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Herzlicher Empfang: Mohrs in der Schule, die Casa Luker gebaut hat.

Spendenprojekt in Ottobrunn für Kakaobauern

200 Esel für Kolumbiens Kinder

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Vom Kokain zum Kakao: Das Unternehmen Casa Luker gibt Kolumbiens Bauern eine Chance. Ihre Ernte gibt‘s bei Andreas Mohrs in Ottobrunn. Er will etwas zurückgeben: 200 Esel.

Ottobrunn – An den Hängen der Anden wächst die Koka-Pflanze prächtig. Die Kokainproduktion blüht und gedeiht in Kolumbien, der Drogenkrieg floriert. Im Dschungel von Necocli, im Norden des Landes, leben viele Bauernfamilien vom Drogenanbau – und in Knechtschaft der Mafia. Doch nach und nach verdrängt Kakao das Koka – und legale Landwirtschaft den illegalen Anbau.

Ein Grund: Der Staat fördert den Anbau legaler Produkte statt die Drogen-Felder wie früher aus der Luft mit Pflanzengift zu besprühen. Dialog statt Repression. Ein weiterer Grund: Am Rand der Gebiete, in denen der Guerillakrieg langsam abebbt, bietet Casa Luker den Landwirten eine Alternative zu den Drogen. Casa Luker ist ein Kakao-Unternehmen, geführt von sechs Brüdern in vierter Generation, das auf Fairness setzt. Fairer Handel, faire Preise für die Bauern, faire Chancen für deren Familien. Und der Casa-Luker-Kakao steckt in Schokoladen-Produkten aus Ottobrunn.

Andreas Mohrs, 43, wollte „100 Prozent ehrlichen Kakao“ für seine Schokolade. Auf einer Messe lernte der Inhaber der Ottobrunner Chocolaterie „Chocion“ Casa Luker kennen. Die Beziehung geht längst weit über das Geschäft hinaus.

Erst vor Kurzem ist er von einer Reise aus Kolumbien zurückgekehrt. Was er dort erlebte, „hat mich sehr, sehr berührt“, erzählt Mohrs, hauptberuflich Pilot. Mehrfach rührten ihn die Begegnungen zu Tränen. Zum Beispiel Schulkinder, die die Gäste mit Fahnen und Applaus begrüßten. Die Schule hat Casa Luker für die Kinder der Bauern im Dschungel von Necocli gebaut, mit Unterstützung von Mohrs konnte eine Bibliothek für 3000 US-Dollar eingerichtet werden. Zudem hat er mit dafür gesorgt, dass professionelle Geschichtenerzähler die Kinder zum Lesen und Lernen motivieren. „Damit aus einem Trauma ein Traum wird“, sagt Mohrs. Viele Mädchen und Buben sind auf Koka-Plantagen aufgewachsen, im Guerillakrieg und Drogensumpf. Unterricht haben sie nie bekommen, dafür harte Arbeit auf dem Feld für einen Hungerlohn gelernt. 150 US-Dollar beträgt das durchschnittliche Gehalt eines Kolumbianers. „Die Bauern bekommen viel weniger“, sagt Mohrs, „sie leben von der Hand in den Mund.“

Bis Casa Luker vor vier Jahren 550 Hektar Farmland kaufte, auf dem die Bauern leben und arbeiten. Mit dem Kakao wachsen Hoffnung und Perspektiven. Die Landwirte bringen ihre Ernte zu einer Sammelstelle, erhalten Lohn und Gewinnbeteiligung, insgesamt das Drei- bis Vierfache vom Koka-Anbau für die Mafia. Zudem bietet das Unternehmen den Landwirten bei Granja Luker, einer Art „Baumschule für Kakao“, eine kostenlose Ausbildung, damit sie ihren Ertrag auf den Feldern maximieren können. Dort lernen die Kolumbianer alles über die Kakaopflanze, ihre Pflege und die Ernte.

Fertig für die Röstung: der getrocknete Kakao.

Mohrs will möglichst oft nach Kolumbien fliegen und sich vor Ort anschauen, wo der Kakao für seine Schokolade wächst – und beim nächsten Besuch bestenfalls mit 200 Eseln anreisen. Symbolisch gesprochen. Derzeit läuft eine Spendenaktion für die kolumbianischen Bauern.

Im Dschungel begegnete der Ottobrunner Geschäftsmann einem Mädchen und Buben auf einem Esel. Das Tier brachte die beiden zur Schule. Der Weg beträgt für die Kinder zum Teil vier Stunden zu Fuß. Sehr beschwerlich, bei Regen bleiben die Kinder oft zuhause und verpassen den Unterricht. Esel erleichtern den Schulweg erheblich. Bei Mohrs festigte sich die Idee für eine besondere Spendenaktion: „Ich hab’ spontan gesagt, wir kaufen 200 Esel.“ Einer kostet in Kolumbien 100 US-Dollar, hat aber einen immens hohen Wert für die Kolumbianer. „Als ob man hier jemandem einen Mercedes schenkt“, verdeutlicht Andreas Mohrs. Das Geld für 45 Tiere hat er schon zusammen. Viele seiner „Chocion“-Kunden sagten sofort ihre Unterstützung zu. Weitere Spender sucht er und steuert selbst einen Betrag bei.

Per Esel zur Schule. Ohne ihn würde der Weg bis zu vier Stunden dauern.

Das tun auch die Kunden, die bei ihm Schokolade kaufen. Der Casa-Luker-Kakao kostet das Fünf- bis Sechsfache des Marktwerts. Für jede Bestellung zahlt Mohrs zehn Prozent des Kaufpreises freiwillig oben drauf. Weil aus Kakao viel mehr entstehen kann als eine süße Versuchung.

Wer helfen möchte, wendet sich per Mail an AM@chocion.com.

So wird in Granja Luker gearbeitet

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