Professor Zöpfl plädiert: Kinder nicht als Mini-Erwachsene sehen

- Bei der Erziehung in die eigene Vergangenheit schauen

VON BIRGIT DAVIES Deisenhofen - "Erziehung ist eine Straße mit Schlaglöchern, ob sie nun wie früher Hans-Meier-Weg genannt wurde oder jetzt Monika-Hohlmeier-Avenue", meinte Professor Helmut Zöpfl süffisant. Vor interessierten Eltern und Lehrern der Deisenhofener Grundschule hielt der ehemalige Ordinarius am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität einen informativen Vortrag über die Möglichkeiten positiver Erziehung, der die Projekttage der Schule, die unter dem Motto "Schick dein Lächeln auf die Reise" standen, abrundete.

Intelligenzbegriff ist zu sehr rein aufs Wissen reduziert

Zöpfl machte deutlich, dass oftmals die Anforderungen, die an Kinder gestellt werden, im Widerspruch zu deren Realität stehen. Denn einerseits sollen zum Beispiel Werteerziehung und Gewaltprävention gefördert werden, andererseits steht zur Überlegung, Fächer wie Ethik oder Religion, die sich mit diesen Themen beschäftigen, zu kürzen.

Vehement kritisierte er auch den heutigen Intelligenzbegriff, der sich nach Zöpfls Worten meist auf reines Wissen aufbaue, jedoch Lebenstüchtigkeit verkümmern lasse. "Wenn man Kinder auf bestimmte Fähigkeiten reduziert, tut man ihnen Unrecht und schöpft ihre Möglichkeiten nicht aus", betonte der Professor. Er erinnerte die Eltern an ihre eigene Kindheit, in der unter anderem der Schulweg und das Spiel mit anderen Kindern am Nachmittag einen wichtigen Stellenwert einnahm, weil Sozialverhalten eingeübt werden konnte, das späteres Verhalten bestimmt. Appell an gesunden Menschenverstand der Eltern "Nur wenn die Kinder einen eigenen Standpunkt in ihrer ,kleinen` Welt entwickeln können, finden sie später Stand in der Welt der Großen." Er wies auch darauf hin, dass den Kindern vermittelt wird, im Unterricht alles spielerisch zu erlernen, anstatt deutlich zu machen, dass Lernen auch ernst und mühsam ist, jedoch lohnenswert.

Letztlich plädierte Zöpfl an den gesunden Menschenverstand der Pädagogen und Eltern, ihr Kind als Kind zu sehen und nicht als "Mini-Erwachsenen". Die Projekttage der Schule bieten laut Zöpfl die Chance, die Kinder positiv in die Verantwortung zu nehmen in ihrem Rahmen Gutes zu tun. "Die Kinder können erfahren, dass das eigene Lächeln beim Gegenüber meist auch ein Lächeln auslöst!" Ihren Abschluss fanden die drei Projekttage gestern Vormittag, als die Grundschüler begeistert bunte Luftballons mit guten Wünschen und Botschaften im Pausenhof auf die Reise schickten.

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