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20 Jahre Hospizkreis Ottobrunn: Menschlichkeit bis zur letzten Stunde

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Von: Andreas Sachse

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Gäste und Vertreter des Hospizkreises bei der Jubiläumsfeier: (v.l.) Hospizkreis-Vorsitzender Norbert Büker, Landrat Christoph Göbel, Ursula Mayer (stellvertretende Vorsitzende des Hospizkreises), Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer, Schirmherrin und Altlandrätin Johanna Rumschöttel, Gründungsmitglied Helmut Hopmann, Erika Aulenbach (zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Hospizkreis) und Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair.
Gäste und Vertreter des Hospizkreises bei der Jubiläumsfeier: (v.l.) Hospizkreis-Vorsitzender Norbert Büker, Landrat Christoph Göbel, Ursula Mayer (stellvertretende Vorsitzende des Hospizkreises), Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer, Schirmherrin und Altlandrätin Johanna Rumschöttel, Gründungsmitglied Helmut Hopmann, Erika Aulenbach (zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Hospizkreis) und Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair. © Andreas Sachse

Zu einer Zeit gegründet, als über Sterbebegleitung allenfalls im Flüsterton gesprochen wurde, hat die Hospizbewegung inzwischen den verdienten, festen Platz in der Gesellschaft eingenommen. Der Hospizkreis Ottobrunn ist der größte im Landkreis und feierte jetzt sein 20-jähriges Bestehen.

Ottobrunn - Die Hochachtung für ehrenamtliche Helfer, die sich der Sterbebegleitung verschreiben, spiegelte sich an der prominent besetzten Gästeliste wider. „Sie begleiten Menschen auf ihrem letzten Weg“, pries Landrat Christoph Göbel (CSU) die zumeist im Verborgenen vollbrachten Leistungen von Sterbebegleitern. „Ein Ausdruck von Menschlichkeit, wie wir es uns für die Gesellschaft wünschen.“ Als Festredner war Göbel kurzfristig für die an Corona erkrankte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) eingesprungen.

250 Sterbebegleitungen in einem Jahr

Mitarbeiter aus Pflegeheimen und sozialen Einrichtungen, von befreundeten Hospizvereinen und den Kirchen sowie namhafte Vertreter aus der Politik waren gekommen, um zu gratulieren.

Der mit 460 Mitgliedern größte Hospizkreis im Landkreis betreut eine Region, die von Neubiberg bis Aying zehn Gemeinden umspannt. Nahezu 80 Ehrenamtliche führten 2021 rund 250 Sterbebegleitungen durch. Sterbebegleitung zählt zu den ambitioniertesten Aufgaben fürs Ehrenamt. Anerkennung ist selten. „Wir Hospizmenschen sind Macher, die ihre Arbeit nicht in den Vordergrund stellen“, sagte die für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Erika Aulenbach: „Dafür bin ich dann da. Mir ist es wichtig, in den Vordergrund zu rücken, was unsere Leute leisten.“

Vieles ist noch verbesserungswürdig

Obwohl der Kreistag, wie Göbel betont, „ambitionierte Förderprogramme aufgelegt“ hat, sind die Möglichkeiten der Hospizarbeit nicht ausgeschöpft. „Die stationäre Arbeit ist verbesserungswürdig“, räumte Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) ein. Göbels Vorgängerin im Amt, Johanna Rumschöttel (SPD), die dem Hospizkreis als Schirmherrin verbunden ist, denkt an Obdachlose und an Sterbebegleitung in Behinderteneinrichtungen.

In dem Zusammenhang wirbt Hospizkreis-Sprecher Norbert Büker für „Hospiz und Schule“. Kinder auf dem letzten Weg zu begleiten, nötigt Landrat Göbel ungeheuren Respekt ab. „Gibt es im Himmel Schokolade“ ist ein von der bayerischen Hospiz prämiertes Projekt für 3./4. Grundschul-Klassen.

Kontroverses Thema Sterbehilfe

Durch das Programm im Wolf-Ferrari-Haus führte Schauspieler („Tatort“) und Theaterregisseur Winfried Frey. Als der durch sein Erwin Huber-Double 2008 auf dem Nockherberg bekannt gewordene Frey mal eben den Sprung von Sterbebegleitung zu Sterbehilfe vollführte, blieb dem ein oder anderen Ehrengast das Lächeln kurz im Halse stecken. Mit Paragraph 217 („Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“) ist keiner an diesem Abend warm geworden. Für Göbel etwa ist Sterbehilfe ohne ärztliche Begleitung nicht vorstellbar. Ärzte hätten einen Eid abgelegt: „Es gibt Grenzen, was uns als Menschen erlaubt ist.“ Bürgermeister Loderer verwies auf die Palliativmedizin. Heute bräuchte keiner mehr Schmerzen zu erleiden. Sterbehilfe definiert Loderer als Dammbruch: „Ich bin total dagegen!“ Für Schirmherrin Rumschöttel sind Hospizkreise der „Gegenentwurf zu Sterbehilfe“.

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