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Ob Mitfahrdienst Lyft oder Stauwarnung: Per App sollen Autofahrer dem Chaos entgehen.

Pilotprojekt

Per App durch den Stau-Dschungel

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Eine App für Autofahrer, dynamische Verkehrsschilder, bessere ÖPNV-Routen und Ampelschaltungen: Rene Fassbender hat viele Ideen, um das Verkehrschaos zu reduzieren. In Kirchheim fängt‘s an.

Ein 40-jähriger Unternehmensgründer aus Garching will die Verkehrsprobleme im Landkreis lösen. „Smart Mobility“ heißt das Zauberwort, und was Rene Fassbender sucht, ist nicht weniger als den Heiligen Gral der Mobilitätsforschung. 

Ob Dresden, Hamburg oder das Saarland: Smart Mobility, der Versuch dem Verkehrschaos durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien Herr zu werden, ist viel diskutiert. Die Vorschläge, die der Gründer dem Kreis-Mobilitätsausschuss vortrug, klingen geradezu fantastisch. 

 Rene Fassbender (40).

So sollen intelligente Sensoren Verkehrsströme an besonders belasteten Stellen erfassen. Für Autofahrer wird es eine App geben, die vor Staus warnt, Umleitungen empfiehlt. Dynamische Verkehrsschilder könnten eine ähnliche Funktion übernehmen, sagte Fassbender: Routen von Pendlerbussen, dem Nahverkehr überhaupt, würden optimiert. Durch Simulationsstudien sollen Ampelschaltungen angepasst, Sharing-Angebote aller Art, vom Auto übers Rad bis zum Taxi, besser koordiniert werden. 

Datenschutz wird eingehalten

„Und keine Sorge, die Geräte gehorchen dem Datenschutz.“ Kfz-Schilder seien nicht zu identifizieren. Am Ende sollen Individualverkehr verringert, Staus vermindert und die Lebensqualität im Ort erhöht werden, weil Luftverschmutzung und Lärmbelastung sinken.

Die Gemeinde Kirchheim hat sich sofort bereit erklärt, an dem von Fassbender geleiteten Pilotprojekt des Regionalausschusses der Industrie- und Handelskammer im Landkreis teilzunehmen.

Fassbender, der im Garchinger Gründerzentrum 2015 ein Start-Up aus der Taufe gehoben hat, das sich mit Themen wie grüner Energie und smarten Verkehrssystemen befasst, will keine „weitere Studie für die Schublade“ produzieren: Wegen utopischer Mittelanforderungen verschwänden solche Studien meist, von wohlmeinenden Kommentaren begleitet, auf Nimmerwiedersehen in der Versenkung.

Idealisten, Forscher, Studenten im Boot

Fassbender umgibt sich daher vorzugsweise mit Studenten, Idealisten und Forschern, die ehrenamtlich arbeiten, um das Budget gering zu halten. Ein Netzwerk aus Initiativen, Kommunen, Institutionen und weiteren StartUps sowie einigen, durchaus namhaften Unternehmen mit einem höchsteigenen Interesse an dem Thema, sollen helfen, das Budget auf 60 000 Euro zu begrenzen. 

Der Pilot läuft zum Jahresende aus, und was Firmen an dem Thema reizt, hatte Oberschleißheims Bürgermeister, Christian Kuchlbauer (FW), im Rahmen der Gespräche um Innenminister Hermanns „Verkehrspakt“ im August 2017 zur Sprache gebracht: „Die machen Druck, weil Mitarbeiter es nicht mehr rechtzeitig zur Arbeit schaffen.“

Kreis gibt 10.000 Euro

IHK und der Kreis sind mit je 10 000 Euro dabei. Landrat Christoph Göbel (CSU) ist angetan: „Das Projekt überlappt mit eigenen Vorstellungen, die wir umsetzen wollen.“ Seit vergangenem Jahr tüftelt man an einem runderneuerten Nahverkehrsplan, ist dabei, den ersten von 14 Radschnellwegen umzusetzen.

In Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) hat Fassbender zudem einen, wie er sagt, „begeisterungsfähigen Vorreiter in Sachen Innovationsbereitschaft, Dynamik, Motivation und neuer Mobilitätskonzepte“ an der Seite. Böltl hat allen Grund, sich der Sache mit Enthusiasmus zu verschreiben. Abgesehen von den innerörtlichen Verkehrsproblemen, den Schwierigkeiten mit A 99 und St. 2082, verlangen drei Gewerbegebiete mit 7000 Beschäftigten nach intelligenten Lösungen.

Auch Bürgermeister andere Kommunen hörten mit Interesse zu: Stefan Schelle (CSU) etwa aus Oberhaching hofft auf ein kreisübergreifendes Projekt. Dazu bräuchte es natürlich einen exakten Budgetplan. „Es muss klar sein, wer profitiert, wem die Sache nutzt.“ Schade fände er, wenn jede Gemeinde weiter ihre eigenen Pendlerbusse durch die Gegend schickt.

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