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„Diese Position ist sehr einsam“, sagt Sabine Kudera über das Bürgermeistera mt.

Ritterschlag für eine Kämpferin

Sabine Kudera erhält heute die Ehrenbürgerwürde

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18 Jahre hat die temperamentvolle Sozialdemokratin Sabine Kudera die Geschicke Ottobrunns gelenkt. Dass die Soziologin mit Professorentitel im März 1989 das schwarze Rathaus eroberte und „Frau Bürgermeister“ wurde, hat sie selbst wohl am allermeisten überrascht. Heute erhält sie um 20 Uhr im Rathaus die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde.

Ottobrunn –Die erste Sozialdemokratin auf dem Rathaussessel stieß in der CSU-dominierten Gemeinde auf viel Skepsis. Über ihre Anfangszeit im Rathaus erzählt sie lebhaft und offen im Telefongespräch: „Ich war geschockt nach der Wahl. Ich war ja eine absolute Quereinsteigern.“ Noch dazu aus Preußen und eine Frau.

Dann mussten sich alle an die Neue gewöhnen. Sabine Kudera war „Frau Bürgermeister“. Ihrem überraschenden Wahlsieg war ein Skandal des Amtsvorgängers vorausgegangen und der Absprung des SPD-Bürgermeisterkandidaten aus beruflichen Gründen. Die SPD konnte Kudera zur Kandidatur überreden. Die gebürtige Hannoveranerin wohnte erst sechs Jahre in Ottobrunn, wohin sie wegen ihrer Berufung an die Bundeswehr-Uni gezogen war. „Hätte es einen dritten Kandidaten gegeben, wäre ich mit Sicherheit nicht gewählt worden.“

Was folgte war ein „Dauerkampf, weil ich nie eine eigene Mehrheit im Gemeinderat hatte“. Zwei der drei Amtszeiten waren von Gegnerschaft bestimmt, erzählt Kudera, ohne Namen zu nennen: „Die CSU war teilweise verbittert. Als wäre ich die Böse gewesen. Die dachten, sie könnten mich aus dem Hemd pusten.“

Doch dann wurde sie 1995 und 2001 wiedergewählt, „sogar mit einem ganz guten Ergebnis“. Ein großes Erfolgserlebnis gleich zu Beginn ihrer Amtszeit war der Bau eines Kindergartens für die Elterninitiative „Pusteblume“. Vorreiter war Ottobrunn auch mit der zweiten Krippe im Landkreis. Das Gefühl, etwas bewegen zu können, habe sie im Amt bestärkt. Ihr wichtigstes Projekt war der Umbau der Rosenheimer Landstraße, weitere Erfolge die Sicherung des sauberen Trinkwassers und der Bau der Westumfahrung. Auch trieb sie den Neubau des Phönix-Bades voran, nachdem das alte Hallenbad abgebrannt war. Als sie 2007 aus dem Amt schied, konnte sie auf die längste Amtszeit aller Ottobrunner Bürgermeister verweisen. „Das Amt war hochinteressant, aber auch sehr belastend. Sie sind in dieser Position immer einsam“, sagt sie nachdenklich.

Im Ruhestand engagierte sie sich ehrenamtlich für Rumänien, überwältigt von der Schönheit und Kultur des Landes. Sie sammelte Hilfsgüter und Spenden, organisierte Reisen und Konzerte. 2010 gründete sie den Kontaktkreis Siebenbürgen e.V. „Ich habe dort eine neue Welt kennengelernt.“ Die Menschen, besonders in und um Kronstadt, sind ihr ans Herz gewachsen.

Aus ärmlichen Verhältnissen

Sabine Kudera wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater hatte ein kleines Transportunternehmen. Mit 16 machte sie eine Ausbildung zur Auslandskorrespondentin. An einer privaten Abendschule legte sie das Abitur ab, jobbte als Briefträgerin, studierte Soziologie und trat in die SPD ein. Ihr gutes Examen öffnete den Weg der Universitätslaufbahn. „Das ist gelaufen. Ich hatte mich nie um Karriere gekümmert und wollte machen, was mich interessiert.“

Heute verbringt die 75-Jährige viel Zeit in Niederbayern. „Ich bin hier in einer anderen Welt“, raunt sie begeistert. Was sie dort macht? „Lesen, lesen, lesen.“ Ein paar Tiere sind ihr zugelaufen, zweimal im Jahr mäht sie die Wiese, „mit der Sense, damit im Frühjahr die Insekten kommen“. Die Auszeichnung zur Ehrenbürgerin bedeutet Sabine Kudera viel. Es ist vielleicht ein später Ritterschlag für eine Kämpferin, mit der viele Ottobrunner erst spät warm wurden.

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