Nicht noch mehr Gewerbe: Nein zum Mischgebiet

Ottobrunn - Für Diskussionsstoff sorgen die Pläne der Gemeinde, das Gebiet zwischen Otto-, Georg-Kerschensteiner-, Waldschmidtstraße und Pfarrer-Siebenhärl-Weg von einem Wohn- in ein Mischgebiet umzuwandeln. Sowohl die Anwohner der Ottostraße als auch einige Mitglieder des Planungsausschusses protestierten.

Im Rahmen der öffentlichen Auslegung beschwerten sich Anwohner der Ottostraße, dass diese Nutzungsänderung ein „schwerwiegender Eingriff in die Eigentumsrechte“ sei. Sie fürchten zunehmenden Lärm und stellten in der schriftlichen Stellungnahme klar: „Eine Umwidmung ist nicht Ziel der heutigen Eigentümer. Die Ausweisung zusätzlicher Gewerbeflächen sei „verfehlt“ und es seien „keine kleinen Ladeneinheiten erforderlich“, da „wertvoller Wohnraum vernichtet“ werde.

Unterstützung erhielten sie in der Ausschuss-Sitzung von Susanne Vordermaier (CSU): Auch sie ist der Ansicht, dass die Fläche für Geschäfte im Subzentrum an der Ottostraße in unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof „völlig ausreichend ist. Wir brauchen nicht noch mehr“. Zumal immer wieder Einzelhändler auszögen und Ladenlokale leerstünden. Stellvertretend für die BVO-Fraktion wies Reinhard Pohl auf ein weiteres Problem hin: „Der Wohnraum in Ottobrunn ist knapp. Wir kriegen weitere Mitbewohner und wollen darum nicht ein Wohn- zum Mischgebiet machen“, sagte er auch mit Blick auf die steigende Zahl von Asylbewerbern, die Ottobrunn im kommenden Jahr aufnehmen muss.

Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) warb für die Nutzungsänderung und appelliere an den Ausschuss, sich „nicht von der aktuellen Situation leiten zu lassen, sondern auch die Möglichkeiten der Gemeinde im Blick zu haben. Die Planung soll für Jahrzehnte gelten.“

Vorgesehen ist die Änderung, um Unternehmen die Chance zu geben, in den betreffenden Häusern Gewerbe unterzubringen. Konkreter Anlass: Eine Firma möchte das ehemalige Postgebäude für Verkaufsgespräche, Produkt-Demonstrationen und Veranstaltungen nutzen. Dies lässt der Bebauungsplan nach aktuellem Stand aber nicht zu. Die gewerbliche Nutzung ist aufs Erdgeschoss beschränkt. Zudem soll eine Ausweisung als Mischgebiet, die eine gewerbliche Nutzung deutlich einfacher macht, das Subzentrum an der Ottostraße stärken und den vorhandenen Betrieben Planungssicherheit für die Zukunft geben. Große und laute Betriebe wie Tankstellen und Vergnügungsstätten bleiben in dem Viertel weiterhin tabu.

Mit Blick auf die Planungssicherheit wies BVO-Vertreterin Erika Aulenbach darauf hin, dass diese aber auch den Anwohnern zustehe. Sie stellte sich klar gegen eine Änderung: „Da kann ich nicht zustimmen.“ Wie die gesamte BVO-Fraktion.

Letztlich war es knapp: Mit 5:9-Stimmen segneten die Gemeinderäte im Ausschuss die Änderung vom Wohn- in ein Mischgebiet ab. Mit derselben Stimmenzahl scheiterte ein Antrag von Vordermaier (CSU), zumindest die Häuser der Ottostraße 96 und 98 - deren Wohnungseigentümer hatten große Einwände geäußert -, vom Mischgebiet auszunehmen. Janine Tokarski

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