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Voller Konzentration erledigen die Asylbewerber beim Testlauf der Kompetenzanalyse die Aufgaben.  

Ottobrunner Verein bietet Analyse an, um Asylbewerber ins Berufsleben zu bringen

Brücke zwischen Flüchtling und Firma

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Soziale Kompetenz und berufliches Knowhow: Wenige Flüchtlinge haben Dokumente, die das beweisen. Der Ottobrunner Verein „Arrive Institute“ bietet einen Test an, mit dem ein Flüchtling den richtigen Job finden soll - und der für Firmen neue Fachkräfte generiert.

Ottobrunn – In der Traglufthalle Neubiberg hat Helmut Blank sie gesehen: Ärzte, Dolmetscher, Ingenieure, IT-Spezialisten. Gut ausgebildete Fachkräfte, die in Deutschland nur noch eines sind: Flüchtlinge. Ohne Papiere, die ihre beruflichen Qualifikationen nachweisen. Dort unterhielt sich der 75-Jährige aus Ottobrunn, der jahrzehntelang als Unternehmer und Unternehmensberater in der IT-Branche tätig war, mit den Männern und Frauen. Er entdeckte viele Talente und eine große Chance – für Flüchtlinge und Firmen.

Also gründete Blank, der sich als Asylhelfer in Neubiberg engagiert, im Februar 2016 mit sechs Mitstreitern einen Verein: das „Arrive Institute“. Das Ziel: Schnellstmöglich eine Brücke zwischen Firmen und Flüchtlingen bauen. Der Weg: die sogenannte Kompetenzanalyse. Der Inhalt: In einem zweistündigen Test am Computer werden berufsrelevante Merkmale der Flüchtlinge – berufliche und soziale Stärken, Interessen, Deutschkenntnisse – eruiert. „Die Kompetenzanalyse ist eine Art Grundlage, um herauszufinden, wie die berufliche Zukunft der Geflüchteten aussehen könnte“, erläutert Blank. Neu ist dieses Verfahren nicht, allerdings speziell für die Arbeit mit Flüchtlingen angepasst – sprachlich und „um die Kulturen zu berücksichtigen“.

Im Landkreis München steht das Projekt kurz vor dem Startschuss. Testläufe mit einigen Geflüchteten gab es bereits im August, drei seien durch die Analyse bereits in Unternehmen vermittelt worden, erzählt Blank. Der Kreistag hat im Oktober 2016 beschlossen, die Kompetenzanalyse mit bis zu 15 Euro pro Test zu fördern, 30 Euro kostet er pro Flüchtling. Ziel ist es, auch Unternehmen zu finden, die sich finanziell beteiligen. Insgesamt hat der Kreis für dieses Projekt 40 000 Euro in den Haushalt für heuer eingestellt. Auch mit den Nachbarlandkreisen Starnberg, Bad Tölz-Wolfratshausen und Ebersberg sei das „Arrive Institute“ in Kontakt, sagt Blank.

Dass der Landkreis München vorangeht, schreibt der Gründer auch „der Vorreiterrolle des Landrats“ zu. Christoph Göbel fungiert als Schirmherr des Vereins „Arrive Institute“ und hat sich erst kürzlich in puncto Asylpolitik gegen die Linie seiner Partei gestellt. Der CSU-Mann will auch Geflüchtete mit nur sehr geringen Bleibechancen schnellstmöglich in die Arbeitswelt vermitteln..

Die Kompetenzanalyse soll dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Denn den Test darf jeder Asylbewerber im berufsfähigen Alter machen – sofern er mindestens zehn Euro der Gesamtkosten übernimmt. So soll ein „kostenloser Mitnahmeeffekt vermieden“ und „die Wertigkeit der Analyse verdeutlicht werden“, wie die FDP-Fraktion Ottobrunn in einem Antrag auf Kostenbeteiligung der Gemeinde erläutert.

Losgehen kann es, sobald das Landratsamt den Startschuss gibt. Denn „wir sind derzeit noch in der Umsetzung der Integrationsarbeit“, erläutert Pressesprecherin Christina Walzner. In der Behörde wird der Bereich Asyl umstrukturiert – weg vom Fokus auf Aufnahme und Unterbringung hin zum Schwerpunkt Integration. In diesem Rahmen werden auch „die Aufgaben mehrerer Sozialarbeiter modifiziert“, erläutert Walzner. Sie werden zu Integrationskoordinatoren, die unter anderem die Ergebnisse der Kompetenzanalyse auswerten und mit den Asylbewerbern besprechen sollen. Ist dieser Prozess abgeschlossen, sollen die Tests starten, „noch in diesem Frühjahr auf jeden Fall“, sagt die Landratsamtsprecherin.

Blank und seine Mitarbeiter arbeiten derweil gerade an einer IT-Initiative, bei der der Verein gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft und Politik anhand einer IT-spezifischen Kompetenzanalyse unter den Flüchtlingen dringend benötigte Fachkräfte für diese Branche finden möchte.

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