"Probleme vor der eigenen Haustür bedrücken stärker"

- Bislang wenig Unterschriften für das Volksbegehren gegen Klonen

VON CORNELIA BABL Landkreis - Von einem Ansturm war nichts zu spüren: Am ersten Einschreibetag des ödp-Volksbegehren gegen Klonen am Menschen machten sich gestern nur wenige Bürger auf den Weg in die Rathäuser, um ihre Unterschrift abzugeben. Auch einige Bürgermeister wissen noch nicht so recht, wie sie zum Volksbegehren stehen.

Bis gestern Mittag haben 20 Klongegner das Ottobrunner Rathaus aufgesucht. "Das ist wenig für 14 500 Wahlberechtigte", sagt Ordnungsamtchef Richard Putz. Ziel des Volksbegehrens ist, Artikel 100 der Bayerischen Verfassung zu ändern: Wo derzeit lediglich von der "Würde der menschlichen Persönlichkeit" die Rede ist, soll nach Willen der Initiatoren künftig das Klonen menschlicher Embryonen als unvereinbar mit eben dieser Würde erklärt werden. "Das hat mit Kommunalpolitik nichts zu tun", urteilt Bürgermeisterin Sabine Kudera (SPD), die ihren Standpunkt noch nicht gefunden hat. Ihr sei der Verwaltungsaufwand ein Dorn im Auge, der durch das Volksbegehren entstehe. "Das ist für uns eine irre Belastung", moniert sie.

Auch in Schäftlarn reagieren die Bürger noch zurückhaltend auf das Volksbegehren. "Bis jetzt war keiner da", sagte Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) gestern Mittag. Seine Begründung: "Die Leute bedrücken Dinge vor Ort sehr konkret, zum Beispiel Kindergärten." Das Thema Klonen sei möglicherweise "zu weit weg". Ruhdorfer weiß nicht, ob er unterschreiben wird. "Ich muss mich erst informieren."

Sein Straßlacher Amtskollege Walter Brandl (Bürgerbewegung) hat sich zwar eine Meinung gebildet: "Ich finde, die Individualität des Menschen ist ein hoher Wert."

"Abgerechnet wird erst am Schluss"

Ob er das Begehren unterstützt, bleibt aber sein Geheimnis, schließlich wolle er "keine Wahlbeeinflussung" betreiben. Bis gestern Mittag war noch kein Straßlacher zum Unterschreiben im Rathaus. Brandl: "Aber abgerechnet wird erst am Schluss. Ich bin sicher, das Thema beschäftigt die Leute."

"An zwei Händen abzuzählen" waren die unterschriftswilligen Taufkirchner gestern laut Bürgermeister Eckhard Kalinowski (SPD). Mit einem Ansturm rechnet er nicht. "Das Thema geht an den Leuten vorbei, weil es komplex ist." Er wird das Volksbegehren, dessen Frist bis 4. Juni läuft, nicht unterstützen. Damit liegt er auf der Linie von Bezirkstagsmitglied und Mediziner Jan Murken (SPD), der am Mittwoch in einem Vortrag erläuterte, warum er das Begehren für unnötig hält. "Die Formulierungen sind nicht restlos durchdacht." Im Herbst stehe ohnehin eine Änderung der bayerischen Verfassung an, die sich eindeutig gegen Klonen wende.

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