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Andreas Weitkamp ist einer der betroffenen Kunden. 

Polizei kann nichts machen

Händler macht dicht: Ich komme nicht mehr an meine Winterreifen!

Ottobrunn - Dutzende Ottobrunner fahren noch mit Sommerreifen - aus der Not heraus. Die Firma „Ottoreifen“, bei der sie ihre Winterreifen eingelagert haben, hat geschlossen. An die Reifen kommt niemand ran.

An der verschlossenen Werkstatt-Tür kleben Zettel mit Botschaften und Handynummern. „Bitte dringend um Rückruf!“, „Bitte bitte teilen Sie mir den nächsten Reifenausgabetermin mit“, „Saubande“. Einige Betroffene fahren immer wieder zu „Ottoreifen“ am Jägerweg 4 in der Hoffnung, jemanden anzutreffen, der ihnen die Winterreifen zurückgibt – bislang ohne Erfolg. Niemand ist greifbar. 

Es gibt schon eine Art "Selbsthilfegruppe"

Der ehemalige Besitzer des Reifen-Services hat sich klammheimlich aus dem Staub gemacht. „Momentan fahre ich mit Sommerreifen, sobald es schneit, habe ich kein Auto mehr“, sagt ein Betroffener. Er ist erzürnt und hilflos zugleich. „Eine Art Selbsthilfegruppe“ sei mittlerweile entstanden. Denn Leidensgenossin Angela Walbinger hat die Kontaktdaten aller Betroffenen gebündelt, die sie ermitteln konnte. „Wir informieren uns gegenseitig, sobald es etwas Neues gibt“, sagt Walbinger. Einige Geschädigte haben sich an die Polizei in Riemerling gewandt und wollten Anzeige erstatten. „Das haben die Beamten abgelehnt“, sagt ein Betroffener. 

Mit lapidaren Zeilen an der Werkstatt-Tür werden Kunden informiert.

Auch Weitkamp fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen. Man habe ihn mit der Information „abgespeist“, dass die Staatsanwaltschaft an dem Fall dran sei. Seiner Meinung nach versteckt sich die Polizei hinter der Staatsanwaltschaft. Er fordert: „Die Polizei sollte das Schloss auswechseln und Computer beschlagnahmen.“ Das allerdings dürfen die Beamten gar nicht. „Wir dürfen die Lagerhalle nicht betreten“, sagt Albert Bauer, stellvertretender Leiter der PI in Riemerling. „Die Kunden haben mit Ottoreifen einen Vertrag geschlossen. Ein Vertragspartner hat den Vertrag gebrochen“ – das sei eine zivilrechtliche Forderungssache, keine der Polizei. Laut Bauer hat der Reifenservice-Besitzer das Gewerbe abgemeldet, der Neue sein Gewerbe aber noch nicht angemeldet. 

Anderer Unternehmer muss für den Schaden aufkommen

Ende Oktober, als der verschollene Besitzer noch vor Ort war, haben Mitarbeiter von „Reifen Cinal“ für eine Woche auf Probe in Ottobrunn gearbeitet. Der Münchner Reifen-Service wollte die Werkstatt anmieten. „Kurz vor Vertragsabschluss haben die uns einfach rausgeworfen und gesagt, dass der Laden nicht mehr zu vermieten ist“, erzählt Cüneyt Cinal. Er selbst hat rund 30 Satz Winterreifen in Ottobrunn eingelagert und ist stinksauer. Er habe in dieser einen Woche alle Rechnungen auf seinen Firmennamen geschrieben, sodass er jetzt den finanziellen Schaden stemmen muss. „Irgendwie“ sei er aber an den Reserveschlüssel rangekommen, sodass alle Betroffenen am Freitag zwischen 9 und 17 Uhr ihre Reifen abholen können – falls sie noch da sind.

jo

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