Die Masken mussten die Bürger durchgehend auf haben. Wer links saß, befand sich direkt neben den Balkontüren, die einmal die Stunde aufgingen.
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Die Masken mussten die Bürger durchgehend auf haben. Wer links saß, befand sich direkt neben den Balkontüren, die einmal die Stunde aufgingen.

BÜRGERVERSAMMLUNG

Ottobrunner stellen Fragen zu Städtebau, U-Bahn und Handysmog

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Das Publikum behielt die Masken auf, jede Stunde wurde gelüftet. Bei der Ottobrunner Bürgerversammlung sollte der Spagat gelingen, Bürgerrechte und Gesundheit gleichermaßen zu garantieren.

Ottobrunn – Eine befremdliche Atmosphäre, an die man sich aber schnell gewöhnte. Die Hauptthemen waren dagegen gut bekannt: Siedlungs- und Verkehrsdruck, Strahlenbelastung durch 5G und die U-Bahn-Verlängerung nach Ottobrunn dominierten die Fragestunde.

Verlängerung der U 5

Bürgermeister Thomas Loderer und Christoph Göbel ziehen an einem Strang: Die Verlängerung der U 5 ist für sie beide unabdingbar. Göbel: „Wenn wir der Welt zeigen wollen, wie gut wir in der Luft- und Raumfahrt sind, können sich auf dem Weg dorthin nicht irgendwelche Gelenkbusse in Wendeschleifen verirren.“ Der Freistaat wolle mitziehen, aufbauend auf den Erkenntnissen der Forschungsstätten in Martinsried und Garching. Schön und gut. Günter Kronwitter bemängelte jedoch, dass die favorisierte Trasse Ost 2 die teuerste sei: „Es sind Steuergelder, und wir zahlen das am Ende mit unsere Abgaben.“ Einige Bürger seien nervös. Sie haben 130 Unterschriften gesammelt, einen Brief geschrieben. Bei der Trasse, so der Inhalt, würden Ottobrunner Bürger belastet, besonders im Bereich der Putzbrunner- und Unterhachinger Straße. Bürgermeister Loderer versicherte, dass man die Bürger nicht belästigen, aber doch möglichst viele Fahrgäste ansprechen wolle. Die Trasse sei zwar teuer, habe aber das beste Kosten-Nutzen-Ergebnis. Es werde ohnehin noch ein Jahrzehnt vergehen, bis die Pläne in eine Planungsreife übertreten. Die Sorgen der Bürger würden ernst genommen. „Wir nehmen nur eine Trasse stärker ins Visier.“

Siedlungsdruck

Die städtebauliche Entwicklung der Gemeinde ist ein heißes Eisen. Das Dilemma des Siedlungsdrucks lastet schwer auf der Gemeinde, so virtuos der Bürgermeister es auch versteht, in seinen Reden ein stringentes Vorgehen zu vermitteln. Loderer erklärte, dass man differenziert zu Werke gehen wolle. So soll zwischen Putzbrunner Straße und Ottstraße der dort vorhandene Gartenstadtcharakter bewahrt werden. Loderer will verhindern, dass immer mehr Autos die Straßen zuparken. Dazu greift die Gemeinde zur Verschärfung des Stellplatzschlüssels. Dann wiederum gebe es Bereiche, die sich für eine städtebauliche Nachverdichtung eignen wie im Bereich der Zaunkönigstraße. Gerade auch vor dem Hintergrund der Wohnungsnot. „Wir gehen im Ortsgebiet differenziert vor. Klar, dass es nicht jedermanns Zustimmung findet.“ Werner Wolf beklagte, dass zu wenig für Geringverdiener getan werde. In München liege in den letzten Jahren die Anzahl der Arbeitsplätze um das 3,6-fache höher als die Zahl der neu gebauten Wohnungen. Landrat Christoph Göbel gab zu, dass der Landkreis in einem solchen Vergleich wohl noch schlechter abschneide würde: „Pro Jahr werden zwischen 2700 und 3100 Wohneinheiten fertig.“ Drastisches Beispiel: Unterföhring habe 11 000 Einwohner und 24 000 Arbeitsplätze. Besonders betroffen davon seien Menschen, die keinen Anspruch auf öffentliche Hilfe haben und durch die hohen Lebenshaltungskosten erdrückt werden – im zunehmenden Maß Senioren, kinderreiche Familien und Alleinerziehende. Da gebe es nur eines, in öffentlicher Hand Wohnraum zu halten und die Vergabekriterien entsprechend zu gestalten.

Sanierung Sternhaus

Monika Müller meldete sich gleich zu Anfang. und wollte wissen, wie die Sanierung des Sternhauses in Ottobrunn ablaufen soll. Sie wohnt seit 20 Jahren dort und hatte die Sorge, dass man die Mieter rauskündigen möchte. „Warum werden Wohnungen jetzt schon nicht mehr vermietet?“ Loderer bestätigte, dass die Gemeinde jetzt schon Wohnungen frei bekommen wolle, aber auf dem natürlichen Wege der Fluktuation. Ziel sei es, dass ein Viertel der 54 Wohnungen leer steht. Einfach, um mehr Freiheiten bei der Baustellenorganisation zu haben. „Wir wollen aber nicht alle Wohnungen frei bekommen.“ Es werde eine Informationsveranstaltung geben, und man werde Angebote für die Mieter aufzeigen.

Belastung durch 5G

Dass auf dem Rathausplatz W-Lan zur Verfügung steht, ist ebenso eine Tatsache wie eine großflächige Abdeckung Ottobrunns mit 5G durch die Telekom. Diese Antwort gab Bürgermeister Loderer auf die Anfrage einer Bürgerin. Sie macht sich Sorgen wegen möglicher gesundheitsschädlicher Auswirkungen und wollte die Gemeinde sensibilisieren. Diese aber hat keinerlei Einflussmöglichkeit, erklärte der Bürgermeister. Eine baurechtliche Anfrage habe es nicht gegeben. „Aber wir nehmen die Diskussion gerne zum Anlass, genau hinzuschauen und zu beobachten, ob die Gesamtbelastung größer wird.“

* In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es fälschlicherweise, dass sich Ute Rohwedder in der Bürgerversammlung in Ottobrunn zu möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen durch 5G geäußert habe. Eine Verwechslung. Diese Bedenken sind von einer anderen Teilnehmerin an der Bürgerversammlung vorgebracht worden.

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