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Wie viele Häuser , wie diese Holzgebäude in Taufkirchen, müssen noch gebaut werden?

Zahl der Asylsuchenden sinkt

Unklar, welche Unterkünfte noch nötig sind

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Die Zahl der Asylsuchenden im Landkreis geht drastisch zurück. Statt mit 6000 Flüchtlingen rechnet das Landratsamt für 2017 nur noch mit 4500 Geflüchteten. Die Frage, die sich automatisch stellt: Welche der einst als dringlich angesehenen, größeren Unterkünfte sind überhaupt noch nötig?

Landkreis Entwarnung gibt es weder für Oberschleißheim oder Ottobrunn mit jeweils etwa 200 Plätzen, und auch nicht für Neubiberg, wo 240 Flüchtlinge unterkommen sollen. In der Sitzung des Kreisausschusses teilte Landrat Christoph Göbel (CSU) daher mit, geplante Objekte einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Die Kreisräte, selbst Leonhard Schmid, Referatsleiter „Asyl“ im Landratsamt, schienen einigermaßen überrascht, ob der neuen Zahlen. Immerhin hatte man gegen Ende der Hoch-Zeit der Flüchtlingsbewegung Anfang 2016 noch mit 9000 Asylbewerbern gerechnet. Das Abkommen der EU mit der Türkei schloss im vergangenen März zwar die Balkanroute. Dennoch gelangten 2016 noch fast eine Million Menschen nach Europa. Zwei von Dreien beantragten Asyl in Deutschland.

Das scheint sich nachdrücklich geändert zu haben: „Wir bekommen keine Neuzuweisungen mehr in dezentrale Unterkünfte“, verkündete Schmid. Die Zahlen sind offenbar so frisch, dass vom Referat „Asyl“ noch keine angepassten Quoten für die 29 Kreis-Kommunen vorliegen. Bisher wusste jeder Bürgermeister, woran er war. Gemäß Königsteiner Schlüssel, der Asylsuchende nach jeweiligem Steueraufkommen eines Bundeslandes und der Bevölkerungszahl verteilt, gab es für jede Gemeinde eine Quote, mit der die Bürgermeister rechnen konnten.

Wer sich bisher fein rausgehalten hat, darf nicht „lachender Dritter“ sein

Das fällt nun weg. Vorerst jedenfalls. Und das Landratsamt will auf keinen Fall Streit unter seinen Gemeinden. Der freilich droht sich dennoch anzudeuten. Im Bereich Landschaftspark Hachinger Tal nämlich stellte Tobias Thalhammer (FDP) „eine große Dichte an Unterkünften“ fest. CSU-Sprecher Stefan Schelle rief vorsichtshalber zur Solidarität auf. Für den Bürgermeister von Oberhaching bedeutet das allerdings auch, Lasten keineswegs ungleich zu verteilen. Gemeinden, die sich in der Frage der Unterbringung bislang fein rausgehalten hätten, dürften nicht „lachende Dritte“ sein. Thalhammer jedenfalls vermag dem Ganzen jetzt schon etwas Positives abzugewinnen: Das mit den Quoten versteht er als „Auszeichnung für unsere gute Arbeit.“ Zur Zeit ist die Stabsstelle Asyl damit befasst, Quoten für Gemeinden anhand der neuesten Zahlen anzupassen. „Das macht Sinn“, befand der liberale Fraktionschef. Und das nicht nur in Bezug auf größere Projekte wie in Oberschleißheim und Neubiberg, seiner Heimatgemeinde. „Jede Immobilie verursacht Kosten und Mühen. Übermäßig Einrichtungen auf Halde brauchen wir nicht bauen.“

Göbel: Auf alle Eventualitäten vorbereiten

Vor dem Hintergrund, dass weniger Asylsuchende deutschen Boden erreichen, hält Susanna Tausendfreund, Grüne Bürgermeisterin in Pullach, es für richtig, die Zahlen nach unten zu korrigieren. Für Referatsleiter Schmid sind „verlässliche Prognosen“ jedoch schwierig. Trotz allem will Landrat Göbel den Kreis weiterhin auf Eventualitäten vorbereitet wissen. Die Unterbringung in dezentrale Unterkünfte und Integration rangieren für ihn an oberster Stelle.

Aktuell fehlen 900 Plätze:

Wie das Landrastamt gestern mitteilte, werden trotz der erwarteten rückläufigen Zahlen weiterhin Unterkünfte benötigt. Das Landratsamt geht von 900 Plätzen aus. Eine wichtige Rolle hierbei spielt der Familiennachzug. Das Amt geht von 300 bis 400 Personen aus. Hinzu kommen die etwa 500 noch in Notunterkünften lebenden Flüchtlinge sowie die ohne erwachsene Begleitung ins Land gekommenen Minderjährigen, die mit Erreichen der Volljährigkeit in die Zuständigkeit des Landratsamts fallen.

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