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Jürgen Jost vor seinem Gebäude in der Maier-Leibnitz-Straße im Herzen von Garching. Er verhandelt mit dem Landratsamt darüber, die Immobilie in ein Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge umzuwandeln.

Für Minderjährige

Entsteht doch ein zweites Flüchtlingsheim in Garching?

Garching - Der Landkreis München erwägt offenbar, minderjährige Flüchtlinge im Garchinger Ortszentrum unterzubringen. In dem Haus in der Maier-Leibnitz-Straße von Unternehmer Jürgen Jost hat es einen ersten Besichtigungstermin gegeben.

Als im März die ersten Asylbewerber in die Wohncontainer am Echinger Weg einzogen, zeigte sich sogar Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) überrascht. Denn unter den Ankömmlingen befanden sich nicht nur Frauen und Männer, sondern auch rund ein Dutzend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bis heute leben sie mit ihren Betreuern in einem der drei Container – was laut Landratsamt aber nur eine Notlösung sein soll.

Es könnte jedoch sein, dass die Jugendlichen dauerhaft in Garching bleiben. Denn der Landkreis prüft offenbar, ob er junge Flüchtlinge in dem Büro- und Ladengebäude in der Maier-Leibnitz-Straße unterbringen kann. Dessen Besitzer ist der Unternehmer Jürgen Jost. Er hat bereits einen Bauantrag eingereicht, um die Immobilie in ein Flüchtlingsheim umzuwandeln.

Zunächst habe er bei der Regierung von Oberbayern angefragt, ob diese Interesse an dem Objekt habe, berichtet Jost. Nun jedoch sei das Landratsamt auf ihn zugekommen, mit der Absicht, dort minderjährige Flüchtlinge unterzubringen. Einen ersten Besichtigungstermin mit Behördenvertretern hat es vergangene Woche gegeben.

„Wir sind auf der Suche nach einer Anschlussunterbringung für die minderjährigen Flüchtlinge, die zurzeit in Garching untergebracht sind“, sagt Christine Spiegel vom Landratsamt. Ob hierfür auch die Jost’sche Immobilie in der Maier-Leibnitz-Straße geprüft werde, will sie nicht kommentieren. Jedoch betont die Pressesprecherin: „Wir suchen auch in Garching nach geeigneten Unterkünften.“

Derweil ist der Besitzer überzeugt: „Dieses Gebäude wäre prädestiniert für Jugendliche.“ Und mit Blick auf die Unterkunft am Echinger Weg fügt Jürgen Jost hinzu: „Alles ist besser als Container. Hier wären die Flüchtlinge viel mehr integriert. Was dort am Ortsrand geschieht, ist eine Ausgrenzung ohne Ende.“

Nach derzeitigen Plänen sollen im Obergeschoss des Gebäudes zwölf etwa 20 Quadratmeter große Zwei-Bett-Zimmer entstehen, jeweils mit Bad. Im Erdgeschoss, das bis vor einigen Jahren einen Getränkemarkt beheimatet hat, sind drei größere Wohnräume geplant sowie eine Küche, Aufenthaltsräume und Büros.

Dass der Landkreis nun offenbar erwägt, weitere Flüchtlinge im Garchinger Stadtzentrum unterzubringen, dürfte Bürgermeister Gruchmann nicht erfreuen. Schließlich hat er mehrfach betont, dass er die von Jürgen Jost und Albert Ostler geplanten Unterkünfte ablehnt. In der Diskussion berief sich der Rathauschef stets auf die Zusage von Landrat Christoph Göbel (CSU): „Er hat sein Wort gegeben, dass es in Garching keinen zweiten Standort geben wird.“

Dazu sagt Christine Spiegel vom Landratsamt: „Die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hat einen Sonderstatus.“ Dies könne man nicht mit anderen Unterkünften vergleichen. Und: „Wir müssen die Flüchtlinge ja irgendwo unterbringen.“

Schon im April hatte Landrat Göbel an die Kommunen appelliert: „Wir suchen dringend geeignete Räume für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.“ Damals ging man davon aus, dass der Landkreis bis Jahresende etwa 200 Jugendliche aufnehmen muss; angesichts steigender Flüchtlingszahlen dürften es inzwischen sogar noch mehr sein. Für die Unterbringung der minderjährigen Flüchtlinge ist das Jugendamt zuständig; hier gebe es „eine viel engere Betreuung“, sagt Christine Spiegel. „Von daher werden auch an die Unterkünfte andere Maßstäbe angelegt."ps

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