privatgelände will“, sagte Verkehrsexperte Klaus Bogenberger.

Lesen Sie auch: Schweben bis nach Unterföhring: Landkreis liebäugelt mit Seilbahn-Verlängerung

Die Einstellung des Bundeswehr Universitätsprofessors Bogenberger ist: „Der beste Verkehr ist der, der gar nicht entsteht.“ Die Lösung seien Studentenapartments direkt auf dem Campusgelände. Ob und wie das möglich ist, soll eine Machbarkeitsstudie jetzt herausfinden. Der Weg zum Raumfahrtprojekt Bavaria One, der U 5-Verlängerung und der Ring-Seilbahn ist noch weit. Doch die Planung wird konkreter.

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