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Raumfahrt-Standort Nummer eins: Die Ariane-Rakete auf dem Airbus-Gelände steht symbolisch für die Ausrichtung des Ludwig-Bölkow-Campus. 

Raumfahrtprogramm „Bavaria One“

Neue Uni-Fakultät für Taufkirchen/Ottobrunn

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Ein Uni-Campus auf dem Campus: Das erwartet Taufkirchen und Ottobrunn in fünf Jahren - durch die neue TUM-Fakultät für Raumfahrt. Die weckt Begehrlichkeiten.

Taufkirchen/Ottobrunn – In seiner Regierungserklärung hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch das bayrische Raumfahrtprogramm „Bavaria One“ angekündigt. Im Zuge dessen soll in Ottobrunn für etwa 100 Millionen Euro eine Fakultät der Technischen Universität München (TUM) entstehen. Als Standort hat TUM-Präsident Wolfgang Herrmann den Ludwig-Bölkow-Campus auserkoren. Der liegt allerdings im Gewerbegebiet auf Taufkirchner Flur – und führt mal wieder zu der Frage, welcher Gemeinde die Fakultät zugeschrieben wird. Betroffen von Söders Plänen sind aber in jedem Fall Ottobrunn und Taufkirchen. Beide Kommunen stehen vor einer großen Herausforderung.

In fünf Jahren will Wolfgang Herrmann die neue Fakultät eröffnen. Bis dahin sollen neue Gebäude für 100 Millionen Euro errichtet und die Hälfte der geplanten 30 Professoren gefunden sein. Da die TUM nicht neu ist auf dem Ludwig-Bölkow-Campus – mit dem Programm Munich Aerospace bietet die Universität hier bereits Lehre und Forschung im Bereich der Luft- und Raumfahrt an – glaubt Herrmann, dass dieser Zeitplan realistisch ist. Außerdem wird auf dem Campus seit 2015 auch schon im Algentechnikum der TU München geforscht – ebenfalls fürs Fliegen. Ziel ist es, Biokerosin aus Algen zu gewinnen.

Ein Campus mit allem Drum und Dran

Am Campus soll nun aber nicht nur eine Fakultät entstehen, sondern auch nach den Sternen gegriffen werden – im technischen Sinne. Zwar werde laut Herrmann weiterhin an der bereits bestehenden Technologie wie dem Leichtbau von Flugzeugen geforscht, doch an der neuen Fakultät wird es hauptsächlich um Visionen gehen. Schon jetzt forscht die TUM am autonomen Fliegen, künftig soll es auch um Flugtaxis gehen, um fliegende Autos, Drohnen und superschnelle Fortbewegungsmittel mit Geschwindigkeiten von bis zu 1000 km/h. Es gehe darum, die Grenzen des Machbaren auszuloten. Dabei setzt der TUM-Präsident auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Campus in Garching.

Mit bis zu 4000 Studenten rechnet Herrmann in Taufkirchen/Ottobrunn, wenn alle Studien- und Jahrgänge besetzt sind. Ihnen will er einen richtigen Campus mit Caféterien, Dienstleistern und einem Wohnheim bieten.

Standort unklar

Wo genau auf dem Campus-Areal die neue Fakultät entstehen soll, weiß Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) noch nicht. Die Ackerflächen westlich des Campus’ seien bereits für Gewerbe vorgesehen, dann kommt schon die A8. Östlich befindet sich aktuell ein Waldgebiet. Dass der Ministerpräsident die neue Fakultät Ottobrunn zuschreibt, obwohl sie „ganz klar auf Taufkirchner Gemeindegebiet liegt“, ärgert Sander ein wenig. „Vielleicht muss ich das Thema noch einmal ansprechen.“

Doch nicht nur die Standortfrage beschäftigt Sander, sondern auch, wie die Studenten zum Campus kommen sollen. Bislang ist der nur mit Bussen oder Pkw erreichbar, ausreichend Parkplätze für bis zu 4000 Studenten gebe es bei Weitem nicht. Es brauche künftig zusätzliche Parkplätze. Und Sander hofft, dass die neue Fakultät auch neue Schubkraft für die Diskussion um eine mögliche Verlängerung der U5 bis in die Südost-Gemeinden bringt. Aktuell prüfe der Landkreis das Vorhaben bereits mit einer Machbarkeitsstudie. „Hier müssen Freistaat, Landkreis und die Gemeinden Hand in Hand arbeiten.“

Möglich ist auch, dass die Verbindung von Taufkirchen zum Ludwig-Bölkow-Campus ausgebaut werden muss. Denn Sander rechnet damit, dass sich einige Studenten in seiner Gemeinde niederlassen. Das würde ihn sehr freuen. Aber: „Das ist im Vergleich zu München auch eine Kostenfrage.“

Kein Platz für Studi-Wohnungen

Die neuen Studenten wird auch Ottobrunn bemerken, die Gemeinde liegt geografisch deutlich näher am Ludwig-Bölkow-Campus als Taufkirchen. Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) sieht der Entwicklung ebenfalls positiv entgegen, schließlich sei die Geschichte seiner Gemeinde eng mit der Luft- und Raumfahrt verknüpft – und werde nun um eine Episode reicher. Außerdem geht der Rathauschef davon aus, dass die Bürger einen „studentischen Flair“ begrüßen.

Loderer stellt sich die gleichen Fragen wie Sander: Wo sollen die Studenten wohnen und wie sollen sie zum Campus kommen? Ottobrunn „ist zugebaut“, Platz für neue Studenten-Wohnung gebe es nicht. Außerdem müsse der ÖPNV dringend aufgewertet werden. Hier setzt Loderer ebenfalls auf eine Verlängerung der U5, gleichzeitig müssten Buslinien „massiv ausgebaut“ werden. Die Linie 210 sei das Rückgrat des Nahverkehrs in Ottobrunn, und die Expresslinie 213 zum Ostbahnhof soll schon bald nicht mehr nur zu den Stoßzeiten fahren. Mit dem Ausbau des ÖPNV einhergehen müssen laut Loderer auch neue Park-and-Ride-Parkplätze. Diese Überlegungen seien unabhängig von der Fakultät bereits ein Thema, könnten nun aber neuen Wind bekommen.

Bleibt die Frage der Finanzierung: 100 Millionen Euro für eine neue Fakultät, eine Million Euro jährlich pro Professur, neue Parkplätze, Ausbau des ÖPNV: Die Kosten für die neue Fakultät sind massiv. Wer kommt dafür auf? Die Fakultät ist eine staatliche Einrichtung und wird deshalb vom Staat finanziert, sagt TUM-Präsident Herrmann. Für die jährlichen Ausgaben der Professuren können Fördergelder beantragt werden. Der infrastrukturelle Ausbau am Campus und auf den Wegen dorthin wird laut Taufkirchens Bürgermeister Sander ebenfalls „bestimmt nicht billig“. Wer sich beteiligt und welche Kosten auf die Kommunen zukommen, ist offen. Ottobrunns Bürgermeister Loderer hofft auf Unterstützung von Landkreis und Freistaat, letzterer übernehme bei der Anbindung des LMU-Areals in Martinsried schließlich auch „90 bis 95 Prozent“ der Kosten.

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