Agnes Jocher erforscht nachhaltige Mobilität.
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Agnes Jocher erforscht nachhaltige Mobilität.

Agnes Jocher lehrt am Ludwig-Bölkow-Campus Nachhaltigkeit

Junge TU-Professorin (34): So sieht der Verkehr in 20 Jahren aus

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Mit nur 34 Jahren ist Agnes Jocher neue Professorin an der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München. Wir sprachen mit ihr über Raumfahrt und nachhaltige Mobilität.

Wollten Sie als Kind Astronautin werden?
Tatsächlich hätte ich immer gerne die Erde aus dem Weltraum gesehen.
Wann haben Sie ihre Vorliebe für das Thema Luft- und Raumfahrt entdeckt?
Das kam erst relativ spät, am Ende meiner Promotionsphase. Aber es hat mich schon immer fasziniert, wenn ein Flugzeug abhebt und so den Traum vom Fliegen für die Menschen ermöglicht.
Sie haben Maschinenbau studiert. Wie kamen Sie dazu?
Naturwissenschaften haben mich schon immer interessiert, schon zu Schulzeiten. Ich wollte dann in diesem Bereich auch praktische Erfahrungen sammeln und dachte, Ingenieurwissenschaften sind dafür ein guter Weg.
Was fasziniert Sie speziell am Thema nachhaltige Mobilität?
Mobilität steht im Zentrum unserer Gesellschaft. Sie verschafft uns Zugang zu wertvollen sozialen Kontakten, aber auch zu Gütern, Dienstleistungen, Arbeitsplätzen, zum Gesundheitssystem und zur Bildung. Wir sehen aber zu normalen Zeiten – morgens und abends um München herum –, dass unser heutiges Mobilitätssystem ausgereizt ist. Und wir uns Menschen und der Umwelt nicht unbedingt was Gutes tun. Das zu ändern, ist ein zentrales Anliegen meiner Forschung. Zum Beispiel, indem ich untersuche: Wie kann man Verkehr verlagern, etwa auf die Hyperloop-Technologie, oder Verkehr verbessern, etwa durch verbesserte Verbrennungsprozesse, die Emissionen besser kontrollieren oder reduzieren können.
Haben Sie eine Vision vom Verkehr in 20 Jahren?
Erstes Ziel ist es, Verkehr zu vermeiden. Insgesamt sollten wir versuchen, Mobilität möglichst nachhaltig zu gestalten. Das bedeutet nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial. Ein System aufbauzubauen, dass dem Menschen und der Umwelt besser dient.
Wie nachhaltig sind Sie selbst unterwegs?
Da ich meistens in großen Städten wie Paris, Montreal und Boston gelebt habe, habe ich nie ein Auto besessen. Dort war ich öffentlich und zu Fuß unterwegs. Auch hier in München fahre ich öffentlich. Erst mit dem Zug zum Ostbahnhof und dann mit dem Schnellbus zum Campus in Ottobrunn, das funktioniert sehr gut.
Sind Sie als Frau in Ihrem Forschungsbereich noch immer etwas Besonderes?
Man muss sich nur die Zahlen ansehen: 35 Prozent der Studierenden an der Technischen Universität sind Frauen. Bei den Professoren ist man dann noch bei knapp 20 Prozent. Das heißt, man verliert in der Wissenschaftskarriere auch noch Frauen. Das ist schade.
Woran liegt das und wie könnte man mehr Frauen dafür gewinnen?
Da gibt es verschiedene Ansätze. Etwa schon in der Schule mehr Mädchen für diese Themen zu begeistern. Die TU hat dafür Programme wie zum Beispiel die TUM-Entdeckerinnen, zwei- bis viertägige Entdeckerkurse für Mädchen und junge Frauen im MINT-Bereich. Die andere Möglichkeit ist es, Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen. Den Studierenden vor Augen zu führen, welche Möglichkeiten sie haben. Und vielleicht denkt dann die ein oder andere über Studienmöglichkeiten nach, die sie sonst vielleicht nicht ins Auge gefasst hätte. Es gibt leider noch diese Stereotypen: Stellt man sich Menschen in Ingenieursberufen vor, sind das eher Männer als Frauen.
Wie sind die ersten Eindrücke von ihrem neuen Arbeitsplatz?
Es ist ein sehr interessanter Campus mit vielen Firmen und Möglichkeiten. Momentan sind noch relativ wenige Professoren hier. Ich freue mich darauf, dass die Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie schnell wächst und ein reger Austausch stattfindet mit Studierenden, Firmen und Wissenschaftlern.
Ist es etwas Besonders, beim Aufbau einer Fakultät mit dabei zu sein?
Es ist auf jeden Fall eine spannende Erfahrung. Ich schätze es, meine Ideen und Vorstellungen einbringen zu können. Es war ein sehr guter Entschluss, die Forschung in der Fakultät zu fördern. Ein kluges forschungspolitisches Signal, Toptalente nach München zu holen.
Wenn Sie in 20 Jahren zurückschauen, was wollen Sie erreicht haben?
Viele motivierte Studierende und Promovierende betreut zu haben, die das, was sie tun, gerne tun und das mit hoher Qualität und Zuverlässigkeit. Und dass sie später gerne an ihre Zeit an der TU zurückdenken.

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