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„Das macht uns sehr traurig“: Gastronom Christophe Trichard in seinem mittlerweile geschlossenen französischen Restaurant; ihn als Pächter trifft keine Schuld, offenbar hat der Eigentümer die Räumlichkeiten nicht in nötigem Maße saniert.

Promi-Lokal

Mit dem „L’Estragon“ schließt eine Institution

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Straßlach - Das Landratsamt pocht nach Schimmelbefall in der Spülküche auf Sanierung:  Das französische Restaurant „L’Estragon“ in Straßlach muss schließen.

„L’Estragon“, das französische Restaurant in Straßlach, hat geschlossen. Für immer. „Das macht uns sehr traurig“, teilt Wirt Christophe Trichard den Gästen auf der Internetseite des beliebten Lokals mit. Dort sind noch die Fotos zu finden: das Restaurant von innen und außen, der schöne Garten, das allerletzte Menü, das in der Woche bis zur Schließung angeboten wurde. Seit 10. Januar ist das „L’Estragon“ zu.

„Erforderliche Renovierungsarbeiten am Gebäude machen diesen Schritt leider unumgänglich“, sagt Trichard. Der 43-jährige Franzose, der das „L’Estragon“ 13 Jahre lang geführt hat, wird in dem Haus nicht weiter machen.

Das Landratsamt München hatte in dem Gebäude einiges beanstandet – über den Putz gelegte Stromleitungen beispielsweise oder Schimmelbefall in der Spülküche. Trichard ist Pächter des Restaurants. Zwar hätte der Besitzer des Hauses die Mängel beheben lassen, und der Wirt hätte in den drei oder vier Monaten Renovierungszeit keine Pacht zahlen müssen, erzählt der Wirt. Allerdings hätte er keinen Verdienstausfall bekommen, dafür aber seine drei Angestellten weiter bezahlen müssen. 

Nach der Beanstandung des Lokals durch das Landratsamt habe der Gaststätteninhaber kurzfristige Maßnahmen getroffen, damit der Betrieb zunächst weiterlaufen konnte, berichtet Christine Spiegel, Sprecherin im Landratsamt München. Es habe zu keiner Zeit Gefahr für den Verbraucher bestanden. Um den Weiterbetrieb zu ermöglichen, sei eine Sanierung erforderlich, betont Spiegel. 

Der Eigentümer des Hauses habe sich nicht um die Immobilie gekümmert, sagt Bürgermeister Hans Sienerth. „Für das Aus ist der Wirt nicht verantwortlich. Er geht erhobenen Hauptes.“ 

Sienerth hat oft im „L’Estragon“ gegessen. Trichard sei „ein guter Typ“, betont der Bürgermeister. „Er versteht sehr viel von Gastronomie.“ Dass das Restaurant nun Geschichte sei, bedauert der Rathauschef. „Es war eine Institution.“ 

Was aus dem Haus wird, könne er nicht sagen. Der Eigentümer sei mit „verschiedenen Fragestellungen“ zur Nutzung ins Rathaus gekommen, die nicht in Frage kämen – das Gebäude befinde sich im Wasserschutzgebiet der Gemeinde Grünwald. Der Betrieb einer Gaststätte sei aber weiterhin möglich.

 Viele Prominente haben das „L’Estragon“ besucht. Darunter einige Fußballer – Miroslav Klose beispielsweise war in seiner Zeit als Bayernspieler Stammgast. Daniel van Buyten aß im „L’Estragon“. Stefan Effenberg kam oft her und feierte auch seinen 40. Geburtstag im Restaurant: Er ließ sich damals im Rahmen seiner Reality-Doku sogar dabei filmen. 

Doch es seien nicht nur Promis ins „L’Estragon“ gegangen, sagt Sienerth. Auf einer Abschiedsfeier mit Stammgästen und „Freunden des Hauses“ hatte der Bürgermeister eine kurze Ansprache gehalten und die Schließung des französischen Restaurants als „Verlust für die Gemeinde“ bezeichnet. Seinen Freund ein wenig zu foppen, ließ sich Sienerth dennoch nicht nehmen und erinnerte an die Anfangszeit, als der Franzose auf einer Karte für die kleinen Gäste „Kinderfleisch an Salaten“ angeboten habe. „Ich bin gespannt, was er weiter macht“, sagt der Bürgermeister.

 Trichard, der unter anderem Maître im Mayfair-Hotel in London war und im Bankettservice des City Hilton in München gearbeitet hat, will jedenfalls in der Gastronomie bleiben – und im Isartal. Christophe Trichard lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Straßlach, er ist Skilehrer und zweiter Vorstand im Sportverein Straßlach. Gerade nimmt sich der Gastronom „eine kleine Auszeit. Ich weiß noch nicht, was ich genau machen werde. Es ist ja alles noch ganz frisch.“

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