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Katze, Kaffee, Kosmonaut: Mit dieser Ausrüstu ng auf dem Schreibtisch feilt Silke Brügel an ihren Texten, die nun an die Öffentlichkeit sollen. 

„Das Buch musste raus.“

So steinig ist der Weg zum  Romandebüt -  Silke Brügel versucht ihr Glück im Selbstverlag

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Den Traum vom eigenen Buch träumen viele. Aber wenige so konsequent wie Silke Brügel aus Ottobrunn. Die 55-Jährige hat fürihren ersten Roman viel Zeit und Mühe geopfert. Doch der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Leser ist riesig – vor allem ohne Verlag im Rücken.

Ottobrunn– Blaue Edelsteine perlen wie Wassertropfen an Silke Brügels Ohrringen, als sie in ihrem Arbeitszimmer sitzt, umgeben von japanischen Drucken, Orchideen und Büchern, Büchern, Büchern. So richtig ins Sprudeln kommt die Ottobrunnerin, wenn sie über ihre Leidenschaft spricht, die sie am liebsten zum Beruf machen würde: Romane schreiben. Dann scheint sich ihr nächster Satz schon am vorherigen vorbeizudrängen, und manchmal fällt sie sich selbst ins Wort – wenn es um ihr Vorbild, den japanischen Autor Haruki Murakami, geht, um die Geburtswehen, die es bei eigenen Texten durchzustehen gilt, oder ihre Katze Camille, die ihr beim Schreiben über die Schulter schaut.

Geschrieben hat Brügel schon immer. Als Kind Geschichten für Kinder, später Erzählungen und Gedichte. „Alles für die Schublade“, sagt sie. Doch nun hat sich die 55-Jährige aus der Deckung gewagt und sich ihren Traum vom ersten veröffentlichen Buch erfüllt. „und All das Leben in deinem Kopf“ heißt die Geschichte zweier Schwestern, die sich unabhängig voneinander an ihrer Vergangenheit abarbeiten – und einer Romanfigur, eines Astronauten, die ein unerwartetes Eigenleben entwickelt. Ein bisschen fantastisch, ein bisschen autobiografisch. „Das Buch musste raus“, sagt Brügel.

Nur: So einfach ist das nicht. Denn angesichts einer immer größer werdenden Zahl an Einsendungen haben die renommierten Buchverlage die Schotten hochgefahren, nehmen kaum mehr Manuskripte an. Der Ausweg, den auch Silke Brügel gewählt hat: Eine Selbstveröffentlichung über den Internet-Bücherriesen Amazon. Um Lektorat und Vermarktung musste sich die Autorin deshalb selbst kümmern – und darum, dass sie nicht zwischen Abertausenden anderen untergeht, die den Traum vom eigenen Bestseller träumen – unabhängig davon, wie realistisch der ist. Denn was in dem Buch steht, interessiert Amazon nicht.

„Ich bin kein verkannter Superstar“, sagt Brügel. So viel Ehrlichkeit muss sein. Denn Schreiben ist nicht gleich Schreiben. Beruflich verfasst die Ottobrunnerin PR-Texte, hat schon für Politiker und Umweltorganisationen gearbeitet. Zuletzt pries sie für einen Landwirtschaftsmaschinen-Hersteller die Vorzüge einer automatischen Vieh-Fütterungsanlage an.

Zwei Jahre Arbeit für den ersten Roman

Für ihren Erstlings-Roman sagte sie Aufträge ab und tauchte gut zwei Jahre lang möglichst jeden Tag an die fünf Stunden in ihre Geschichte ein oder grübelte beim Joggen, wie es mit ihren Charakteren weitergehen sollte. Wie die Science-Fiction-Autorin Isabel, von der ihr Text anfangs handelt, hatte sie sich Müsliriegel als „Astronautennahrung“ in die Schreibtischschublade gelegt – um einem weiteren Protagonisten, dem Roman-Weltraumfahrer Dennis Clarin, wiederum erschaffen von der Romanfigur Isabel, ein bisschen näher zu kommen.

Seit der Text fertig ist, macht sich Brügel ans Marketing. Sie liest auf Selbstverleger-Treffen, wirbt im Internet für sich, hat Probeexemplare an alle ihre Kunden geschickt. Und sie habe im ersten Monat gut 150 Exemplare verkauft, sagt sie. Und dann ist da die Sache mit den Rezensionen. Fünf-Sterne-Bewertungen auf Amazon, und zwar viele, braucht jeder Selfpublishing-Schriftsteller dringend, der es zu etwas bringen will, koste es was es wolle. Die Ottobrunnerin hat knappe 20 gesammelt. Viele von Menschen, die sie kennt, gibt sie zu. Auch wenn es wohl nicht für den großen Mainstream-Markt reichen werde: „Es gibt einfach Menschen, die das Buch mögen.“

Mittlerweile schreibt die 55-Jährige an ihrem zweiten Roman, wieder soll es „literarische Belletristik“ werden. Wie es ausgeht, weiß die Autorin selber noch nicht. „Weiter schreiben und besser werden“, das hat sie sich vorgenommen. Denn dass sie nun schreiben könne, was sie wolle, fühle sie wie ein Neustart ins Leben an. Das ruhig noch dauern könne, findet Silke Brügel: „Ich hoffe, dass ich weiterschreiben kann. Bis ich 100 Jahre alt bin. Oder 102.

Mehr über Silke Brügel und ihr Buch „und All das Leben in deinem Kopf“ (ISBN: ISBN: 978-3-7494-2924-0, Hardcover: 19,99 Euro, Taschenbuch: 9,99 Euro) im Internet
auf www.silkebruegel.de.

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