Pionier der Zigeunerseelsorge

- Taufkirchner Diakon betreut 5000 Sinti

VON WOLFGANG ROTZSCHE Taufkirchen - Zehn Jahre ist es nun her, dass der katholische Diakon Nikola Capin die Zigeunerseelsorge im Erzbistum München und Freising übernommen hat. Von seiner Wohnung in Taufkirchen aus betreut der gebürtige Kroate, der gestern 56 Jahre alt wurde, rund 5000 Sinti.

Als das erzbischöfliche Ordinariat 1993 erstmals die Stelle für einen Zigeuner- und Nomadenseelsorger ausschrieb, war für den Diakon klar, sich zu bewerben. Bis dahin hatte er in der Taufkirchner Pfarrei St. Johannes der Täufer gewirkt. "Anfangs war es für mich völliges Neuland", gibt Capin zu. Die Zigeunerseelsorge habe wenig mit der normalen Arbeit in einer Pfarrei zu tun. Es gibt keine geregelten Gottesdienste, kein Pfarramt, kein Pfarrzentrum, kein festgelegtes Wochenprogramm. Der Diakon hat sich der Lebensweise der Zigeuner anzupassen. Oftmals muss Capin sie zu Hause besuchen.

Zu Beginn seines Wirkens war Mundpropaganda angesagt. Die erste Kontaktaufnahme verläuft meist über Telefon. Mittlerweile hat der Diakon zu Hause einen umfangreichen Karteikasten, wo er seine Schäfchen verwaltet. Da Capin der erste Amtsinhaber dieser Art ist, muss er echte Pionierarbeit leisten. In den Zigeunerfamilien nimmt er Segnungen vor, unterrichtet die Kinder in der katholischen Religionslehre und ist auch für viele weitere Sorgen Ansprechpartner. Denn Seelsorge allein ist nicht sein Metier. Die Anweisung des Ordinariats sieht vor, dass der Geistliche die Zigeuner in Wohnungsfragen, in Sachen Asyl und Staatsangehörigkeit berät und bei Wiedergutmachung von Straffälligkeiten mitwirkt. Diese Punkte decken den sozial-caritativen Bereich eines Diakons ab, so Capin. "Ich bin Anwalt für die Zigeuner in alle Richtungen. Meine Aufgabe ist es, mich in allen Sorgen und Nöten um diese Menschen zu kümmern."

Schon oft war der Diakon auch außerhalb des Erzbistums unterwegs, um Zigeunern beizustehen. Bei vielen Behörden ist er schon ein guter Bekannter. Es gibt nämlich gerade einmal sieben hauptamtliche Zigeunerseelsorger in den 27 katholischen deutschen Bistümern. Capin selbst ist mit einer Dreiviertelstelle für diesen Bereich abkommandiert. Das restliche Viertel leistet der Diakon der Pfarrei St. Korbinian in Unterhaching ab. Capin hofft, dass einmal eine volle Stelle für diesen Seelsorgebereich geschaffen wird.

Herausforderung für die katholische Seelsorge

Seine Erfahrungen hat er in seine theologischen Hausarbeit für die zweite Dienstprüfung einfließen lassen. Diese hat er mit den Worten "Das Leben der Zigeuner in Ausgrenzung und Ignoranz - eine Herausforderung an die katholische Seelsorge" betitelt. Im Vorwort schreibt er: "Mein Anliegen ist dabei jedoch primär, um diese Menschen zu werben und aufmerksam zu machen, dass der Dienst auch an und mit den Zigeunern ein Ernstfall von Kirche und Pastoral ist."

Nähere Infos unter www.kath-zigeunerseelsorge.de.

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