Fotograf Jörg Ederer vor seinen Fotografien
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Fotograf Jörg Ederer vor seinen Fotografien.

Ausstellung des Kunstvereins Ottobrunn

Fotograf Jörg Ederer auf den Spuren der Vergangenheit

  • Bernadette Heimann
    vonBernadette Heimann
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Lange war die Galerie des Kunstvereins Ottobrunn geschlossen. Die erste Ausstellung im „Treffpunkt Kunst“ nach der Zwangspause ist zugleich eine äußerst berührende.

Mit „Mein Elternhaus“ präsentiert Fotograf Jörg Egerer sehr persönliche Arbeiten. „Es ist schwer, in so einer Situation für eine Ausstellung zu fotografieren. Besonders wichtig war mir, den privaten Bereich meines Vaters zu wahren, andererseits dem Betrachter einen Einblick zu geben in eine Zeit, die wohl jeder von uns erleben wird“, betont Kunstvereins-Mitglied Egerer, der in der Nähe von Mannheim aufgewachsen ist und in Markt Schwaben lebt.

Bildpaare aus dem Elternhaus

Die Foto-Serie hat der 50-Jährige zwischen September und November vergangenen Jahres gemacht, wenige Monate nach dem Auszug seines Vaters in ein Pflegeheim. Es sind zumeist Bildpaare, die Egerer vom inzwischen geräumten Elternhaus in der Ottobrunner Rathausstraße ausstellt – von dem Badezimmer mit den roten Kacheln etwa oder der Terrasse: Verwelkte Blumen stehen noch in der Vase neben dem Gartenzwerg auf dem Terrassentisch. Ursprünglich seien die Fotografien als Erinnerung für ihn gedacht gewesen. „Es sind keine schönen Bilder, die extra arrangiert sind“, sagt Egerer. Er habe Wert darauf gelegt, dass die Fotografien authentisch seien.

Insgesamt vier Mal fuhr er von Markt Schwaben zu seinem Elternhaus und verbrachte einige Stunden in den unbewohnten Räumen, in denen er als Kind gut zwölf Jahre gelebt hat. Nach der Trennung der Eltern zog er mit seiner Mutter aus, der Vater blieb. Abgesehen von einigen wenigen Kleidungsstücken, einem Wandbild und einem Fernseher, hinterließ Jörg Egerers Vater alle persönlichen Gegenstände im Haus. „Die Zeit, die ich während des Projektes im verlassenen Haus verbrachte, versetzte mich in ein Wechselbad der Gefühle, zumal ich während dieser Zeit auch immer meinen Vater besuchte. Die ersten Tage schaffte ich nicht zu fotografieren, so stark kamen meine Erinnerungen hoch“.

Im Finale um den Kunstpreis

Kurz nach der Fertigstellung der Fotoserie starb der Vater am 23. Dezember vergangenen Jahres im Pflegeheim an Corona. „Dies soll aber keine Ausstellung zu Corona werden“, betont Egerer, „Es geht um das Elternhaus, um die Spuren der Vergangenheit.“ Aber auch darum, beim Betrachten Dinge neu zu entdecken und sich an die eigene Kindheit zu erinnern. Ein Thema, das jeden betreffe. „Ich denke viele, die in meinem Alter sind, sagen bei den Fotos: ,Oh ja, das kenne ich.’“ Der 50-Jährige, der in Markt Schwaben ein Fotostudio betreibt, ist relativ neu im Kunstverein Ottobrunn. Der Kontakt kam über „ARTiges“ zustande: Für den bundesweiten Kunstpreis, den der Verein alle zwei Jahre bundesweit ausschreibt, hatte Jörg Egerer sich mit zwei Fotografien beworben – und gehört zu den Finalisten, die unter zahlreichen Bewerbern ausgewählt wurde.

Führungen

Die Durchführung der Ausstellung, die bis 24. April im „TreffpunktKunst“ zu sehen ist, erfolgt unter Beachtung der gültigen Hygieneregeln. Jörg Egerer bietet ab Samstag, 10. April, persönliche Führungen zu den regulären Öffnungszeiten der Galerie an. Interessierte können mit ihm unter 0172 / 6030453 einen Termin vereinbaren. Die Öffnungszeiten der Galerie in der Rathausstraße 5 in Ottobrunn sind jeweils donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr.

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