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An der Rosenheimer Landstraße hat die Gemeinde Findlinge durch Poller ersetzt, um Autofahrer am Falschparken zu hindern.

Nach tödlichem Unfall

Park-Poller: Bürgermeister erntet Kritik

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Ottobrunn - Hartplastik statt Stein: Die Gemeinde Ottobrunn hat nach einem tödlichen Unfall an der Rosenheimer Landstraße Findlinge durch 60 Poller ersetzt – ohne sich das absegnen zu lassen. Das eigenmächtige Handeln löste eine Grundsatz-Debatte aus.

Von einer „Nacht- und Nebelaktion“ sprach Doris Popp (Grüne). Auch Reinhard Pohl (BVO) fragte sich, „warum wir im Nachhinein etwas genehmigen sollen“? Dass die Gemeinde Ottobrunn bereits die Findlinge an der Rosenheimer Landstraße gegen 60 Poller aus Hartplastik ausgetauscht hat, Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) sich diesen Schritt nun aber im Nachgang erst absegnen ließ, ärgerte die beiden Gemeinderäte sehr.
Loderer reagierte heftig auf diese Kritik: „Machen Sie nicht so einen Terz“, ging er Pohl an. „Ich hätte Sie auch nur informieren können und muss das nicht abstimmen lassen.“ Die 60 Poller kosten 1800 Euro – und liegen damit im Handlungsrahmen, über den der Bürgermeister allein entscheiden kann. „Aber wenn dann dort etwas passiert wäre, hätten Sie mich im Gefängnis besuchen können“, sagte Loderer. Damit zielte er auf den Hinweis von Doris Popp, dass es wohl völlig gereicht hätte, dieses Projekt dem Bauausschuss vorzulegen „und erst dann zur Tat zu schreiten“. Begründet wird das schnelle Handeln in der Sitzungs-Vorlage mit der Witterung: „Der Einbau sollte noch vor der Frostperiode abgeschlossen sein, sodass die Maßnahme vorab eines Beschlusses erfolgte.“
Natürlich überzeichnete der Rathauschef die Situation mit dem Gefängnis-Hinweis. Doch die Findlinge sind tatsächlich ein rechtlich sensibles Thema. Der Anlass für den Austausch der Steine gegen Poller, die Autofahrer am Parken hindern sollen, ist ein trauriger. Eine 81-Jährige war am 1. Dezember 2014 an der Rosenheimer Landstraße auf Hohenbrunner Flur gestorben, nachdem ein Auto die Fußgängerin erfasst hatte und sie nicht nur gegen die Windschutzscheibe des Wagens, sondern mit dem Kopf auch gegen einen dort platzierten Findling geprallt war. Die Schädelverletzungen waren zu schwer, die Senioren starb am Abend im Krankenhaus.
Nach diesem tragischen Unglück hatte die Staatsanwaltschaft ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Es wäre schön gewesen, wenn wir das gesehen hätten“, monierte Popp im Bauausschuss. Darin stehe, wie Bürgermeister Loderer berichtete, dass die „Findlinge zumindest rechtlich fraglich erscheinen“. Auch die Polizei habe den Gemeinden Ottobrunn und Hohenbrunn geraten, die Findlinge zu ersetzen. FDP-Vertreter Axel Keller konnte „der Argumentation nicht ganz folgen. Über eine Gehwegkante wäre die Frau auch gefallen“. Den Bürgermeister nervte diese Diskussion sichtlich. „Wir sollten uns nicht zu Experten dieses Unfalls aufspielen und haben wirklich wichtigere Themen.“
Und doch ärgerte einige Ratsmitglieder das Gebahren der Verwaltung: Gegen die Stimmen von Doris Popp, Reinhard Pohl, Axel Keller und Elisabeth Eckerskorn segnete der Ausschuss die Poller nachträglich ab.

Janine Tokarski

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