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Wasser marsch für die Feuerwehrfrauen aus Otto­brunn!

Höchste Frauenquote in Deutschland

Ottobrunner Feuerwehrfrauen berichten über Einsätze: „Manchmal gibt es gruselige Momente“

Wenn es in Ottobrunn brennt, rücken auch die Frauen aus. In Deutschland ist ein keiner Feuerwehr die Frauenquote höher als in der Gemeinde.

Ottobrunn - Sie gehen furchtlos in brennende Häuser, fahren riesige Lkw – und vor allem: Sie retten in ihrer Freizeit Menschenleben. Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Ottobrunn ist geballte Frauenpower angesagt – Feuer frei, oder besser: frau! 163 Einsatzkräfte zählt der Verein, davon sind 36 weiblich. In der Jugendfeuerwehr sind acht der engagierten Jugendlichen Mädels – eine Quote von 44 Prozent. Laut einer Umfrage einer Feuerwehrfachzeitschrift hat keine andere deutsche Wehr einen größeren Frauen-Anteil. Deshalb kommt Kerstin Schreyer, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, am heutigen Samstag zum Tag der Offenen Tür nach Ottobrunn und spricht zum Thema „Frauen in der Feuerwehr“. Doch was bedeutet den Ottobrunnerinnen der ehrenamtliche Einsatz? Die tz sprach mit fünf Feuerwehrlerinnen.

Ottobrunn: Melanie Plitz (41), Beamtin - „Man muss der Typ sein“

Bei uns in Ottobrunn ist es ganz normal, dass viele Frauen dabei sind. Ich bin jetzt seit 23 Jahren dabei. Ich denke, dass man für die Aufgaben bei der Feuerwehr schon der richtige Typ sein muss. Letztens wollte eine Person zum Beispiel selber ein kleineres Feuer löschen. Dabei haben sich ihre Klamotten angezündet. In dem Moment habe ich gar keine Möglichkeit, großartig nachzudenken. Da gehe ich einfach in das Haus rein, will die Person so schnell wie möglich rausholen und retten. Man denkt erst später über das Geschehene nach. Ich mag den Atemschutzeinsatz, weil es eine herausfordernde Situation ist. Ich bin auch Maschinistin, habe einen Lkw-Führerschein und darf somit die Feuerwehrautos fahren. 

Melanie Plitz gehört der Feuerwehr Ottobrunn seit 23 Jahren an.

Ottobrunn: Laura Ungar (23), Erzieherin - „Wir wissen vorher nie, was passieren wird“

Ich schätze, dass ich in meinen neun Jahren bei der Feuerwehr so etwa 300 Einsätze gefahren bin. Mein Papa ist schon seit 30 Jahren dabei, das habe ich also von klein auf mitbekommen. Wir sind eine Feuerwehrler-Familie. Meine Aufgabe im Einsatz ist die Truppführung. So gehe ich mit einem Atemschutzgerät in brennende Häuser. Beim ersten Mal hatte ich da schon Respekt, was mich gleich erwartet. Die Einsätze sind aber genau deshalb auch immer super spannend. Man weiß nie, was passieren wird. Die Veranstaltungen bei uns in der Feuerwehr machen auch richtig viel Spaß. Es ist einfach eine sehr schöne Gemeinschaft. 

Laura Ungar hat in neun Jahren rund 300 Einsätze absolviert.

Ottobrunn: Vroni Hiltwein (26), Verwaltungsfachangestellte - „Ich bin eine Spätzünderin“

Ich bin erst seit zwei Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr dabei, praktisch eine Spätzünderin … Obwohl ich immer Freunde bei der Feuerwehr hatte, war da nie wirklich ein Bezug da. Das hat sich geändert, als ich im Rahmen meiner Ausbildung zwei Wochen bei der Feuerwehr ableisten musste. Der Gerätewart hat mich angeschaut und gesagt: „In zwei Wochen mach ich eine Feuerwehrlerin aus dir!“ Und so war’s dann auch. Mein erster Einsatz war ein Toter. Über so was reden wir viel in der Gruppe, das macht es einfacher. Wir lernen aber auch in der Grundausbildung, mit belastenden Ereignissen umzugehen.

Die Spätzünderin Vroni Hiltwein ist seit zwei Jahren Mitglied bei der Feuerwehr.

Ottobrunn: Bald darf ich endlich mit ausrücken“

Ab dem 14. September darf ich in den Einsatz. Da werde ich 16 Jahre alt. Ich bin vor dem ersten Mal Ausrücken schon ein bisschen aufgeregt. Was ist zum Beispiel, wenn ich überhaupt nicht weiß, was ich machen soll … Ich denke, die anderen werden mich da aber auch ziemlich an die Hand nehmen. Seit zwei Jahren bin ich bei der Jugendfeuerwehr. Eine Freundin hat sich entschieden, beizutreten und ihr Papa hat mich dann gefragt, ob ich dazu nicht auch Lust hätte. Eine andere Freundin ist auch zur Feuerwehr gegangen. Und seitdem sind wir drei hier mit dabei. Bei den Jugendübungen lernen wir, wie der Löschaufbau funktioniert und wie man sich auf dem Dach richtig sichert. Das ist wirklich cool, weil man so viel Neues erfährt.

Antonia Werther steht kurz vor ihrem ersten Einsatz.

Patricia Hüfner (36), Juristin - „Manchmal gibt es gruselige Momente“

Mein allererster Atemschutzeinsatz war ein großer Brand in einem Bauernhof. Ich bin gerade frisch aus der entsprechenden Ausbildung gekommen und musste dann direkt am nächsten Tag zu so einem großen Einsatz … Prinzipiell bin ich lieber bei Verkehrsunfällen tätig als bei Bränden. Klar gibt es da auch gruselige Momente. Wir können uns aber auf der Anfahrt emotional vorbereiten. Man ist dann nicht so in der Situation gefangen, sondern kann es – und muss es auch – sachlich betrachten. Ich komme ursprünglich aus dem Rettungsdienst. Deshalb kann ich am Unfallort qualifizierte Erste Hilfe leisten. Wir haben immer eine komplette Notfall­austattung dabei. Seit 14 Jahren bin ich jetzt bei der Feuerwehr. Ursprünglich bin ich über meinen Mann darauf gekommen. Unsere kleine Tochter ist da früher dran: Sie ist schon Drehleiter gefahren, als sie noch bei mir im Bauch war.

Patricia Hüfner kam durch ihren Mann zur Freiwilligen Feuerwehr.

Kürzlich musste die Feuerwehr Ottobrunn ausrücken, weil ein Carport in Brand geraten war. Außerdem kümmern sich die freiwilligen Einsatzkräfte regelmäßig um tierische Notfälle. Beide Geschichten sind merkur.de* erschienen.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Sophia Oberhuber

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