Ottobrunner wehren sich gegen neue Wohnhäuser

Lauter Protest aus dem Vogelviertel

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Ottobrunn - Viele Bewohner des Vogelviertels gehen auf die Barrikaden. Sie wollen nicht weitere Häuser vor ihrer Nase, sondern Grün. Nun setzen sie sich zur Wehr. 

 „Mehr Menschen = mehr Beton = mehr Autos = mehr Verkehr.“ Die Rechnung ist einfach für viele Vogelviertler. Für sie liegen „die Argumente auf der Hand“, die gegen mehr Wohnraum in der Nachbarschaft sprechen, wie ein Betroffener in einer Mail an Mitstreiter schreibt. Sie mobilisierten die Nachbarn, um gegen die Pläne der Gemeinde zu protestieren, den Weg für sechs weitere Wohnhäuser in den Gärten der bestehenden Häuser an der Dunantstraße 2 bis 12 frei zu machen. 

Im Vogelviertel verteilt hatten sie Zettel angebracht, um für einen Einspruch gegen das Vorhaben zu werben. „Wer will das?“ ist darauf zu lesen. „Jede Nachverdichtung bedeutet ein noch größeres Verkehrsuaufkommen, noch weniger Stellplätze, noch weniger Grünfläche.“ Die Bürgerinitiative fürchtet in einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, „eine Zerstörung des Gartenstadt-Charakters“. 

Einen Monat hatten Anwohner Zeit, sich die Pläne im Rathaus anzusehen und eine Stellungnahme abzugeben. Die Frist endete am Montag, „22 Einwände von Bürgern sind bis jetzt bei uns eingegangen“, sagt Anita Both-Welz von der Bauverwaltung. Auch von BVO-Gemeinderätin Erika Aulenbach und ihrer Familie, die an der Dunantstraße wohnen. Ein zweites Haus in ihrem Garten lehnt sie vehement ab. „Wichtig ist mir, dass es in meinem Ottobrunn – ich lebe in der dritten Generation hier – auch noch größere zusammenhängende Grünflächen gibt und nicht nur Bonsaigärten. Mein Enkel soll hier mit seinen Freunden ebenfalls nicht nur in einer Betonwüste leben.“ 

Dafür kämpfen viele Anwohner, vereint in der „Bürgerinitiative Zaunkönigstraße gegen Nachverdichtung im Vogelviertel“. Der Name ist sperrig, das Ziel einfach: Der Bereich zwischen Zaunkönig-, Finken- und Schwalbenstraße soll nicht weiter bebaut werden. 

Das Projekt an der Dunantstraße ist dabei nur ein Ärgernis. Massiven Protest lösten bereits 2014 die Pläne von Felix Eichbauer aus, der auf seinem Grundstück an der Zaunkönigstraße ein Mehrfamilienhaus bauen will – direkt vor der Haustür der Nummern 9 bis 13. Der erste Entwurf fiel aufgrund des Widerstands im Gemeinderat durch. Unter anderem waren Abstandsflächen zu gering. 

Bislang ruht das Projekt. Geänderte Pläne hat Eichbauer bis dato nicht vorgelegt. Im Winter keimte der Zorn der Anwohner jedoch erneut auf, als Mietern die Stellplätze auf der Fläche für das vorgesehene Mehrfamilienhaus gekündigt und der Zugang gesperrt wurde. Angeblich dürfen, so schildern Anlieger, noch nicht einmal Möbelwagen bei Umzügen den nun verwaisten Parkplatz nutzen. 

Daraufhin wandten sich rund 25 „ältere Bewohner der Zaunkönigstraße“ in einem Brief an Bürgermeister Thomas Loderer (CSU). Darin beklagen sie das Leben „in ständiger Ungewissheit“ bezüglich des Bauvorhabens und dass Gehbehinderte nach der Sperrung des Parkplatzes „von Pflegediensten und Taxen nicht mehr an den Hauseingängen abgeholt und abgesetzt werden können“. 

Ein weiterer zentraler Punkt des Protests: der Wunsch nach einem neuen Lebensmittelladen. Denn für das Mehrfamilienhaus soll auch die seit langem verwaiste Gewerbe-Immobilie, ebenfalls in Eichbauers Besitz, neben dem Parkplatz weichen. Bis zum Ende der 1990er Jahre war dort ein Supermarkt beheimatet. Wird das Haus abgerissen, „ist auch unser Traum von einem kleinen Lebensmittelgeschäft endgültig begraben“, schreiben die „älteren Bewohner“. „Wir sagen nein und verlangen eine Rückkehr des Wohnfriedens“. Doch die Ansiedlung eines neuen Nahversorgers ist unwahrscheinlich. Diesem Wunsch erteilt auch Bürgermeister Loderer in seiner Antwort, die dem Münchner Merkur vorliegt, eine Absage: „Ihr Traum von einem kleinen Lebensmittelgeschäft wird sich sicher nicht mehr verwirklichen lassen. Der Abriss des Ladens ist nur noch eine Frage der Zeit.“ Denn die Pläne für ein Mehrfamilienhaus verfolgt Felix Eichbauer nach wie vor. 

Zudem betont Rathauschef Loderer, dass es „nie die Absicht der Mitglieder des Planungsausschusses im Gemeinderat war, eine Unruhe im Wohngebiet auszulösen“. Doch der Sturm hat sich noch nicht gelegt.

Janine Tokarski

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