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Bis zu 1000 Liter Wasser fassen die Behälter, die die Hubschrauber über den Brandgebieten ausleeren.

Helikopter im Einsatz

Ottobrunner Piloten löschen in Schweden

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In der Nähe von Potsdam, in Griechenland und auch immer noch in Schweden: Schwere Waldbrände wüten vielerorts in Europa. Tausende Einsatzkräfte kämpfen gegen das Flammeninferno. Hilfe kommt auch aus dem Landkreis München. Drei Hubschrauber der Ottobrunner Firma „HTM Helicopter Travel Munich“ sind seit acht Tagen in Schweden im Löscheinsatz.

Ottobrunn/Taufkirchen– Bernd Brucherseifer (53) spricht von einem „Herzensprojekt“, eines, das die Länder Europas vereint. Der „HTM“-Geschäftsführer, selbst erfahrener Pilot, koordiniert von Taufkirchen aus den bundesweiten Helikopter-Hilfseinsatz in Schweden. Fünf Hubschrauber-Besatzungen aus Deutschland beteiligen sich an den Löscharbeiten. Neben den drei Helikoptern aus Ottobrunn sind auch das Neuhauser Unternehmen „Aeroheli“ und die Firma „KMN Koopmann“ aus der Nähe von Hamburg mit jeweils einem Hubschrauber dabei. Auch Italien und Norwegen sind mit Hubschraubern und Flugzeugen im Einsatz.

Brucherseifer steht in ständigem Kontakt mit den Piloten. Die Situation vor Ort sei heftig, berichten ihm die Einsatzkräfte. Nur schwer seien die Feuer einige Hundert Kilometer nördlich von Stockholm unter Kontrolle zu bringen. „Hier waren vor allem eine Hochspannungsleitung und eine Eisenbahnlinie bedroht“, berichtet Brucherseifer.

Scheint an einer Stelle der Brand eingedämmt zu sein, lodern an anderer Stelle die Flammen wieder auf. Der flache Bewuchs, kaum Niederschläge und jetzt auch eine erneute Hitzewelle erschweren den Kampf gegen die Brände. Inzwischen wurden die Hilfskräfte Richtung Süden verlegt, da die Flammen nun auf Wohnsiedlungen überzugreifen drohen.

Bis zu sieben Stunden am Tag sind die Hubschrauber-Piloten in der Luft. Mit an Bord haben sie Behälter, die bis zu 1000 Liter Löschwasser aufnehmen können. Sie sind am Helikopter mit langen Transport-Seilen befestigt, sodass die Piloten sie in einem See eintauchen und über dem betreffenden Gebiet ausleeren können. „Drops“ – Entleerungen – nennt es der Experte. „Bis zu 1000 Drops am Tag verzeichnen alle unserer fünf Hubschrauber“, sagt Brucherseifer.

Zwei Piloten von HTM während einer Flugpause in Schweden.

Die Einsätze verlangen den Piloten viel ab. „Das ist wahnsinnig anstrengend, man muss über Stunden hoch konzentriert sein“, sagt Brucherseifer. Denn ganz ungefährlich ist die Mission nicht. Niemals dürfen die Helikopter dem Feuer zu nahe kommen und niemals gegen die Flammen anfliegen. Trotz der Anstrengung seien alle mit Eifer bei der Sache. Koordinator Brucherseifer ist begeistert von der Zusammenarbeit, die bis über die Landesgrenzen hinweg reicht. Österreich und Italien haben den deutschen Hubschraubern Löschbehälter zur Verfügung gestellt. Die Koordination und Absprache mit dem „Europäischen Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen“ der EU in Brüssel laufe reibungslos. „Das ist europäisches Miteinander“, lobt Brucherseifer. Und die Menschen in Schweden seien so dankbar über die Hilfe – zu der eben auch die Ottobrunner einen großen Teil beitragen.

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