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Zufriedene P-Seminar-Mitglieder: Lehrer und Schüler haben zusammen die Ausstellung auf die Beine gestellt.

P-Seminar am Gymnasium Ottobrunn präsentiert Ausstellung 

Die Schüler und der Kriegsverbrecher

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Claudia Bruckmeier und Matthias Weigert, Geschichtslehrer am Gymnasium Ottobrunn, haben sich zusammen mit 14 Schülern im Rahmen eines P-Seminars des sensiblen Themas angenommen. Ihre Ausstellung „Cortona – Ottobrunn: Erinnerung muss konstruktiv sein“, ist noch bis 24. Oktober in der Bibliothek des Gymnasiums zu sehen.

Ottobrunn – Es geht um eine abscheuliche Gräueltat im Zweiten Weltkrieg, einen Prozess, der international für Aufsehen gesorgt, vor allem aber die Bürger in Ottobrunn nachhaltig erschüttert hat. Und es geht um Aufarbeitung, Verständigung und Versöhnung. Der Fall des ehemaligen Ottobrunner Ehrenbürgers Josef Scheungraber, der 2009 am Landgericht München wegen eines Massakers im italienischen Falzano di Cortona zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, ist alles andere als einfacher Stoff.

Auf 19 Plakaten haben sich die Zwölftklässler mit Kriegsverbrecherprozessen, vor allem aber mit dem Fall des mittlerweile verstorbenen Scheungrabers und den Anstrengungen, die einige Ottobrunner nach Bekanntwerden der Gräueltat zur Versöhnung unternommen haben, auseinandergesetzt. Dazu wurden „unglaublich viele Gespräche mit Betroffenen geführt“, wie Weigert bei der Ausstellungseröffnung stolz betont. So interviewten die Schüler unter anderem den Staatsanwalt in Italien – dort war Scheungraber bereits 2006 von einem Militärgericht verurteilt worden – sowie den involvierten deutschen Staatsanwalt und die Vertreterin der Nebenklage.

Begegnung mit einzigem Überlebenden

Besonders beeindruckt hat Schülerin Amélie Collet aber die Begegnung mit dem einzigen Überlebenden des Massakers, Gino Massetti. „Nicht nur seine Geschichte, auch seine Persönlichkeit haben mich bewegt“, sagt sie. Bei ihrem Besuch in Cortona – der von Stefania Zuber initiierte Schüleraustausch war Grundlage für das P-Seminar – hatten viele Schüler einen verbitterten Menschen als Gesprächspartner erwartet. „Aber Gino Massetti war lustig und voller Lebensfreude“, erzählt die Gymnasiastin.

Schwerpunkt Versöhnung

Vielleicht war das auch mit ein Grund, warum das eigentliche Thema Kriegsverbrecherprozesse im Verlauf des Seminars immer weiter in den Hintergrund gerückt ist. „Unser Schwerpunkt wurde letztlich die Verständigung und die Versöhnung“, sagt Weigert. So präsentieren die Schüler in der Ausstellung auch die Engagierten, die nach Scheungrabers Verurteilung durch einen ersten Jugendaustausch eine Annäherung zwischen Ottobrunn und der italienischen Kommune Cortona möglich gemacht haben, wie der ehemalige Ottobrunner Pfarrer Christoph Nobs oder eben Stefania Zuber. Und die Schüler zeigen in der Ausstellung Beispiele von Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die anders gehandelt haben als Scheungraber und so Kriegsverbrechen verhinderten.

Übrigens haben die Schüler im Rahmen ihrer Recherchen auch versucht, die Familie von Scheungraber zu kontaktieren – ohne Erfolg, wie Claudia Bruckmeier erzählt: „Es gab keine Rückmeldung.“ Lediglich Scheungrabers Neffe Heinrich Schwarzmayr stellte sich als Gesprächspartner zur Verfügung. Er ging schon Jahre, bevor die Gräueltat bekannt wurde, auf Distanz zu seinem Onkel – unter anderem deshalb, weil Scheungraber seinen Ausführungen zufolge wiederholt die Kriegs- und Militärzeit verherrlicht und über Italiener hergezogen haben soll.

Immer noch ein Tabuthema

Schwarzmayr ist auch bei der Ausstellungseröffnung dabei. „Ich bin froh, dass sich die Schüler des dunklen Kapitels angenommen haben“, sagt er. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei Kriegsverbrechen immer noch um ein Tabuthema. Auch im Fall Scheungrabers vermisst er nach wie vor eine echte Aufarbeitung durch die Gemeinde Ottobrunn. Schwarzmayr glaubt auch den Grund zu kennen, warum sich viele nach wie vor nicht mit den Kriegsverbrechen in der NS-Zeit auseinandersetzen wollen: „Jeder hat noch immer irgendwo einen Nazi-Opa oder -Onkel in der Gefriertruhe oder im Keller“, sagt er.

Schwarzmayr kritisiert, dass Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer nach dem Urteil in Italien eine „Ehrenerklärung“ für Scheungraber abgegeben und sich davon nie distanziert habe. Noch mehr ärgert er sich aber, dass die Gemeinde Ottobrunn nach wie vor eine offizielle Städtepartnerschaft mit Cortona ablehnt – für ihn ein wichtiges Zeichen der Versöhnung.

Auf Rede verzichtet

Loderer ist bei der Ausstellungseröffnung auch anwesend, verzichtet aber auf eine Rede. Sein Feedback hinterlässt der Bürgermeister den Schülern auf einem Plakat, das sie für Stellungnahmen der Ausstellungsbesucher bereitgestellt haben. „Die Konfrontation mit NS-Kriegsverbrechen ist eine Erfahrung, die uns heutzutage oft verstört und ratlos macht“, schreibt er und schließt mit den Worten: „Danke für die Dokumentation und die Versöhnungsarbeit.“

Lesen sie auch: „Geste der Versöhnung entwertet“

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