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Der Tod eines geliebten Menschen tut an Weihnachten, dem Fest der Liebe und der Famlie, besonders weh.

Thementag zur Trauer an den Festtagen

Weihnachten tut besonders weh

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Landkreis – Während die einen die feierliche Stimmung um Weihnachten genießen, ist die gleiche Zeit für manchen Trauernden eine echte Qual. Der Hospizkreis Ottobrunn gibt Tipps für Betroffene und Angehörige.

Die Tage bis Weihnachten sind gezählt. Das große Fest der Liebe bringt die Familie zusammen. Wünsche werden geäußert, Überraschungen vorbereitet und Vorfreude geweckt. Trauernde aber, die einen lieben Angehörigen vermissen, erleben in der Weihnachtszeit leidvolle Tage, in denen sie sich besonders einsam fühlen.

„In der Vorweihnachtszeit ist alles geschmückt und heimelig, nur das Liebste ist nicht mehr da“, sagt Ellen H.. Die 56-Jährige hat 2015 ihren Partner verloren, er ist nach zweijähriger Krankheit an Krebs gestorben. 13 Jahre haben sie zusammen gelebt. „Nach Hause kommen, in die leere Wohnung, das ist besonders schwer, vor allem die Sonntage sind schwierig“, sagt sie. „Man braucht gute Pläne für die Feiertage.“

„Es ist für einen Trauernden unverständlich, dass sich die Welt weiterdreht.“

Den meisten Menschen, die unter dem Verlust eines vertrauten Angehörigen leiden, helfe es, sich an den Feiertagen etwas ganz Bestimmtes vorzunehmen, sagt Trauerbegleiterin Barbara Mallmann (46). Es bestärke auch, den Tag in Gedanken einmal durchzugehen. Bei einem Thementag zu „Trauer in der Weihnachtszeit“, den der Hospizkreis Ottobrunn angeboten hat, durften sich die Teilnehmer für Weihnachten etwas wünschen. „Weihnachten ist Wünschzeit“, sagt Hospizbegleiterin Barbara Mallmann (46). „Jeder durfte seinen Wunsch auf ein Papierherz schreiben.“ Es gab sehr verschiedene Antworten. „Ich werde dieses Jahr keinen Baum aufstellen, aber es tut gut, zu Freunden gehen zu können, die einen haben“, sagte eine Teilnehmerin. Eine andere Frau wünschte sich, an den Feiertagen einmal etwas ganz anderes zu machen. Eine weitere erzählte: „Die Aussicht, an Heiligabend nicht allein am Tisch zu sitzen, sondern mit anderen zu essen und ins Gespräch zu kommen, ist schön.“

In der Gruppe sprechen die Hinterbliebenen offen über ihre Situation. Für sie ist eine enge Beziehung zuende gegangen, gleichzeitig stehen sie vor einem Anfang: Sie müssen sich selbst und ihr Leben neu auszurichten. Ellen H. sagt es so: „Es ist für einen Trauernden unverständlich, dass sich die Welt weiterdreht.“

Angehörige wollen helfen, wissen aber oft nicht wie

Gleichzeitig werden die Mitmenschen schnell ungeduldig: „Im Freundeskreis bin ich ein Exot“, erzählt die 56-Jährige. „Ich bin die erste, die ihren Partner verloren hat.“ Am Anfang sei sie in Watte gepackt worden, erzählt sie, „aber das kippte ziemlich schnell. Man kriegt vermittelt, man soll wieder funktionieren“.

Und die Verwandten, Freunde und Nachbarn, die gerne helfen möchten, aber nicht genau wissen wie? Auch sie sind im Hospizkreis Ottobrunn mit ihren Fragen willkommen. „Ich halte es für richtig und sinnvoll, Trauernde einzuladen. Jedoch mit dem Hinweis, dass sie jederzeit absagen dürfen oder auch gehen können. Ganz wie sie es wollen und brauchen“, sagt Barbara Mallmann. Der Gastgeber sollte dafür gewappnet sein, dass es passieren kann, dass seinem Gast wirklich schwer ums Herz ist, mit der Gefahr, dass die Stimmung darunter leidet. „Trauernde haben Angst, dass sie stören. Denn da ist eine Familie, die hat ihre heile Welt – und ich sitze da und weine. Sie wollen nicht zur Last fallen“, erklärt Barbara Mallmann. Wer seine Hilfe anbiete, und dabei durchaus offen zu seiner Unsicherheit stehe, habe eigentlich schon gewonnen.

Ellen H.: „Wir machen es uns an Heiligabend schön.“

Sie selbst hat regelmäßig am ersten Weihnachtsfeiertag eine Gruppe von verwaisten Eltern zu sich zum Kaffeetrinken eingeladen, bevor sie aus Nordrhein-Westfalen nach Bayern zog: „Sich treffen, Tee trinken, reden, und dann geht es schon wieder irgendwie weiter“, sagt sie. „Für mich war es etwas ganz Besonderes, in der glücklichen Lage zu sein, an Weihnachten etwas geben zu können.“

Im Hospizkreis geht es auch darum, Menschen kennenzulernen, die Ähnliches erlebt haben und gut mitfühlen können. „Ich habe im Trauerkreis die Erfahrung gemacht, wie gut es tut, die Dinge anzusprechen, die auf der Seele lasten. Rückblickend war es das Beste, was ich machen konnte.“

Ellen H. ist Weihnachten immer zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern ins Saarland gefahren, auch als ihr Partner noch lebte. „Meine Mutter ist 87 Jahre. Es ist ein Geschenk, dass sie noch lebt, das wird einem dann bewusst. Wir machen es uns an Heiligabend schön.“

Thementag

Der nächste Thementag findet im Frühjahr statt, alle Termine finden Interessenten unter www.hospizkreis-ottobrunn.de.

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