Großalarm in Hamburg nach Explosion an S-Bahnhof

Großalarm in Hamburg nach Explosion an S-Bahnhof
+
Ohne seine Puppen und seinen Beruf könnte Thomas Fischer nicht leben.

Vor 20 Jahren in die Fußstapfen des Vaters getreten

Puppenspiel als Lebenselixier

  • schließen

Seit 20 Jahren ist Thomas Fischer Puppenspieler. Und das, obwohl sein Vater, der berühmte Franz Fischer, den Sohn partout nicht als Nachfolger für das Kasperltheater haben wollte, das schon der Großvater gegründet hatte.

Ottobrunn–Dann kam der Anruf. Zwei Jahrzehnte ist der nun her, und er gab dem Leben des Mannes, der als „Kasperl-Fischer“ bekannt ist, eine Wendung. An der Telefon-Leitung war Fischers Mutter. Sein Vater hatte eine Vorstellung in Heimstetten und war in einer Pause gestürzt. Er hatte sich den Arm gebrochen, konnte nicht weiter spielen. „Ab ins Auto nach Heimstetten“, erinnert sich der heute 53-Jährige. „Meine Mutter soufflierte mir, reichte mir die Puppen an und ich spielte.“

Wie das geht, hat er vom Vater gelernt. „Er hat mir alles beigebracht. Aber er wollte nun mal, dass ich ein Handwerk lerne“, sagt Thomas Fischer, der in Deisenhofen lebte, dann lange in München und vor vier Jahren nach Ottobrunn gezogen ist. „Tiefgekränkt“ habe er den Wunsch erfüllt, wurde Galvaniseur (Veredeln von Metall- und Kunststoffoberflächen), gab den Beruf aber wieder auf, weil er ihm zu giftig war. Er arbeitete in der Gastronomie, eröffnete unter anderem eine Kleinkunstbühne. Als das schief ging, wurde er nach Gelegenheitsjobs schließlich Versicherungskaufmann.

Nach der Vorstellung in Heimstetten musste Thomas Fischer immer häufiger für den Vater einspringen, dem es gesundheitlich schlechter ging. Als der Vater im September 1998 überraschend starb, „habe ich vier Wochen später gekündigt“.

Bereut habe er diesen Schritt nie, erzählt Fischer. Auch wenn die Aufträge für das „Oberbayerische Puppentheater“ zur Zeit der Euro-Einführung stark zurückgegangen seien. „Das war ganz hart.“ Er habe einen Taxischein gemacht und sei abends Taxi fahren, um etwas dazuzuverdienen. Seit einigen Jahren laufe es wieder, sagt Fischer, der mit dem Kasperl und seinen Freunden unter anderem in Kindergärten, in Möbelhäusern, bei Weihnachtsmärkten oder auch bei privaten Veranstaltungen auftritt. „Es geht kontinuierlich bergauf.“

Manchmal spielt der „Kasperl-Fischer“ auch vor Erwachsenen. Etwa mit dem Stück „Doktor Johann Fausts Leben und Höllenfahrt“. Fischers Spiel geht auf den „Doktor Faust“ von Christopher Marlowe aus dem Jahr 1592 zurück, den auch Goethe schon als Student in Straßburg in einer Puppentheateraufführung erlebt hat. Die Geschichte vom Doktor Faustus gehörte seit dem 17. Jahrhundert zum Repertoire der Puppen- und Marionettenbühnen. Der „Kasperl-Fischer“ stützt diese Geschichte auf ein Manuskript mit der Fassung von Karl Simrock, die sein Großvater seinerzeit mit der Hand aufgeschrieben habe: in Sütterlin-Schrift, erzählt er. „Die Geschichte habe ich noch mal abgeschrieben.“

Auch die Puppen, mit denen der 53-Jährige auftritt, haben schon dem Großvater gehört. Einige wertvolle seien ihm nach einem Auftritt in München gestohlen worden, erzählt Fischer. „Aber ich habe zum Glück noch einige andere Kasperl.“ Mit denen und anderen Figuren begeistert er vor allem die Kinder, auch wenn das schwieriger werde, angesichts der Ablenkung durch Handy, Tablet, Nintendo und Co. Seine Geschichten seien lustig, spannend, lehrreich – und besonders wichtig – zum Mitmachen. Er binde die jungen Zuschauer stets in sein Puppenspiel mit ein, sagt Fischer. Die Kinder würden dem Kasperl helfen und lernten so nebenbei, dass sie zum Beispiel niemals mit Fremden gehen sollten oder das Zähneputzen wichtig sei – aber all das ohne erhobenen Zeigefinger, betont Fischer. „Ich verpacke das so in der Geschichte, dass die Kinder diese Sachen dem Kasperl erklären.“

Auch nach so vielen Jahren als Puppenspieler motiviert ihn die Begeisterung seiner Zuschauer. „Den Beruf, den musst Du leben.“ Wenn er von Leuten gefragt werde, als was er arbeite, laute die Antwort: „Ich arbeite nichts.“ Das Puppenspiel sei seine Leidenschaft.

Erwachsenentheater

Puppenspieler Thomas Fischer führt das Stück „Dr. Johann Fausts Leben und Höllenfahrt“ am heutigen Donnerstag um 19 Uhr im Ottobrunner Wolf-Ferrari-Haus auf.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Betrunkener (67) rammt Anhänger
Über 1,1 Promille Alkohol im Blut hatte ein 67-Jähriger, als er einen Auffahrunfall verursachte.
Betrunkener (67) rammt Anhänger
Auffahrunfall vor „Neubiberger Röhre“
Ein Lkw bremste wegen der Höhenbegrenzung - und dahinter krachten drei Pkw auf der A8 bei Neubiberg ineinander.
Auffahrunfall vor „Neubiberger Röhre“
Feueralarm an der TU
Einen Brand an der Technischen Universität in Garching konnte die Werkfeuerwehr zügig bekämpfen.
Feueralarm an der TU
Die Jungen würden MVG-Bikes nutzen
In einem Pilotprojekt plant der Landkreis die Einführung eines Mietradsystems. 29 Gemeinden hat der Kreis. Dort sollen die Leihräder der MVG zu einer Erweiterung des …
Die Jungen würden MVG-Bikes nutzen

Kommentare