Projekt stellte Weichen für Galileo-Ansiedlung

- VON MARC SCHREIB Ottobrunn - Seit einem halben Jahr tüfteln die Astrium-Techniker in Ottobrunn am Satellitenprogramm Galileo mit. Den Zuschlag fürs Forschungshauptquartier bekam der Standort Ottobrunn keineswegs zufällig. Ein Stück dazu trug das Projekt BaiCES (Bavarian Centre of Excellence in Satellite Constellations) bei, wie der Direktor der Astrium-Navigationsprogramme, Wilfried Bornemann, bei einer Pressekonferenz an der Ludwig-Bölkow-Allee resümierte.<BR>

Das Forschungsprojekt - zur Hälfte von der Bayerischen Forschungsstiftung (BFS) mit 1,8 Millionen Euro finanziert - läuft seit drei Jahren und sollte zunächst einmal alle Daten zusammenschütten, die für eine Satellitennutzung notwendig sind, auch alle Hardware-Fakten. Rund 25 Ingenieure, außerdem zahlreiche Akademiker der TU-München, der Bundeswehruniversität in Neubiberg und des Fraunhofer-Instituts in Erlangen setzten sich zum Ziel, ein elektronisches Dokument zu erstellen. "Verändert man eine Parabel in der Kette, berechnet der Computer sämtliche Auswirkungen auf das technische System", so Bornemann.<P>Eine Teilstudie beschäftigte sich mit der Synchronisation von Atomuhren, denn für Satelliten, die sich dynamisch und mit hoher Geschwindigkeit im Orbit bewegen, ist jede hundertstel Sekunde für die Signalmessung entscheidend. Bislang fiel ein Satellit tagelang aus, falls der Betrieb auf eine Reserve-Uhr umgestellt werden musste. Mit der neu entwickelten Vorab-Bestimmung verringert sich die Ausfallzeit auf wenige Minuten. Anhand der neu eingerichteten "Modellbibliothek" in Ottobrunn - also durch die Vernetzung von Satellit, Bodenstation und Verbraucher im Computer - eruieren die Spezialisten auch, welcher Satellit sich gerade anbietet, welcher nicht. Die Vorteile sind laut Bornemann nicht nur technisch zu sehen, sondern auch finanziell, "denn die Luft in der Satellitenbranche ist dünn geworden". Mit der neuen Methode können die Ausgaben präzisiert werden.<P>Technik soll beim Einschalten funktionieren <P>Ein weiterer Aspekt ist für den Geschäftsführer der Bayerischen Forschungsstiftung, Horst Kopplinger, interessant: "Wir unterstützen nur Projekte, die zu einem wirtschaftlichen Ergebnis führen." Dieses habe die Weichenstellung dafür gegeben, dass sich Galileo-Industries im Landkreis München angesiedelt habe. Und die wisschenschaftlichen Neuerungen von BaiCES kommen dem europäischen Satellitenprogramm zugute. Ob die Technologie auch für das hinkende Mautsystem von Toll-Collect hilfreich eingesetzt werden kann? "Gerade dieses Scheitern wollen wir wir ja mit unserem Computerbasissystem verhindern. Die Technik soll möglichst beim ersten Einschalten funktionieren", so Bornemann.<P>

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