Der Bedarf an Zuschüssen in Ottobrunn ist gerade im Sportpark hoch, im Wolf-Ferrari-Haus dagegen weniger groß. Das Gewerbe ist breit aufgestellt, ein Glück in Pandemiezeiten.
+
Der Bedarf an Zuschüssen in Ottobrunn ist gerade im Sportpark hoch, im Wolf-Ferrari-Haus dagegen weniger groß. Das Gewerbe ist breit aufgestellt, ein Glück in Pandemiezeiten.

Gemeinde Ottobrunn pumpt zur Finanzierung Geld in den Verwaltungshaushalt

Rücklagen müssen herhalten

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
    schließen

Die Gemeinde Ottobrunn muss sich zur Finanzierung des Haushalts für 2021 an ihren Rücklagen bedienen. Die Pandemie stellt die Planung auf wacklige Füße.

Ottobrunn – Es klingt zunächst alarmierend: Ottobrunn muss knapp drei Millionen Euro vom Vermögens- an den Verwaltungshaushalt weiterreichen. Die Rücklagen schmelzen dahin. Aber Kämmerer Oliver Malina gibt Entwarnung. Es handele sich um einen absoluten Ausnahmefall. 72,4 Millionen Euro beträgt das Haushaltsvolumen in Ottobrunn. Es liegt damit etwas höher als im Vorjahr.

Im Verwaltungshaushalt werde nach Plan 56,8 Millionen Euro verbraucht, 15,6 Millionen Euro im Vermögenshaushalt. Der Gemeinderat verabschiedete den Haushalt für das Jahr 2012 einstimmig und wegen Corona ohne eine Präsentation.

Der Haushalt auf eine Blick

Gesamtvolumen: 72 Mio.

Verwaltungshaushalt-Haushalt: 57 Mio.

Vermögenshaushalt-Haushalt: 16 Mio.

Kreisumlage: 17,7 Mio.

Zuführung zum Verwaltungshaushalt: 2,9 Mio.

Ausgaben: Sanierung und Teilneubau Kita St.Albertus Magnus: 1 Mio. (Gemeindeanteil insgesamt: 4,4 Mio); Restrukturierung des FFW-Gerätehauses: 200 000 Euro (Kosten der Gesamtmaßnahme noch unbekannt); Sanierung Tiefgarage am Rathaus: 100 000 Euro (Gesamtmaßnahme: 14 Millionen Euro); Sanierung des Sternhauses: 65 000 Euro (Gesamtkosten:14 Mio.); Neubau von preisgünstigen Mietwohnungen: 2,6 Mio.; Kunstrasenspielfeld (inklusive Toiletten): 740 000 Euro; Sanierung Tiefgarage in der Ortsmitte: 550 000 Euro.; Parkfriedhof Urnengräber und Bestattung unter Bäumen: 400 000 Euro.

Kämmerer Malina hat sich die berufliche Maxime zu eigen gemacht, die Dinge immer möglichst positiv zu sehen, wie er gegenüber dem Münchner Merkur erklärt. Die Einstellung manifestiert er mit den Worten: „Zwar muss heuer erstmals Geld vom Vermögens- an den Verwaltungshaushalt fließen, aber es bedarf schon einer Pandemie, dass wir überhaupt in eine solche Situation kommen.“

Die Pandemie stellt die Planung auf wacklige Füße, da die Zukunft des Lockdowns schwer vorhersagbar ist. Der Kämmerer hebt hervor, dass die Kreisumlage mit 17,7 Millionen Euro einen großen Teil einnimmt, da Ottobrunn ein hohes Steuerergebnis vorlegen konnte. Das sind immerhin 1,7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Die Gemeinde sei nicht kategorisch in einer finanzielle Schieflage geraten. Sie verzeichnet allerdings Kostenanstiege beim Bedarf der Zuschüsse in der Pandemie. Das betreffe diverse Bereiche wie die Sportpark GmbH mit dem Phönix-Bad. Hier muss die Gemeinde ein Mehr von 1,8 Millionen Euro schultern. Normal wären Kosten von 1,5 Millionen Euro, in diesem Jahr sind es insgesamt 3,3 Millionen Euro. Mehr als doppelt so viel. Die Kitazuschüsse nach dem BayKiBiG betragen rund eine Million Euro und haben seinen Worten zufolge ohnehin eine gewisse Dynamik. Die Auswirkung durch Corona lasse sich daher weniger exakt beziffern.

„Ottobrunn hat das Glück, nicht am Tropf eines großen Gewerbesteuerzahlers zu hängen“

Überraschend mag klingen, dass der Zuschussbedarf des Wolf-Ferrari-Hauses etwas günstiger ausfallen wird als in normalen Jahren. Das liege daran, dass jede Eintrittskarte subventioniert sei. Malina: „Man macht bei den Veranstaltungen als Gemeinde in aller Regel keine finanziellen Gewinn.“ Es fehlen zwar die Einnahmen, aber eben auch die damit verbundenen Kosten. Ottobrunn hat das große Glück, nicht am Tropf eines großen Gewerbesteuerzahlers zu hängen, sondern ist mit vielen Unternehmen breit aufgestellt.

Trotzdem wirkt Corona lähmend, und die Gemeinde ist bei der Gewerbesteuerschätzung nicht sehr hochgegangen. Trotzdem ist man optimistisch. Denn im vergangenen Jahr blieb man trotz Pandemie über dem Haushaltsansatz von zwölf Millionen Euro und nahm 13,5 Millionen Euro ein. Diese Zahl nahm sich der Kämmerer für dieses Jahr zum Vorbild und kalkuliert als mit 13 Millionen Euro. Der Effekt der Coronapandemie liege darin, dass die Vorauszahlungen alle reduziert wurden. Kämmerer Malina: „Ich persönlich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr noch mit Nachzahlungen rechnen dürfen. Denn der Abschluss ist bei manchen Unternehmen gar nicht so schlecht wie zunächst vermutet.“ Man muss also mit den Haushaltszahlen etwas vorausschauender planen und jonglieren als sonst.

Etwas mehr Investitionen in CO2-schonende Projekte wünschte sich Doris Popp (Grüne). Es fehle Personal, das die Erneuerung der Straßenbeleuchtung in die Hand nehme, die Gebäudesanierungen ökologisch begleite, sich um die Verbesserung der Mobilitätsinfrastruktur kümmere „und vor allem Personal, das den Klimaschutz deutlich mehr ins öffentliche Bewusstsein transportiert“. Ihre Fraktion stimmte dem Haushalt zu, fordere aber deutlich mehr Augenmerk auf Belange, die dem Klimaschutz in der Gemeinde dienen.

Weitere Nachrichten aus Ottobrunn und dem Landkreis München finden Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare