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Platz für eine Asylunterkunft bietet der Parkplatz an der Zaunkönigstraße. Die Nachbarn sind alles andere als begeistert.

Die Stimmung ist gereizt

Anwohner empört: Ottobrunn schafft Platz für 256 Flüchtlinge

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Der Bauausschuss von Ottobrunn hat zwei Unterkünfte für Asylbewerber an der Zaunkönigstraße und am Kathi-Weidner-Weg abgesegnet. Viele Anwohner sind empört, bei der Sitzung gab es Zwischenrufe.

Ottobrunn - Kurz vor der Sitzung am Montagabend entschieden sich die Verantwortlichen im Ottobrunner Rathaus, die Zusammenkunft des Bauausschusses in den Ratssaal zu verlegen. Sie rechneten mit vielen Zuhörern. Beschwerdebriefe und -mails, die Anwohner an die Verwaltung und an Ratsmitglieder geschickt hatten, ließen auf einen großen Andrang schließen. Und sie behielten Recht.

Rund 90 Zuhörer kamen, darunter eine große Mehrheit Anwohner der Zaunkönigstraße. Sie hatten in der vergangenen Woche von den Plänen Felix Eichbauers erfahren, auf seinem Areal der Hausnummer 15 zwei Holzhäuser für 56 Geflüchtete bauen zu wollen. Auf diesem befinden derzeit ein Parkplatz und ein verwaistes Ladenlokal.

Die Stimmung ist gereizt, viele Anwohner sind empört. „Das sieht aus wie ein Hühnerstall“, rief ein Senior, als Architekt Jochen Kraske die Pläne für die Unterkunft vorstellte. Mehrfach musste Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) die Bürger darauf hinweisen, dass sie in der Sitzung kein Rederecht haben. Höhnisches Lachen erntete er, als er sagte, die Gemeinde halte das Grundstück für „sehr geeignet“. Und als er eindringlich darauf hinwies, dass Ottobrunn 367 Flüchtlinge unterbringen muss. „Wenn nicht dort, dann woanders.“ Denn „derzeit leben etwas mehr als 100 Asylbewerber bei uns. Wir haben also einen Mangel an Unterkünften.“ Da kam das Angebot von Eichbauer recht, der zunächst auf dem Areal an der Zaunkönigstraße ein Mehrfamilienhaus bauen wollte, aber am Widerstand der Anwohner und an der Ablehnung des Gemeinderats scheiterte.

Sein neues Vorhaben segnete der Bauausschuss einhellig ab. Entstehen sollen an der Zaunkönigstraße zwei zweigeschossige barrierefreie Holzhäuser für 56 Geflüchtete, mit einem Spiel- und Basketballplatz sowie einem Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheiten zwischen beiden Gebäuden. Dass dort die vier Bäume erhalten bleiben, „war uns ein großes Anliegen“, sagte der Architekt.

Eine Befürchtung, die unter Anwohnern herrscht, griff Doris Popp (ÖDP/Grüne) auf: „Was passiert nach zehn Jahren mit den Häusern?“ Denn auf diesen Zeitraum sind das Projekt und die Genehmigung ausgelegt. „Das muss man dann sehen, wir haben keine konkreten Visionen“, sagte Kraske. Nachbarn fürchten, dass dann doch der Weg frei wird für das Mehrfamilienhaus. Der Bürgermeister betonte: „Die Genehmigung ist ganz klar auf den Unterbringungszweck ausgerichtet“. Und Dietrich Wax (SPD) schob hinterher: „Nach den zehn Jahren muss alles wieder neu verhandelt werden.“

Die gleiche Dauer gilt für das deutlich größere Vorhaben am Kathi-Weidner-Weg. Dort sollen 200 Asylbewerber in sieben Holzhäusern untergebracht werden. Diese abgespeckte Variante – ursprünglich waren elf Häuser für 320 Menschen vorgesehen – stellte Konstantin von Abercron von der Firma „Ehret und Klein“ nochmals vor, die die „Feel-Home“-Häuser baut. Das Projekt war bereits im vergangenen Jahr ausführlich diskutiert worden – und hatte unter den Bürger ebenfalls massive Proteste ausgelöst. Als die Flüchtlingswelle abflaute und der Freistaat alle geplanten Unterkünfte neu prüfte, wurde es still um das Projekt. Zudem fehlte die naturschutzrechtliche Genehmigung vom Freistaat. Die trudelte just am Montag in der Gemeinde ein. Abends gab der Ausschuss ebenfalls grünes Licht für die Unterkünfte. Sie sollen bis September stehen.

Stimmung kocht: Anwohner sind sauer

Unter den Anwohner an der Zaunkönigstraße haben die Pläne für eine Asylunterkunft in direkter Nachbarschaft für große Entrüstung gesorgt. Mit Mails und Schreiben, die dem Münchner Merkur vorliegen, haben sich Nachbarn im Vorfeld der Sitzung an die Gemeindeverwaltung und Ratsmitglieder gewandt. „Ich bin sehr verärgert und enttäuscht über Se“, schreibt eine Frau an Bauamtsleiter Stefan Buck. „Wir sind keine kleinen Kinder, denen man diktiert, was sie zu akzeptieren haben.“ Die Vorwürfe und Befürchtungen gehen in viele Richtungen: Die Anwohner wollen vorab zum Projekt gehört werden, fordern ein Rederecht in der Ausschusssitzung und haben Angst vor weiterem Parkdruck. Zudem fragen sie: „Wie gleicht Herr Eichbauer den Wertverlust der umliegenden Immobilien aus?“ Den unterstellen sie, wenn in der Nachbarschaft zwei Häuser für Asylbewerber entstehen. Und es sei „äußerst beschämend, dass man tatsächlich den Mut hat, auf dem Rücken hilfesuchender Menschen eine Optimierungslösung für das brachliegende Grundstück zu suchen und finden“. Ein Anwohner sagt: „Die Gemeinde hat kein Interesse daran, im Vogelviertel Ruhe zu schaffen.“ Die ist seit Jahren gestört. Seit dem Widerstand gegen das Mehrfamilienhaus, das Eichbauer auf der Fläche bauen wollte, flammt der Streit immer wieder auf. Zuletzt ging es um die Kündigung der Stellflächen auf dem Areal, auf dem nun die Unterkünfte entstehen sollen.

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