Kein Maibaum mehr am Kirchplatz: Laut Gutachten eines IHK-Sachverständigen für Holzschutz und Holzschäden war der 36 Meter hohe Baum in Ismaning von Weißfäule befallen. Foto: guv

Pilzbefall: Ismanings Maibaum muss weg

Ismaning - Der Kirchplatz hat seinen Hingucker verloren - und die Ismaninger feiern den 1. Mai 2015 definitiv ohne Maibaum.

Der Burschenverein musste das zwei Jahre alte und von der so genannten Weißfäule befallene Exemplar am Samstag aus Sicherheitsgründen entfernen.

„Auf Grund des festgestellten Pilzbefalls muss davon ausgegangen werden, dass der Baum beim Auftreten von starken Winden nicht mehr ausreichend verkehrssicher ist“, heißt es in dem Gutachten von Prof. Martin Illner. Der IHK- Sachverständige für Holzschutz und Holzschäden hatte am 28. Januar im Auftrag der Gemeinde die Mai-bäume in Ismaning und im Ortsteil Fischerhäuser unter die Lupe genommen.

Der 2012 in Fischerhäuser aufgestellte Maibaum lieferte demnach „keine Hinweise auf Holz zerstörende Pilze“ - anders sah es beim ein Jahr später platzierten Maibaum am Ismaninger Kirchplatz aus. In etwa 17,5 Meter Höhe des insgesamt knapp 36 Meter langen Baumes diagnostizierte Illner an einer Stelle „unterhalb des Befestigungsrings der Schmucktafeln mit ‚Feuerwehr und Polizei‘ eine optisch erkennbare Auffälligkeit in der Holzoberfläche“.

Der Pilzbefall sei unter anderem auf die dort befindliche Schraube im Schmuckring zurückzuführen, ein außen am Maibaum erkennbarer Fruchtkörper sei nicht vorhanden, heißt es in dem Gutachten des Diplom-Holzwirts. „Es handle sich „nicht um die üblicherweise bei Maibäumen auftretenden und durch ihre Fruchtkörper gut erkennbaren Blättlingspilze, die die Zellulose abbauen und die so genannte Braunfäule auslösen“. Vielmehr liege eine so genannte Weißfäule vor. Pilze dieses Typs sind laut Illner an lebenden und lagernden Bäumen häufig. Es sei daher durchaus möglich, dass der aus Starnberg stammende Baum seine Infektion bereits mitgebracht habe: „Gegebenenfalls ist der Baum beim Fällen in dem Bereich der jetzt den Pilzbefall aufweist, aufgeschlagen und hat dort einen Stauchbruch bekommen, in den jetzt eine entsprechende Wassermenge eindringen konnte.“

Drei Stunden lang waren rund 20 Mitglieder des Burschenvereins unter tatkräftiger Mithilfe eines Kranwagens am Samstag damit beschäftigt, „den Maibaum umzulegen“, wie es Bernhard Dobmaier formuliert. Der Vorsitzende des Burschenvereins geht davon aus, dass es 2016 wieder einen Maibaum gibt: „Wir reden mal mit der Gemeinde über einen Zuschuss.“ Heuer wird das nichts mehr: Üblicherweise werden die Bäume im Dezember geschlagen und können so bis April des kommenden Jahres austrocknen.

Den aktuellen Maibaum - er hätte ursprünglich bis 2018 stehen sollen - zerlegten die Burschen in acht je 3,20 Meter lange Einzelteile und transportierten diese in ihr Domizil an der Grünfleckstraße. Aus dem noch gesunden Holz wollen sie Biertische und -bänke schreinern und diese dann wohl 2016 beim Aufbau eines neuen Maibaums versteigern.

„Da wir natürlich auch neugierig waren, wie weit die Fäulnis voran geschritten ist, teilten wir nach dem Umlegen den Baum an besagter Stelle. Nur um festzustellen, dass der Stamm an dieser Stelle auf einer Länge von zehn Zentimetern und einer Tiefe von vier Zentimetern verfault ist“, schreiben die Ismaninger Burschen in ihrer Pressemitteilung. Bei einem Stammdurchmesser des Baums von 40 Zentimetern könne man „auf keinen Fall von einer Instabilität“ sprechen, lautete ihr Fazit.

Guido Verstegen

Auch interessant

Kommentare