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Vielleicht das beste Konzert, das die Michaelskirche je erlebt hat. Viele Gäste hatten bei der Aufführung jedenfalls diesen Eindruck.

Kantorei Ottobrunn

Glanzvoller Empfang für den König

Ottobrunn – Hunderte Zuhörer waren in die Ottobrunner Michaelskirche gekommen, um in die gesanglichen Tiefen des Bach’schen Weihnachtsoratoriums einzutauchen.

Im Altarraum scharten sich über 90 Sänger sowie das auf historischen Instrumenten spielende Concerto München, und im Kirchenraum waren die mit Sitzheizung neu ausgestatteten vorderen Reihen dicht gedrängt. Als dann das Weihnachtsoratorium mit seinem aufrüttelnden „Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage“ mit Pauken und Trompeten sowie großer Ausdruckskraft des Großen Chores der Kantorei der Michaelskirche einsetzte, fiel bei den Zuhörern spürbar der Alltag ab. Gastsänger aus der Region bereicherten die Aufführung. Und so öffnete man sich der musikalischen Erzählung von Christi Geburt.

Dekanatskantor Christoph Demmler hatte offenbar im Detail geprobt und am Ausdruck poliert: Jedenfalls waren Intonation, Präzision, musikalische Ausstrahlung und Erzählkraft sowohl des Chors als auch der Solisten und des Orchesters überzeugend. Die Solisten Stephanie Steinbauer (Sopran), Mareike Braun (Alt), Magnus Dietrich(Tenor) und Benedikt Eder( Bass) beherrschten ihre natürlich allseits bekannten, musikalisch hochkomplexen Partien perfekt und trugen zum großartigen Gesamteindruck bei. Die glockenhellen Stimmen einiger Kinder aus dem Kinderchor setzten in einigen Chorpartien das I-Tüpfelchen.

Aufgeführt wurden die Teile I, III und V, die von Christi Geburt, den Hirten und den Heiligen Drei Königen erzählen. Die dunklen Ereignisse, die in dieser Welt an Terror, Gewalt und Ungerechtigkeit Tag für Tag bekannt werden, tauchen auch in den Texten der gesungenen Teile auf: Da ist von Finsternis, dem Jammertal oder der finsteren Grube die Rede. Doch das Bach’sche Weihnachtsoratorium setzt dem entgegen: „Dein Glanz all Finsternis verzehrt“ oder „der Gnadenstrahl wird blinken“. Und wenn „Herrscher des Himmels“ oder „Jauchzet frohlocket“ mit solcher Überzeugungskraft ertönen, wie hier geschehen, dann kann man nicht stehenbleiben bei dem, was traurig macht. Selbst bei professionellen Chören wundert es den Zuhörer vielfach, dass offenbar kaum ein Chormitglied herausschaut.

In diesem Konzert zum 70-jährigen Jubiläum der Kantorei gab es mehrere Sängerinnen, die das ganze Oratorium auswendig sangen und viele, die ihre Noten offenbar nur zur doppelten Sicherheit vor sich aufgeschlagen hatten. Das genaue Notenstudium kommt der Strahlkraft des Gesangs natürlich zugute. Das Publikum dankte es allen Mitwirkenden, allen voran Kantor Christoph Demmler, mit großem, begeistertem Beifall.

Es ist ja weitgehend üblich, dass nicht alle sechs Teile des Bach’schen Weihnachtsoratoriums an einem Konzertabend zusammen aufgeführt werden. Wenn heuer auch der seltener aufgeführte Teil V ausgesucht wurde, geschah dies unter anderem auch deswegen, weil er Epiphanias zugeordnet ist und am gleichlautenden Sonntag, 6. Januar, um 17 Uhr im Festgottesdienst der Michaelskirche zur Einweihung ihres „Raum für Begegnung“ dieser Teil noch einmal aufgeführt wird. Dabei handelt es sich um einen Foyerbau mit Glasfassaden zwischen Gemeindehaus und Kirche. Die Predigt hält Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler. (mm)

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