Bürgermeister Thomas Loderer
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Bürgermeister Thomas Loderer blickt optimistisch in die Zukunft.

Interview mit Bürgermeister Thomas Loderer

So kommt Ottobrunn in diesem Jahr durch die Krise

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Mehrere kleine Bauprojekte stehen in Ottobrunn unmittelbar an. Das verrät Bürgermeister Thomas Loderer im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Außerdem führt er in der Vorschau auf das Jahr 2021 aus, weshalb Corona auf den gemeindlichen Haushalt keine ganz schädlichen Auswirkungen haben wird.

Draußen hängt der Nebel über Ottobrunn. Ist das eine Wetterlage, die in Pandemiezeiten auch politisch bestimmend ist?

Es gibt vielleicht momentan Politiker, die im Nebel stochern. Ich gehöre nicht dazu. Wir leben in schwierigen Umständen, ich will das nicht verniedlichen. Auch was sich im Umfeld der Krankenhäuser und der medizinischen Versorgung abspielt, verfolge ich mit großer Sorge. Aber all das befindet sich außerhalb des Einflussbereiches der Kommunalpolitik. In Bezug auf Möglichkeiten, Politik zu gestalten, sehe ich keine großen Einschränkungen.

Mittelbar ist das Gewerbe stark betroffen, der Mittelstand. Davon hängen die Steuereinnahmen der Gemeinde ab, wird dadurch nicht der Handlungsspielraum begrenzter?

Ich vermute, dass es so kommen wird. Aber die größten Einschränkungen werden wir eher durch so etwas wie die Kreisumlage haben. Die Gemeinde Ottobrunn selbst hat gelernt, mit geringen Steuereinnahmen gut zu wirtschaften. Beispiel: Gewerbesteuereinnahmen, da liegen wir im Haushalt bei 13 Millionen Euro. Das fällt in manchen Gemeinden noch einmal als Rundungsfehler auf. An Gewerbesteuerausgleichszahlungen bekommt Ottobrunn 3,3 Millionen Euro, eine Gemeinde Grünwald, die sie am allerwenigsten bräuchte kriegt 18 Millionen Euro. Wir sind hier immer im niedrigen zweistelligen Bereich unterwegs. Die Kreisumlage (im Jahr 2021 sind es 17,6 Millionen Euro) ist höher als die kompletten Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Eine Halbierung, die ich nicht erwarte, würde uns extrem weh tun, aber es entspräche einem Drittel der Kreisumlage. Das nur, um die Relationen zu verdeutlichen. Wir versuchen trotzdem das Beste, daraus zu machen. Zum Beispiel, in dem wir die wirtschaftlichste Personalführung im Großraum München vorweisen können. Es gibt keine Gemeinde, die mit einer solch schlank aufgestellten Verwaltung gemessen an ihrer Größe und an ihren Aufgaben. Das hat uns der kommunale Prüfungsverband jetzt wieder bestätigt. Um auf den Punkt zu kommen, es gibt keine Projekte, die wir aufs Eis legen müssen. Wir müssen keine Notbremsung einleiten.

Größere Projekte stehen an, das Wolf-Ferrari-Haus mit energetischer Sanierung...

Ja, das haben wir überarbeitet und uns die Anforderungen in Sachen Brandschutz noch einmal genau angeschaut. Alles, was anfällt, kann in den nächsten Jahren mit laufen. Das Haus muss nicht extra geschlossen werden und auch finanziell wird es nicht so teuer, wie wir zunächst gedacht hatten. Sprich, wir haben das Projekt im Haushalt in den nächsten zwei Jahren mit 600 000 bis 800 000 Euro veranschlagt. Wir haben uns zusammengesetzt und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir hier keine Großbaustelle eröffnen müssen.

Bis zu 800 000 Euro investiert die Gemeinde in die energetische Sanierung des Wolf-Ferrari-Hauses. 

Die größte Investition fließt in Ottobrunn in den Wohnungsbau.

Wir haben zwei Bauprojekte an der Hochacker- und Gartenstraße, die nahezu identisch ausschauen. Es sind zwei Wohnhäuser mit sechs Wohnparteien pro Haus. Erfreulicherweise bekommen wir eine massive Förderung aus dem staatlichen Wohnbauprogramm von 1,7 Millionen Euro. Wir bekommen auch noch eine zinsgünstigen Kredit. Dadurch finanzieren sich diese Häuser am Ende selbst aus der Miete. Der Generalübernehmer ist die Baugesellschaft München-Land, mit der wir eine sehr gedeihliche Zusammenarbeit haben. Das hat sich schon in der Josef-Seliger-Siedlung gezeigt. Das ganze Grundstück ist Eigentum der Baugesellschaft. Wir konnten mitwirken, in dem wir uns Wohnraum gesichert haben. Durch eine Beteiligung an der Stammeinlage konnten wir erreichen, dass die Mieten unter zehn Euro pro Quadratmeter liegen. Wenn auch nur knapp. Jetzt wird das letzte Drittel gebaut mit einer Kita für die Gemeinde auf dem Gelände. Das muss gerade noch überplant werden. Die Bauzeit verlängert sich damit, man muss mit noch drei bis vier Jahre rechnen.

Mit anderen Worten, die Investitionen sind gut zu stemmen. Man kann sich auf mehrere kleine Projekte konzentrieren.

Wir haben auch Größeres vor, aber hier keinen unmittelbaren Zeitdruck. Das Thema Schule an der Friedenstraße liegt in der Luft. Sie ist prinzipiell in einem guten Zustand. Da hängen keine kaputten Lampen von der Decke, auch gibt es keine notdürftig zugeklebten Fenster. Aber sie erfüllt die Anforderungen im Bereich Ganztagesschule nicht mehr ganz. In dem Schulsprengel existieren die geringsten Hortkapazitäten, decken aber viel über die Mittagsbetreuung ab. Die dort aufgestellten Container funktionieren zwar gut, sind aber Provisorien. In den Haushalt haben wir Geld eingestellt, um eine Konzeptstudie zu erarbeiten. Längerfristig sehe ich hier einen großen Umbau, eine Modernisierung der Grundschule an der Friedenstraße.

Die Planungen sind also zahlreich, aber wie sieht es im persönlichen Leben aus, haben Sie Vorsätze für das Jahr 2021?

Ich bin nicht der Typ dafür. Zur persönlichen Optimierung könnte ich ein paar Kilo abnehmen, aber ich bin kein Diätfanatiker. Was ich im Alltag versuche zu beherzigen, das ist die Bewegung, Sport. Ich habe mir das regelmäßige Schwimmen angewöhnt, und bin ein sehr guter Kunde im Phoenixbad. Das baue ich in die Woche ein. Bis zum Lockdown ist es mir ganz gut gelungen, dass im Arbeitsalltag zu integrieren. Insofern hat mich der Lockdown ziemlich hart getroffen. Ich leide wie ein alter Hund an der Tatsache dass ich nicht ins Phoenixbad kann. Es gibt größere Probleme, das will ich gerne eingestehen. Aber es fehlt mir sehr.

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