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Links: Der Pfleger. Rechts: das Grab des Rentners.

Noch mehr Opfer?

Pfleger unter Mordverdacht: Weitere Todesfälle werden überprüft

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Ein 87-Jähriger ist bereits Opfer eines heimtückischen Krankenpflegers geworden. Nun überprüft die Polizei weitere Todesfälle.

Update 8. März, 12.30 Uhr

Weitere Personen könnten von Grzegorz Wolsztajn um ihr Leben gebracht worden sein. Mittlerweile sind es deutschlandweit sechs Todesfälle, die von der Polizei überprüft werden. Es ist jedoch noch unklar, ob es sich dabei um Tötungsdelikte handelt. 

In allen Fällen konnte ein Aufenthalt des Pflegers nachgewiesen werden. Neben dem in Ottobrunn zu Tode gekommenen 87-Jährigen überprüfen die Behörden das Ableben von Personen in Schleswig-Holstein, Tuttlingen, Hannover, Forchheim und Kitzingen.

Wie die Polizei mitteilt, sind bisher 

rund 35 „substanziell hilfreiche Hinweise“ eingegangen. Die Polizei warnt allerdings auch vor Vorverurteilungen. „Wir stehen erst am Anfang der Ermittlungen“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I.

26 Zeugen kennen den Polen

München - Der 36 Jahre alte Pole Grzegorz Wolsztajn, den Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag als mutmaßlichen Todespfleger präsentiert haben, soll Rentner Franz W. (87) aus Ottobrunn (Kreis München) im Februar mit einer Insulinspritze aus Habgier getötet haben (wir berichteten). Ein weiterer Mord könnte ihm nachgewiesen werden, in vier Fällen gehen die Ermittler von einem Versuch aus. Nun scheint es immer wahrscheinlicher, dass es noch mehr Opfer gibt.

Denn seit der Veröffentlichung von Wolsztajns Foto und seiner Personalien sind aus ganz Deutschland 26 Hinweise eingegangen. Eine Karte (unten) zeigt die Orte, an denen der Pole vermutlich noch gearbeitet hat. Die Münchner Oberstaatsanwältin Anne Leiding hat die Öffentlichkeitsfahndung so erklärt: „Wir wollen wissen, wo sich der Beschuldigte aufgehalten hat, und wo er angestellt war. Möglicherweise gibt es weitere Todesopfer oder Geschädigte.“

26 Hinweise aus ganz Deutschland

Zu den 20 bekannten Orten (rote Punkte), an denen der Pole ältere Menschen gepflegt hat, kamen nach der Öffentlichkeitsfahndung acht neue Wirkungsstätten (gelb) hinzu.

Der Aufruf hat seine Wirkung nicht verfehlt. Innerhalb eines Tages gingen bei der Polizei 26 Hinweise aus ganz Deutschland ein, wie Sprecher Werner Kraus mitteilt. Und diese seien für die Ermittler hilfreich. Denn laut Polizei enthielten acht Zeugenaussagen auch konkrete Informationen über Haushalte, in denen Wolsztajn ebenfalls tätig war. Nach tz-Informationen kümmerte sich der ungelernte Altenpfleger unter anderem auch in Berlin, Hannover sowie im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen und in Tuttlingen (Baden-Württemberg) um Senioren. Und: Auch in Bayern wird sein Wirkungskreis offenbar immer größer.

So wurde Wolsztajn von deutschen Agenturen auch an Pflegebedürftige in den Landkreisen Forchheim, Fürstenfeldbruck, Kitzingen und Traunstein vermittelt. Neue Todesfälle in Zusammenhang mit Wolsztajns Tätigkeiten seien bislang nicht bekannt. Ebenso, ob der Pole auch hier Senioren bestohlen hat. Wolsztajn schweigt nach wie vor.

Er soll Insulin gespritzt haben

Kurz nach seiner Festnahme Mitte Februar gestand er allerdings, dem Ottobrunner Franz W. Insulin gespritzt zu haben, obwohl dieser gar kein Diabetiker war. Eine Obduktion der Leiche bestätigte den Anfangsverdacht. Franz W.s Blutzuckerwert war extrem niedrig, an seinem Körper fand man mehrere Einstichstellen. Doch musste der frühere Handelsvertreter sterben, weil den Ermittlungsbehörden eine Panne unterlaufen ist?

Nach BR-Informationen ermittelte die Staatsanwaltschaft Duisburg im Sommer vergangenen Jahres gegen Wolsztajn wegen Körperverletzung und später sogar wegen Mordes. Grund: Auch in Mülheim an der Ruhr soll der Pole einem Plegebedürftigen Insulin verabreicht haben. Der Senior starb zwei Monate später. Ein Haftbefehl wurde nie erlassen. So konnte Wolsztajn offenbar weitermorden.

Johannes Heininger

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