+
Eine Tram nach Ottobrunn wird es wohl nicht geben.

Straßenbahn über Neubiberg nach Ottobrunn

Klare Absage: Uni-Tram „völlig utopisch“

  • schließen

Mehr Firmen, mehr Einwohner, mehr Verkehr. Der Landkreis spürt die Folgen des Booms seit Jahren. Tendenz steigend. Gesucht wird also ein Konzept für den Netzausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) über Gemeindegrenzen hinweg. Viele Gremien, Arbeitskreise, Planer und Wissenschaftler beschäftigen sich seit Jahren mit Lösungen.

Ottobrunn – Einer dieser Ideen hat der Planungsausschuss in Ottobrunn eine klare Absage erteilt: nämlich einer Uni-Tram, die entweder über den Schwanseeplatz in Giesing (Verlängerung Tram 17) oder ab Neuperlach Süd über die Bundeswehr-Uni Neubiberg bis nach Ottobrunn fährt und auch das Airbus-Areal sowie das Gewerbegebiet Brunnthal/Taufkirchen anbindet. Der Ausschuss lehnte einen entsprechenden Antrag der FDP-Fraktion mit 11:3-Stimmen ab. Auch in Neubiberg, in der Stadt München sowie auf Kreisebene wollen die Liberalen den Traum einer Uni-Tram wiederbeleben (wir berichteten).

„Wenn sich andere Gemeinden mit Luftschlössern aufhalten, ist das deren Problem“, sagte Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) mit Seitenhieb in Richtung Neubiberg. Der Gemeinderat hatte dem FDP-Antrag zugestimmt, der forderte, dass sich die Gemeinde mit einem Entschließungsantrag für eine Schienenlösung positioniert.

Für Ottobrunns Bürgermeister ist die Uni-Tram „ein totes Pferd“, das er so bereits im Mobilitätsausschuss des Kreistags tituliert hatte. „Man muss auch mal Äste abschneiden und sich aufs Wesentliche konzentrieren.“ Er will dem „Landkreis den klaren Wink geben: Ihr seid auf dem Holzweg. Das Thema Tram ist durch“. Er sei ein Freund davon, „unsinnige Lösungen“ auszuschließen. Mit dieser Haltung macht sich Loderer – auch in den eigenen Parteireihen – nicht nur Freunde. Viele Christsoziale auf Kreisebene beurteilen das Thema Tram anders, unter ihnen Landrat Christoph Göbel. Für ihn ist das Pferd „noch gar nicht geboren“.

Über diese mögliche Geburt wird schon lange gesprochen. „Wir diskutieren seit 20 Jahren darüber: Straßenbahn ja oder nein“, verdeutlichte Martin Thorn, Leiter der Abteilung Umweltschutz im Ottobrunner Rathaus. Der MVV habe sich 2004 letztlich deutlich positioniert: Die Stadt-Umland-Bahn wird nicht weiterverfolgt.

Daraufhin baute die Gemeinde Ottobrunn die Rosenheimer Landstraße um. Und zwar so, dass nun kaum mehr Platz für eine Tram wäre ohne massiv in den Verkehr einzugreifen. Die Bahn wäre darüber hinaus sehr teuer (24 bis 36 Millionen Euro allein für die Strecke durch Ottobrunn), hätte „vergleichsweise geringe Fahrgastzahlen und sehr begrenzte oder überhaupt nicht vorhandene Zeitgewinne“. So zitiert die Verwaltung in der Beschlussvorlage das Ergebnis einer Studie der Firma Intraplan, die das Landratsamt 2014 in Auftrag gegeben hatte.

Unterstützung erhält der Bürgermeister aus den Reihen der SPD. Ratsmitglied Dietrich Wax bezeichnete eine Uni-Tram als „völlig utopisch“, Fraktionschefin Ruth Markwart-Kunas sah ebenfalls „wenig Nutzen für Ottobrunn. Wir wollen die S-Bahn ausgebaut haben“.

Im zweigleisigen Ausbau der S7, Investitionen ins Busnetz sowie einer möglichen Verlängerung der U5 ab Neuperlach Süd sieht die Mehrheit des Ausschusses die Zukunft des ÖPNV, um Ottobrunns Straßen zu entlasten.

Verständnis hatte Gerald Kunzmann (FDP) für die „Ablehneritis“ nicht. Auch Tania Campbell (ÖDP/Grüne) hätte sich lieber „alle Türen bis zum Schluss offen gehalten“. Sie stimmte ebenso gegen die Ablehnung des FDP-Antrags wie ihre Fraktionskollegin Doris Popp. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wir sind 70 Jahre alt und wir heiraten!
Nach 23 Jahren haben sie sich getraut: Georg Becker und Ursula Kober-Becker haben in Schäftlarn geheiratet – mit über 70 Jahren. Sie wollen anderen Älteren Mut machen. 
Wir sind 70 Jahre alt und wir heiraten!
18.000 Euro Blechschaden 
Einen kurzen Moment lang nicht aufgepasst - schon waren 18.000 Euro Schaden angerichtet.
18.000 Euro Blechschaden 
Polizei klingelt betrunkenen Unfallfahrer raus
Ein Zeuge hat der Polizei geholfen, eine Unfallflucht schnell zu klären. Der Fahrer war auch noch betrunken.
Polizei klingelt betrunkenen Unfallfahrer raus
Motorradfahrer bricht sich beide Beine
Beide Unterschenkel hat sich ein Motorradfahrer bei einem Unfall bei Straßlach gebrochen.
Motorradfahrer bricht sich beide Beine

Kommentare