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Hunderte Stellen werden auch am Airbus-Standort in Ottobrunn/Taufkirchen gestrichen. 

Flugzeugbauer streicht Stellen

Hunderte Jobs bei Airbus in Ottobrunn in Gefahr

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Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat angekündigt, mehr als 2300 Stellen zu streichen. Nun beginnt bei den Mitarbeitern das große Bangen – auch am Standort Ottobrunn/Taufkirchen.

Ottobrunn/Taufkirchen – Auch für den Stimmkreisabgeordneten Florian Hahn (CSU) kommt der Stellenabbau bei Airbus in dieser massiven Form überraschend. „Das war für mich so nicht vorauszusehen“, gibt er zu. Wobei Unternehmen derartige Pläne im Vorfeld sowieso nie an die große Glocke hängen würden, betont er. Hahns Einschätzung: „Das ist definitiv ein ernst zu nehmendes Signal.“

Seines Wissens soll der Stellenabbau über einen Zeitraum von zwei Jahren umgesetzt werden. Im Bereich „Defence“, so weiß der Bundestagsabgeordnete und Sicherheitsexperte, sollen am Standort Ottobrunn/Taufkirchen wohl rund 170 Stellen gestrichen werden. Dazu kämen weitere Stellen im Bereich „Space“. Laut der Nachrichtenagentur AFP schließt Airbus auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

Hahn: Airbus hat Auftragslage selbst verschuldet

„Für mich ist wichtig, dass der Personalabbau sozialverträglich verläuft“, betont Hahn.Airbus fordert er auf, alles zu tun, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. „Da gehört auch dazu, dass man in puncto Aufträge entsprechend liefert.“ Seiner Ansicht nach ist die maue Auftragslage, die der Konzern als Grund für den Einschnitt anführt, zum großen Teil selbst verschuldet. Denn zuletzt habe bei Auftraggebern das Vertrauen in Airbus gelitten, sagt Hahn und erinnert an die Probleme mit dem militärischen Transportflugzeug Airbus A400M. „Das wurde viel zu spät geliefert, und es war viel zu teuer.“ Dass bei derartigen Problemen Auftraggeber, wie auch die Bundesrepublik, bei neuen Aufträgen abwartend reagieren, ist aus seiner Sicht verständlich. „Deshalb muss jetzt schnell Vertrauen wiedergewonnen werden.“

Raumfahrtprogramm der Staatsregierung wohl nicht betroffen

Dass sich der Stellenabbau bei Airbus negativ aufs Raumfahrtprogramm der bayerischen Staatsregierung auswirkt, glaubt Hahn nicht. „Das ist ja ein staatliches Programm“, sagt er. Außerdem sei die geplante Raumfahrt-Fakultät am Standort Ottobrunn/Taufkirchen nicht von Airbus abhängig. Es gebe noch weitere wichtige Partner in der Wirtschaft, was Raumfahrttechnik anbetrifft, beispielsweise die OHB-System AG. Am Standort Ottobrunn/Taufkirchen selbst gebe es zudem viele erfolgreiche Start-ups, mit denen eine Kooperation möglich sei.

Ottobrunns Bürgermeister glaubt an wirtschaftliche Delle

„Auf solche Nachrichten reagiert man nie mit Freude“, sagt Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU). Er will jetzt erst einmal abwarten, wie viele Stellen in Ottobrunn dem Rotstift der Airbus-Führung tatsächlich zum Opfer fallen. „Oftmals wird etwas nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Loderer glaubt an nicht mehr als eine wirtschaftliche Delle bei Airbus. Schließlich sei gerade die Raumfahrt- und Satellitentechnik eine Sparte mit Zukunft. Für die betroffenen Mitarbeiter fordert Loderer ebenso wie Hahn „sozialverträgliche Lösungen“.

Für die Airbus-Mitarbeiter heißt es abwarten

Und was meinen die betroffenen Mitarbeiter? „Ich habe keine Angst um meinen Job“, sagt ein jüngerer Airbus-Angestellter am Donnerstagvormittag auf dem Weg zur Hauptzentrale. Seinen Namen will er nicht nennen. Er habe vom Stellenabbau durch die Medien erfahren. Bei der internen Bekanntgabe am Mittwoch sei er nicht in der Arbeit gewesen. Dass man so viele Stellen streichen will, habe auch ihn überrascht. Für ihn heißt es jetzt – wie für alle anderen Kollegen – abzuwarten, denn: „Es ist ja noch nicht viel bekannt.“

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