„Bitte nicht nur Rotwein“ hatte sich Rainer Pippig (l.) zum Abschied gewünscht. Die Kollegen schenkten Bücher und Filme, die Weinkiste von Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (r.) nahm Pippig deshalb gerne an.   Foto: Robert Brouczek

Pensionär wider Willen

Oberhaching - Gerne wäre Rainer Pippig (61) noch ein paar Jahre Schulleiter am Gymnasium Oberhaching geblieben. Doch seine Gesundheit zwingt ihn vorzeitig in den Ruhestand.

Für die Schule ist das nicht nur der berühmten „Pipp-Sprüche“ wegen ein Verlust.

von Marie-Christine Fischer

Oberhaching - Die Schülerinnen des Mittelstufenchors haben ihrem Direktor einen Thron auf der Bühne bereit gestellt. Mit Luftballons in den Händen singen und tanzen sie für ihn. Eine vielsagende Geste und nur eine von vielen liebevoll einstudierten Darbietungen im Rahmen der feierlichen Verabschiedung Rainer Pippigs in der Aula des Oberhachinger Gymnasiums. Ähnliches gilt für die Wortbeiträge. Wer spricht, findet meist herzliche Worte und ist voll des Lobes - ob Bürgermeister Stefan Schelle, Kollegen, Wegbegleiter, Schülersprecher. Und doch überwiegt für die Hauptperson in Sakko mit Fliege an diesem Vormittag das weinende Auge. Kommt das alles doch irgendwie zu früh.

Zu Beginn des Schuljahres 2006/2007 hatte Pippig die Stelle als Rektor in Oberhaching angetreten. Es sei, sagt er, für ihn nicht einfach nur der letzte Posten, sondern der Höhepunkt seiner Karriere gewesen. Diese nun vorzeitig zu beenden, fällt ihm schwer. „Es ist eine schmerzliche Entscheidung, aber für alle das Beste“, sagt er. Seit einem Autounfall im August 2010 hat Pippig massive gesundheitliche Probleme. Drei Rückenoperationen musste er über sich ergehen lassen. Immer öfter habe er erschreckt festgestellt, „wie der Gesundheitszustand auf den Geist geht“ und ihm „die gestalterische Kraft“ raubt, die er als essentiell für seine Arbeit empfindet.

Pippig hat Mathematik, Physik und Informatik studiert. In den 1980er Jahren arbeitete er als Dozent am physikalischen Institut der TU München in Weihenstephan und lehrte an der Ludwig-Maximilians-Universität Didaktik der Physik. Auch im Schuldienst ist er immer ein Stück weit Wissenschaftler geblieben - seinem Spruch „Meine Kinder haben die Intelligenz von mir - meine Frau hat sie ja noch“ zum Trotz. Seine Kollegen honorierten die Wissbegierde zum Abschied mit einem „Fresskorb voll geistiger Nahrung“. Jede Fachschaft steuerte einen Happen bei. Zahlreiche Reclam-Hefte und Alexander von Humboldts „Reise nach Südamerika“ etwa.

Künftig, da seine Ferien - gemäß einem seiner Sprüche - „statt von Weihnachten bis Heilig Drei König, von Heilig Drei König bis Weihnachten“ und sogar noch darüber hinaus gehen, möchte Pippig nachholen, wofür bisher wenig Zeit blieb: Lesen, Musizieren, sich seinem Hobby Astronomie widmen und viel Zeit mit seiner Familie, im Besonderen mit der kleinen Enkeltochter verbringen. Wer zu Beginn des neuen Schuljahres seine Nachfolge antritt, steht noch nicht fest.

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