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Unzufrieden mit der Gemeinde: Anwohner der Hans-Kreß-Straße in Ottobrunn haben sich zu einer Protestgruppe zusammengeschlossen.

Niemand will diese Poller

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Aufstand in der Hans-Kreß-Straße in Ottobrunn: Die Anwohner haben Unterschriften gesammelt und fühlen sich von Bürgermeister Thomas Loderer nicht ernst genommen.

OttobrunnIn den Wochen vor Weihnachten hat die Gemeinde Ottobrunn eine böse Überraschung direkt vor der Nase der Anwohner an der Hans-Kreß-Straße platziert: 20 massive Poller ersetzen die Holz-Poller, die erst wenige Monate zuvor aufgestellten Holz-Poller. Dadurch fallen rund sieben Parkplätze weg. Zudem behindern die grauen, widerstandsfähigen Elemente nach Aussage der Anwohner sowohl Radfahrer, Fußgänger als auch die Fahrzeuge der Müllabfuhr. Die Tempo-30-Verkehrsschilder haben seit Ende November Spielstraßen-Schilder abgelöst.

Nicht zweckmäßig: Die neuen grauen Poller kommen bei den Anwohnern der Hans-Kreß-Straße gar nicht gut an.

Die Hans-Kreß-Straße ist eine kleine Sackgasse in einer feinen Wohngegend von Ottobrunn. Hier herrscht wenig Verkehr, am Wegesrand liegen rund zehn Einfamilien- und drei Mehrfamilienhäuser mit jeweils zwölf Wohneinheiten. Seit Jahrzehnten ist die Straße mit Tempo 30 ausgewiesen, und damit fühlte man sich hier wohl. Doch dann nahm die Gemeinde an dieser beschaulichen Straße gravierende Veränderungen vor, die bei den Anliegern auf keinerlei Zustimmung stoßen. Zudem gab es laut Anliegersprecher Edwin Ostermaier keine Vorabinformation. Er wohnt hier seit 15 Jahren und ist aufgrund der jüngsten gemeindlichen Aktivitäten richtig sauer.

Die Anlieger haben die Vermutung, dass zum Jahresende noch Budgetposten im Etat bereitstanden, die es auszugeben galt. Sie empfinden die grauen Pfeiler als störend, die Maßnahme als Schildbürgerstreich.

Sie reagierten unverzüglich auf die Wegsperren und forderten die Gemeinde schriftlich „zur Wiederherstellung der Parkplatz-Situation auf“. Dazu sammelten sie 14 Unterschriften mit der Bitte um Abhilfe und übergaben diese an Bürgermeister Thomas Loderer (CSU). Um ihrem Wunsch Nachdruck zu verleihen, schoben sie eine Petition zur Wiederherstellung der „Zone 30“ in der Hans-Kreß-Straße“ nach – mit einer weiteren Liste und 18 Unterschriften.

Aus Sicht der Gemeinde stellt sich die Situation völlig anders dar: Bürgermeister Loderer hat bereits in einem Schreiben auf die Beschwerden geantwortet. Er verweist darauf, dass es sich bei der Hans-Kreß-Straße um eine Privatstraße der Gemeinde handle, die in eine öffentliche Straße umgewidmet werde. Im Zuge dessen sind nach den Worten des Bürgermeisters verkehrsrechtliche Maßnahmen umgesetzt worden, die sich an den bestehenden Bebauungsplan anlehnen. Er führt weiter aus, dass in dieser Straße gar keine Stellplätze vorgesehen sind, auch kein Fußweg. Deswegen habe die Gemeinde die Straße zum verkehrsberuhigten Bereich erklärt. Das diene der Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern. Im Bereich des Wendehammers können nach Auskunft Loderers keine Parkplätze ausgewiesen werden, weil dieser auch als Anfahrtsweg von der Feuerwehr und den Rettungsdiensten genutzt werde.

Auch zu den Pollern hat der Bürgermeister etwas zu sagen: Warum man die im vergangenen Jahr aufgestellten Holzpflöcke durch „ortsfeste“ Poller ersetzt habe, habe einen ganz bestimmten Grund: Die Pflöcke seien nämlich dem Vandalismus zum Opfer gefallen, und sogar die massiven Poller wiesen bereits Beschädigungen auf. Thomas Loderer: „Offenbar bleibt auch die Gemeinde Ottobrunn von den Auswirkungen einer gewissen gesellschaftlichen Verrohung nicht gänzlich verschont.“

Die Anwohner finden sich in der schriftlichen Antwort nicht wieder. Der Bürgermeister gehe mit keinem Wort auf die Anliegen seiner Bürger ein, drohe stattdessen, am Ende der Straße – im „Wendehammer“, der seit 15 Jahren als Parkplatz genutzt wird – weitere sechs Parkplätze zu beseitigen. Dass die Gemeinde in den Tagen vor Weihnachten vor der Einmündung der Hans-Kreß- in die Rosenheimer Landstraße weitere Schilder montiert hat, ärgert die Anwohner zusätzlich. „Auch bei diesen Verkehrsschildern scheint ein gesundes Maß überschritten zu werden, ganz davon abgesehen überdecken sie einander teilweise“, sagt Edwin Ostermaier.

Loderer ist im Weihnachtsurlaub. Von Dienstag an sitzt er wieder im Rathaus und kann sich erneut mit der Beschwerde der Anwohner auseinandersetzen. Möglicherweise folgen auch rechtliche Schritte. Aber, wie Ostermaier sagt: „Nur im Notfall.“

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