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Völlig verändert wird die Optik der Ferdinand-Leiß-Turnhalle, die sich direkt neben dem Phönix-Bad in Ottobrunn befindet. Sie soll ein abgerundetes, sogenanntes Tonnendach aus Holz erhalten. Zudem eine Glasfassade im Norden. 

Generalsanierung kostet 8,5 Millionen Euro

Neues Gesicht für die Leiß-Turnhalle

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Erst ging es nur ums Dach, nun gibt’s eine Rundum-Erneuerung für 8,5 Millionen Euro: Die Ferdinand-Leiß-Turnhalle in Ottobrunn wird von Grund auf saniert und erhält eine völlig neue Optik. Die „Flachdachfeinde“ jubeln.

Ottobrunn – Die Statik vom Dach ist nicht mehr gewährleistet, das „Abwasser fließt ins Nirvana“ (Bürgermeister Thomas Loderer) und in der Fassade ist jede Menge Asbest verbaut. Es ist nicht gut bestellt um die Ferdinand-Leiß-Turnhalle in Ottobrunn. Die Bilanz ernüchtert – und kostet die Gemeinde viel Geld. Der Bauausschuss hat am Montagabend den Weg frei gemacht für eine Generalsanierung mit einem Budget von 8,5 Millionen Euro. „Es darf auch billiger werden“, fügte der Rathauschef an. Daran glaubt aber niemand. Nun muss noch der Gemeinderat dem Projekt zustimmen, das seinen Ursprung in einem Schreiben des Landratsamts hat.

Darin forderte die Behörde einen besseren Brandschutz fürs Dachtragwerk sowie eine statische Untersuchung des Dachs. Das Ergebnis der Untersuchungen war verheerend (wir berichteten). Das Hauptproblem ist der Stahl, der für die Spannbetonträger verwendet wurde, die das Dach der Dreifachturnhalle tragen. Denn der Stahl droht zu brechen. Risse oder Korrosion sind aber von außen nicht erkennbar. Zeichnet sich doch ein Riss an einem der Spannbetonträger ab, „muss die Halle sofort gesperrt werden“, bilanzierte Ingenieur Christian Stettner nach der Untersuchung im Januar 2016. Zudem ist der Brandschutz nicht gegeben, Sanitäranlagen, Heizung und Lüftung sind veraltet.

Darum hat sich die Gemeinde nun entschieden, das große Paket zu schnüren und eine Generalsanierung in Angriff zu nehmen. Die erste Kostenschätzung 2016 lautete: fünf Millionen Euro. Schon diese Summe ließ die Gemeinderäte schwer schlucken. Nun gibt es ein „sehr durchdachtes“ (SPD-Rätin Sabine Athen) und detailliertes Gesamtkonzept, das Markus Kaufmann und seine Mitarbeiter vom Büro Kaufmann-Architekten dem Bauausschuss vorstellten. Kostenpunkt: 8,5 Millionen Euro. Alles inklusive.

Doch bis auf FDP-Vertreter Axel Keller votierte der Ausschuss einstimmig dafür. Keller machte sich „Sorgen um die Finanzierung“ und hätte die Sanierung lieber so lange wie möglich hinausgezögert, bis die Gemeinde einen Teil ihrer Schulden für diverse Schul-Neubauten ein wenig abgetragen hat. Dafür erntete er wenig Verständnis. „Fakt ist: Wir brauchen ein neues Dach, und die Uhr tickt“, entgegnete Bürgermeister Loderer. „Ab April 2018 fällt es in unsere Verantwortung, wenn ein Spannbetonträger bricht und einstürzt.“ Ab diesem Zeitpunkt wird keine Haftung mehr für die Statik übernommen. „Wir würden mit Menschenleben spielen – und das sollten wir nicht tun.“

Mehrere Gemeinderäte suchten im Konzept nach Sparpotenzial, doch dieses ist gering. „Wir sind sehr vorsichtig mit dem Geld umgegangen“, versicherte Architekt Kaufmann. „Es fallen Dinge zusammen, die eh gemacht werden müssen.“ So erhält die Ferdinand-Leiß-Halle neue Tribünen, eine moderne Heizung und Lüftung, ein neues, helles Foyer, eine verglaste Nordfassade, neue Decken – und natürlich ein neues Dach. Ein „prägnantes Element, das eine völlig neue Außenwirkung der Halle hervorruft“, versprach Kaufmann. Es wird ein abgerundetes Tonnendach aus Holz. Das Flachdach aus Beton verschwindet, die „Flachdachfeinde“, die Loderer beim Vor-Ort-Termin der Ratsmitglieder ausgemacht hatte, jubeln.

Die maroden 35 Tonnen schweren Spannbetonträger werden mit einem Spezialfahrzeug einzeln von der Decke geholt. Die Beseitigung von außen erfordere einen 750-Tonnen-Kran, „dessen Kosten allein schon sechsstellig sind“, verdeutlichte Kaufmann. Diese Lösung heißt aber auch: Es muss ein neuer Hallenfußboden her. Der ist nach dem Abriss des Dachs nicht mehr zu gebrauchen.

Zudem gibt es neue Duschen. Vorgesehen waren zunächst pro Kabineneinheit vier, insgesamt 48 für die Halle. Derzeit gibt es 72. So sehr das neue Konzept bei den Mitgliedern des TSV Ottobrunn „auf große Begeisterung gestoßen“ war, wie TSV-Vorsitzender Gregor Montermann berichtete. „Die vier Duschen pro Einheiten haben für helles Entsetzen gesorgt. Wir wollen keine goldenen Wasserhähne“, versicherte er und dankte der Gemeinde für die hohen Investitionen in die Sportstätte. „Aber an Heimspieltagen wird jede Kabine genutzt. da geht’s zu wie beim Breznbacken. Eine Mannschaft nach der anderen muss duschen.“ Viele Spiele finden zeitgleich in der Halle und auf den Außenplätzen statt. Nach intensiver Diskussion stimmte der Ausschuss zu, die rund 75 000 Euro Mehrkosten für insgesamt 72 statt 48 Duschen in Kauf zu nehmen.

Starten könnte die Sanierung, während der alle Nutzer auf andere Hallen ausweichen müssen, bestenfalls Ende April 2018. Sie soll ein Jahr später beendet sein.

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