Gregor W. auf der Anklagebank.
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Gregor W. auf der Anklagebank.

Ermittler sagen im Prozess aus

Er hortete Goldschmuck eines Toten: Die Gier des Todespflegers

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Nach der Corona-Pause hat der Prozess um einen polnischen Pflegehelfer (38), der sechs Menschen mit verabreichten Insulinspritzen getötet haben soll, wieder Fahrt aufgenommen.

Ottobrunn – Nach der Corona-Pause hat der Prozess um einen polnischen Pflegehelfer (38), der sechs Menschen mit verabreichten Insulinspritzen getötet haben soll, wieder Fahrt aufgenommen. Ein Kripobeamter berichtete über die Habgier, die der Angeklagte in Ottobrunn an den Tag gelegt haben soll. Weil die Beamten dort wachsam waren, konnte schließlich die gesamte Todesserie des 38-Jährigen zwischen April 2017 und Februar 2018 aufgedeckt werden. Der Pole schweigt zu den Vorwürfen.

Rolex im Stoffbeutel unterm Bett

Geschützt durch Plexiglas-Stellwände berichtete der Ermittler, wie die Schwägerin des verstorbenen Ottobrunners ihm eines Tages von einem Stoffbeutel berichtet hatte, den sie unter dem Bett des Pfleghelfers gefunden hatte. Dieses Bett gehörte ihrem Schwager. Doch der war mit Beginn seiner Pflegebedürftigkeit ins Parterre gezogen und deshalb hatte der Pole zwischenzeitlich das Bett in der 1. Etage bezogen. In der Stofftasche befanden sich eine Goldkette mit Kreuz, eine goldene Rolex-Uhr und goldene Ringe, die dem Verstorbenen gehörten. Eigentlich hatte der Bruder des Verstorbenen den Fund melden wollen, doch er erlitt einen Herzinfarkt. Der Pfleger befand sich zu diesem Zeitpunkt schon in U-Haft.

Ermittler über polnische Pflegedienste: „Das ist der Wahnsinn“

Der Ermittler, der sich aufgrund des Verfahrens auch in Polen ein Bild über die Situation der Pflegedienste gemacht hatte, stieß nach eignen Worten auf Hunderte Dienstleistungsfirmen. „Das ist der Wahnsinn. Ganz viele Polen verdienen sich dadurch ihr Leben“, berichtete er im Sitzungssaal des Landgerichts München I. Das Arbeiten in Deutschland sei so lukrativ, dass selbst ein Kollege der dortigen Kripo von einem Pflege-Einsatz während seines Urlaubs in Deutschland erzählt habe.

Der Angeklagte selber hatte sich in einem 120-Stunden-Kurs zum Pflegehelfer ausbilden und nach Deutschland vermitteln lassen. Die Situation nutzte er aus, um die Senioren um Stehlenswertes zu erleichtern. Damit seine Patienten ihn nicht entdeckten, spritzte er ihnen Insulin, das sie gar nicht benötigten. So soll er sie laut Anklage per Überdosis getötet haben. Die Wirkung des Medikaments war ihm aufgrund seiner eigenen Zucker-Erkrankung bekannt. Der Prozess dauert an. Er ist noch bis Oktober terminiert. 

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