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Die Staatsanwältin will, dass die 39-jährige Verkäuferin aus Haar elf Jahre und neun Monate einsitzt.

Plädoyers im Prozess um Kindstötungen: Ganz knapp an Mordvorwurf vorbei

Haar - Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben am Donnerstag ihre Plädoyers im Prozess um die Kindstötungen in Neuried (1995) und Haar (2009) gehalten.

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Angeklagte verstrickt sich in Lügen

Dabei waren sie sich bei der Bewertung völlig einig. Im ersten Fall handle es sich um Kindstötung nach dem früheren Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches – er gestand einer Mutter, die ihr nichteheliches Kind tötete, einen gewissen Strafrabatt gegenüber anderen Arten des Totschlags zu: drei Jahre Mindeststrafe statt fünf. Im zweiten Fall handle es sich um Totschlag. Die beiden Seiten forderten jedoch unterschiedlich hohe Strafen.

Die Staatsanwältin will, dass die 39-jährige Verkäuferin aus Haar elf Jahre und neun Monate einsitzt. Die Verteidigerin plädierte auf achteinhalb Jahre. Beide halten die Frau, die zwei ihrer vier Kinder gleich nach der Geburt getötet hat, für voll schuldfähig. Die Leiche des Babys, das 1995 geboren wurde, ist bis heute verschwunden. Die Obduktion der zweiten Leiche ergab eindeutig, dass das Kind gelebt hat und in der Badewanne ertrunken ist. „Die Angeklagte fasste den Entschluss, das Kind nicht haben zu wollen“, sagte Staatsanwältin Katrin Höffler zum Fall von Neuried, „sie wollte das Kind töten.“ Beim Fall in Haar habe sie sich während der Schwangerschaft entschlossen, es wie 1995 „zu lösen“. Bei der Angeklagten handle es sich um eine „dissoziale Persönlichkeit“, die ein „kunstvolles Gebilde von Täuschungsmanövern“ erschaffen habe. Das Jugendamt hätte ihr sicher geholfen, eine Lösung zu finden, aber die Angeklagte sei zu bequem gewesen. Die Taten befänden sich „an der Grenze zu den niedrigen Beweggründen“ – sprich Mord.

Selbst Verteidigerin Birgit Schwerdt fand keine besseren Worte für ihre Mandantin. Sie sprach von „verantwortungslosem Verhalten“. Die Handlungen der Angeklagten seien von „egoistischen Motiven“ getragen gewesen. Die Angeklagte selbst gab alles zu. „Ich versuche jetzt, mit der Wahrheit umzugehen“, sagte sie in ihrem letzten Wort, „es tut mir leid für meine Familie, für meine Freunde und vor allem für meine Kinder.“ Am Freitag fällt das Urteil. Nina Gut

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