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Deutlich sichtbar: Die Spuren, die Salz und Wasser in der Tiefgarage hinterlassen haben.

Salz frisst sich in die Wände

Marode Tiefgarage kostet Ottobrunn 2,8 Millionen Euro

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Ottobrunn – Bitter: Mit 2,8 Millionen Euro Sanierungskosten muss die Gemeinde für die Tiefgarage in der Ortsmitte rechnen. Schuld ist das Salz.

Den „Beginn einer unerfreulichen Geschichte“ prophezeite Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) den Mitgliedern des Bauausschusses in der Sitzung. Und als „Überbringer schlechter Nachrichten und hoher Kosten“ stellte sich Christian Brandes, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft „Concrete Concepts“ selbst vor. „Nur schuld sind wir nicht.“ 

Schuld ist das Salz. Das frisst sich unaufhörlich in den Stahl der Tiefgarage in Ottobrunns Ortsmitte. Zwar ist „die Korrosion nicht unkritisch und gerade noch tolerierbar“, sagte Brandes. Aber „sie setzt sich fort“. Darum besteht „großer Handlungsbedarf“. Und der wird die Gemeinde voraussichtlich rund 2,8 Millionen Euro kosten. 

Denn das Salz, das durch Tauwasser in die Tiefgarage getragen wird, frisst sich in den Stahl, „den man für die Statik braucht“, erläuterte Brandes. „Die Statik ist relativ schnell geschädigt, ohne dass man es sieht.“ An manchen Stellen ist sie um 30 bis 40 Prozent gesunken. Gefährdet ist die Statik aber nicht. 

Doch Risse und Wasserablagerungen sind an der Zwischendecke deutlich erkennbar. Auch an einigen Wänden hat der Lochfraß Spuren hinterlassen. 

Das Problem: Die Böden der Garage sind nicht gerade, sie fallen zu einer Seite ab. Das Wasser läuft in eine Richtung, dort frisst sich das Salz in den Beton und Stahl. Doch einfach austauschen kann man letzteren nicht. Denn dazu müsste jegliche Last von den betroffenen Stellen genommen, Beton und Stahl-Elemente ausgetauscht werden. Aber „die Statik ist nicht entlastbar“, verdeutlichte der Ingenieur. Die Zwischendecke fungiert als Zugglied und hält die Spannung. „Wird die Betondecke entfernt, würde alles wie ein Reißverschluss aufgehen.“ Das Fazit: „Wir können den korrodierten Stahl nicht ersetzen.“ 

Vielmehr sollen die Schäden eingefroren werden. Beim so genannten „kathodische Korrosionsschutz“ werden Anoden aus Titan verlegt, die Strom abgeben und durch chemische Reaktionen die Korrosion stoppen. Im besten Fall für immer. Der Ist-Zustand wird erhalten. Zusätzlich soll ein Keil das Gefälle in der Tiefgarage ausgleichen und die beschädigten Betonoberflächen beschichtet werden, sodass kein Wasser mehr eindringt. Ein aufwändiges und teures Projekt. 

Darum regte Gemeinderat Reinhard Pohl (BVO) an, „so viele Kosten wie möglich umzulegen“. Beispielsweise könne der geplante Anstrich womöglich als Betriebskosten geltend gemacht und so auf die Mieter umgelegt werden. Bei einer früheren Sanierung war die Gemeinde mit dem Versuch gescheitert, Kosten umzulegen. Im schlimmsten Fall muss sie sogar damit rechnen, den Nutzern der Garage, die ein Recht auf einen Stellplatz haben, Schadensersatz zahlen zu müssen. Nämlich dann, wenn sie für die Dauer der Sanierung keine alternativen Parkplätze zur Verfügung stellen kann. Dies soll noch geprüft werden. 

Insgesamt fasst die Tiefgarage 280 Stellplätze. Um dieses Problem zu entzerren, soll die Sanierung in vier Schritten vollzogen werden, sodass immer nur ein Teil der Fahrzeuge woanders parken muss. Christian Brandes rechnete mit vier Monaten Bauzeit pro Abschnitt, mit 16 Monaten insgesamt. Derzeit beurteilt der Prüfstatiker die Untersuchungsergebnisse. Das Projekt befinde sich im letzten Stadium der Vorplanungen, sagte Brandes. Der Ausschuss segnete die Sanierung ab. Das letzte Wort hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch.

Janine Tokarski

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