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Befahren verboten: Poller verhindern, dass Autos auf den früheren Stellplätzen parken.

Vermieter kündigt Parkplätze an der Zaunkönigstraße in Ottobrunn

Anwohner sind empört

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Ottobrunn – Eine "Schikane" vermuten die Betroffenen hinter der Kündigung ihrer Parkplätze. Sie hatten erfolgreich gegen den Bau eines Wohnhauses dort protestiert.

Es ist ruhig geworden an der Zaunkönigstraße. Keine Autos auf dem Parkplatz vor den Häusern mit den Nummern 9 bis 13, keine Bauarbeiten für ein neues Mehrfamilienhaus. Doch der Schein trügt, es brodelt gewaltig in der Siedlung. Viele Bewohner sind wütend und empört. Denn sie haben keinen Parkplatz mehr. Den Dauermietern flatterte im Oktober überraschend die Kündigung ins Haus. Die Stellflächen direkt neben dem leerstehenden Gewerbe-Flachdach-Bau an der Zaunkönigstraße sind seitdem verwaist. Poller verhindern an den Zufahrten das Betreten. Die Wut der Betroffenen ist groß. „Mafiös“ finden das die einen, eine „Schikane“ vermuten andere. Schlichtweg als „echtes Problem“ bezeichnet Wolfgang Jaschke die Situation. Denn vor allem abends sind Parkplätze an der Zaunkönigstraße Mangelware. „Ich muss meine Einkäufe nun weit schleppen“, beklagt Doris Oswald. 

Die Kündigung kam im Herbst, fristgerecht zum 31. Januar, aber ohne Begründung. Schnell formierte sich Widerstand unter den Anwohnern auf beiden Seiten der Zaunkönigstraße. Denn sie sehen in dieser Entscheidung einen direkten Zusammenhang zum Projekt Mehrfamilienhaus. Das hatten die Anlieger durch massiven Widerstand und Unterschriftenlisten im Juli 2014 zunächst gestoppt. Entstehen sollte ein viergeschossiger Komplex und ein weiteres zurückgesetztes Terrassengeschoss mit 18 bis 22 Wohneinheiten. Direkt vor den Haustüren der der Zaunkönigstraße 9 bis 13, auf den Flächen des leerstehenden Gewerbebaus und den Stellflächen. Der Gemeinderat hatte den Bauherrn aufgrund des Protests um Alternativen gebeten. 

Bislang gibt es dafür keine „spruchreife Version“, sagt Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) auf Nachfrage und betont, dass die Verwaltung zum Bauherrn keinen persönlichen Kontakt halte oder sich in den Ärger um die Stellflächen einmische. Loderer spricht von einer „reinen Privatangelegenheit“. Damit erteilt er den Anwohnern eine klare Abfuhr. 

Die hatten nämlich im Rathaus und bei Kommunalpolitikern für Unterstützung geworben. „Wir haben an die Gemeinde geschrieben, weil wir bei Eichbauer nichts erreichen würden“, begründet Rolf Rachow diesen Schritt. 

Doch vielleicht wäre es ein Versuch wert gewesen. Denn Felix Eichbauer, dem das besagte Areal gehört und der auch das Mehrfamilienhaus bauen will, ist überrascht von der Empörung. Die sei in dieser Deutlichkeit bei ihm nicht angekommen. Gekündigt habe er den Mietern der Stellplätze, um „kurzfristig handlungsfähig zu sein“. Und nicht, „um jemanden zu ärgern“, betont Eichbauer. 

Der Sohn von Fritz Eichbauer, der in der Geschäftsführung der Eichbauer Bauunternehmung GmbH sitzt, das Areal aber „rein privat“ besitzt und das Haus zwar über den Familienbetrieb abwickeln, aber als Privatmann bauen möchte, setzt auf Dialog: „Man muss miteinander reden. Es braucht einen Kompromiss.“ Sowohl für die Stellplätze als auch das Wohnbauprojekt. Er verspricht, die Parkplätze wieder zur Verfügung stellen zu wollen, „sollte sich nur eine langfristige Lösung abzeichnen“ – und das Gebäude nicht zeitnah realisiert werden. 

Davon geht der Grundbesitzer aber aus. Er spricht von „sehr konstruktiven Gesprächen“ mit der Gemeinde und dem Landratsamt. Eine konkrete Alternativplanung für den Bau gibt es jedoch nicht. Für ihn ist das Projekt in seiner ursprünglichen Form auch noch nicht vom Tisch. „Wir wollen, dass dort etwas entsteht“, verdeutlicht Eichbauer. Zeitpunkt und konkrete Gestaltung scheinen jedoch derzeit völlig offen, die Aussagen bleiben vage. 

Auf der einen Seite ist Eichbauer sicher, dass „wir eine Lösung hinbekommen“. Darum habe er die Stellflächen gekündigt. Auf der anderen Seite betont er: „Das Grundstück wird ja nicht schlechter.“ Was nicht nach Eile und Handlungsdruck klingt.

Janine Tokarski

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