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Für mehr Bildungsgerechtigkeit setzen sich ein: Simone Fle ischmann (l.) vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband und Martin Löwe vom Bayerischen Elternverband. Es moderierte Vize-Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche.

Bildung

Bulimie-Lernen keine Lösung

Unterrichtsausfall, zu wenig Lehrer, reine Mangelverwaltung: Keine guten Noten erhielt Bayerns dreigliedriges Bildungssystem im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Ottobrunn.

Ottobrunn – Zu den Gästen der SPD im Wolf-Ferrari-Haus zählten Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Martin Löwe, Landesvorsitzender des Bayerischen Elternverbands (BEV) sowie Philipp Krömer, Landesschülersprecher der Mittelschulen. Durch die Diskussion führte die Vize-Landrätin Annette Ganssmüller- Maluche (SPD).

„In der Versorgung des Schulsystems stimmt etwas nicht“, lautet Fleischmanns Kritik. Aktuell würden nur Löcher gestopft. Mit scharfen Worten wies die BLLV-Präsidentin auf Missstände hin. Dies alles im Schatten der politischen Diskussion um das G8 und G9 an den Gymnasien. Allen voran die Personalnot an Grund- und Mittelschulen. „Es fehlt an allen Ecken und Enden an Lehrern, allein 100 sind es in diesem Bereich“, warnte Fleischmann. Die Lage sei vielerorts dramatisch.

Als Eckpunkte eines vom Verband erarbeiteten Notprogramms nannte die Präsidentin befristete Aussetzungen der Lotsen an Realschulen und Gymnasien und der externen Evaluation. Die Forderungen liegen dem Kultusministerium und dem Bayerischen Landtag bereits vor. Am Geld fehlt es im Grunde nicht: Jeder dritte Euro aus dem bayerischen Haushalt geht in die Bildung, erklärte Fleischmann. Die 47-Jährige leitete acht Jahre lang eine Grund- und Mittelschule in Poing, bevor sie sich für das Präsidial-Amt entschloss. Mit etwa 60 000 Mitgliedern ist der BLLV die größte Pädagogen-Organisation Bayerns. Das Lagebild schätzte Martin Löwe grundsätzlich ebenso ein. Der BEV-Landesvorsitzende ist vierfacher Vater, er kennt Schule. Sein Verband engagiert sich unter anderem für ein gutes Verhältnis von Eltern und Lehrern. „Wir haben genug zu tun“, sagte Löwe. Er ist der Meinung, das Bildungssystem müsse ganzheitlich betrachtet werden – von der Kita bis zum Schulabschluss. „Da gibt es einfach noch zu viele Brüche“, findet Löwe. Bildungsgerechtigkeit und Lernfreude bleiben seiner Meinung nach häufig auf der Strecke. Er setzt sich nicht für eine Kuschelpädagogik ein. Aber das so genannte Bulimie-Lernen – nur für die Prüfung auswendig zu lernen, danach den Stoff vergessen – könne es auch nicht sein. Das werde beim G8 extrem verstärkt. Zustimmung signalisierten die meisten der rund 50 Zuhörer. Einige beteiligten sich später an der Diskussion. Häufiger Kritikpunkt: der enorme Zulauf aufs Gymnasium, selbst bei Schülern, denen die Reife eigentlich fehlt.

Gemeinsamer Tenor an diesem Abend: Mehr Einsatz für die wichtige Arbeit der Mittel- und Realschulen und deren Ruf.

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