Der Supermarkt an der Kybergstraße wird die für Oberhaching so typische Dachform aufweisen. Foto: gemeinde

Projekt Supermarkt

Oberhaching - Seit sechs Jahren zerrt das Projekt „Lebensmittelgeschäft am Kirchplatz“ an den Nerven der Oberhachinger. Jetzt wird der Bebauungsplan noch ein letztes Mal öffentlich ausgelegt.

Der Laden soll den Bürgern in den Ortsteilen Oberhaching und Furth die Möglichkeit bieten fußläufig einkaufen zu können und parallel den Einzelhandel am Kirchplatz durch Kopplungseinkäufe stärken. Doch während ein Teil der Oberhachinger das Geschäft befürwortet, gibt es auch Gegner, nach deren Meinung das Projekt in der geplanten Größe den Kirchplatz verschandeln würde.

Die Gemeinde hat einen vorhabenbezogenen Bebauunsgplan ausgearbeitet: Der Hintergrund ist, dass der Plan rechtlich zwischen dem Sondergebiet Laden und dem dahinter liegenden Areal für Wohnbebauung getrennt werden muss. Wie Willi Regnet vom Bauamt im Gemeinderat darlegte, gibt es jedoch keine wesentlichen baulichen Veränderungen. Johannes Ertl (WGO) sagte, er habe es in seiner 20-jährigen Tätigkeit als Gemeinderat noch nie erlebt hat, dass ein Projekt so lange diskutiert und bekämpft wird. „Aber der Laden ist ein dringender Wunsch der Bürger und daher unterstützen wir das Projekt.“ Dem stimmte auch Margit Markl (SPD) zu: „Wir wollten einen kleineren Laden, sind aber im Gemeinderat damit unterlegen, nun werden wir die Planungen trotzdem mittragen.“

Auf Markls Nachfrage, wie realistisch es sei, dass die Oberhachinger in absehbarer Zeit einen Laden bekommen, sagte Bürgermeister Stefan Schelle (CSU), dass das Verfahren im Sommer abgeschlossen sein müsste. Dann könnte eine Normenkontrollklage eingereicht werden, wobei die Baugenehmigung trotzdem erteilt werden kann. Dagegen kann der Kläger ein Eilverfahren einlegen, das jedoch von den Gerichten meist innerhalb eines halben Jahres abgewickelt wird. Alfred Fischer (FB) zweifelte an der Wirtschaftlichkeit der Ladengröße und warnte vor zu viel Verkehr. „Der Parkplatz von Aldi in Unterhaching ist gerammelt voll, wo sollen so viele Autos denn am Kirchplatz hin“, betonte er. „Ich distanziere mich von dieser Größe.“

Dem hielt Schelle entgegen, dass es sicher jederzeit möglich sei im Gewerbegebiet zu bauen. „Doch damit trocknen wir die Ortsmitten aus und fördern eine autogerechte Entwicklung.“ Zudem zeigt das Verkehrsgutachten, dass die tatsächliche Mehrbelastung auf der Kybergstraße bei rund elf Prozent liegen werde. Mit einer Gegenstimme beschlossen die Räte die erneute Auslegung des Bebauungsplans. „Ich persönlich finde, dass ein kleinerer Laden eine tolle Option wäre, wenn man ihn auch wirtschaftlich darstellen könnte“, betont Schelle. Er fügte hinzu: „Am liebsten wären mir Tante-Emma-Läden im ganzen Ort verteilt, aber das ist leider realitätsfern.“

Helge Noae, Architekt im Ruhestand, zweifelt daran, dass die Chance der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Bebauungsplans wahrgenommen wird, da nach seinen Worten „die Menschen heute oft ihre eigenen Anliegen nicht in die Hand nehmen“. (dv)

Auch interessant

Kommentare