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Doch keine Asylunterkunft in altem Hotel? Entscheidende Wende

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Von: Marc Schreib

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Ursprünglich wollte der Eigentümer aus dem ehemaligen Hotel Pazific eine Flüchtlingsunterkunft machen. Anwohner und Gemeinde sahen das kritisch. Jetzt gibt es neue Pläne.
Ursprünglich wollte der Eigentümer aus dem ehemaligen Hotel Pazific eine Flüchtlingsunterkunft machen. Anwohner und Gemeinde sahen das kritisch. Jetzt gibt es neue Pläne. (Archivbild) © Marc Schreib

In das leerstehende Hotel Pazific in Ottobrunn sollen nun offenbar doch keine alleinstehenden, männlichen Flüchtlinge einziehen. Gemeinde und Eigentümer haben nun einen anderen Plan.

Ottobrunn – Die künftige Gestalt und Wohnform des Hotel Pazific ist für die Gemeinde Ottobrunn (Landkreis München) von großer Bedeutung. Schließlich befindet es sich an einer markanten Stelle an der Rosenheimer Landstraße kurz hinter der Ottostraße. Dass hier eine große Anzahl an geflüchteten alleinstehenden Männern unterkommen könnte, beunruhigte einige Anwohner.

Jetzt scheint eine entscheidende Wendung eingeläutet zu sein: Wie Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) gegenüber dem Münchner Merkur erklärt, gebe es fruchtbare Gespräche mit dem Bauwerber und Eigentümer. Die Gemeinde Ottobrunn hat einen Bebauungsplan aufgestellt mit dem Ziel, nachzuschärfen.

Neue Pläne für leerstehendes Gebäude in Ottobrunn - doch keine Asylunterkunft

Entlang der Rosenheimer Landstraße sollen gezielt familienfreundliche Wohnungen entstehen. Das sollen auch die Grundrisse widerspiegeln. Im Fall des Hotel Pazific und seiner künftigen Bestimmung wäre das bislang nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil, die Planungen hätten kleine parzellierte Zimmer mit ein bis zwei Betten vorgesehen, um möglichst viele Einzelpersonen oder höchstens zwei in einem Raum unterzubringen.

Die Gemeinde Ottobrunn hat eine Veränderungssperre erlassen, kombiniert mit einer Teiländerung des Bebauungsplans. Er hat einen größeren Umgriff als nur das Hotel Pazific. Darin kommt der Wille des Gemeinderates zum Ausdruck, familienfreundlichen Wohnraum zu schaffen. Der Aufstellungsbeschluss wurde in einer Sondersitzung im Oktober gefasst. Genaue Vorgaben gibt es noch nicht.

In der Zwischenzeit hat es laut Bürgermeister Loderer ein Treffen zwischen Verwaltung und Eigentümer mitsamt Architekten gegeben. Beide Seiten nahmen sich durch Anwälte Schützenhilfe. Das Fazit aus dem Gespräch ist für Bürgermeister Loderer positiv zu sehen: „Die Botschaft ist angekommen, und es besteht eine Bereitschaft zur Umplanung, damit schließlich andere Grundrisse daraus entstehen.“ Eine planerische Reaktion in Form eines ersten Entwurfes liege schon vor. Weiter wollte der Bürgermeister dem Verfahren allerdings nicht vorgreifen.

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Ziel ist es, dass trotz Veränderungssperre eine Ausnahme erteilt werden kann, wenn der Bauantrag die Ziele der Gemeinde aufgreift. Dazu gebe es rechtlich die Möglichkeit. Die Vorgehensweise der Gemeinde habe sich damit als erfolgreich und im Rückblick als richtig erwiesen. Loderer: „Wir haben das Heft des Handelns wieder erlangt.“ Zwischenzeitlich hatte aus seiner Sicht die reale Gefahr bestanden, dass die Bauleitplanung aus den Händen gleitet.

Hotel Pazifik: Keine Asylunterkunft, aber Flüchtlinge nicht ausgeschlossen

Wie berichtet, hatte es ursprünglich eine Vision von modernen Geschäfts- und Wohnflächen gemeinsam mit einem Investor gegeben – doch dieser sprang wegen mangelnder Rentabilität ab. Der neue Eigentümer des Hotels Pazific in Ottobrunn wollte kurzerhand das Gebäude als Unterkunft für Flüchtlinge bereitstellen. Das Landratsamt München zeigte sich interessiert.

Das Vorhaben in dieser Lage ärgerte aber vor allem die umliegenden Eigenheimbesitzer, die einen Wertverlust ihrer Immobilien befürchten. „Unsere Grundstücke werden nichts mehr wert sein“, hieß es auf der Bürgerversammlung. Wenige Monate später gibt Bürgermeister Loderer grünes Licht und klingt sehr optimistisch: „Wir haben die regionale Planungshoheit wieder an uns gezogen.“

Wie das Landratsamt darauf reagiert und ob es für die neue Wohnform auch eine Klientel gibt, das kann der Bürgermeister nicht sagen. Flüchtlingsfamilien sind aber nicht ausgeschlossen. Sie würden selbstverständlich behandelt wie andere Familien auch. Der Gemeinde sei es nur darum gegangen zu verhindern, dass an der Stelle ein sozialer Brennpunkt entsteht.

Seit 2018 steht das Hotel Pazific leer. Seitdem ist es immer wieder zu Vandalismus gekommen. Unbefugte zerstörten Teile der Einrichtung und legten Brände. Eine Feuer-Tragödie hat sich vor Kurzem in einer Tiefgarage in Ottorbrunn abgespielt. Dort ist ein Mann ist in seinem Opel Astra verbrannt.

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